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mir das Plaisir, mit an die Fischerei zu gehen, ich wette darauf, dass wir vor Nachts, vor mehr als 8000. Mann, der besten grossen und Speise Fische fangen wollen, und davon soll die in unserm Hafen liegende Soldatesque ihren Anteil haben, auf unser aller Gesundheit die Fische zu verzehren, und wenn meine Rede nicht eintrifft, so will ich ihnen 4. von meinen besten Ochsen dazu schlachten lassen.

Demnach begaben wir uns hinunter an das Ufer, und setzten uns in die Lust-Schiffe und Kähne, ich bemerckte aber unter allen andern dieses Curiositeé, dass mein Bruder mit seinem Leit-Sterne, nämlich des Gouverneurs ältesten fräulein in einem kleinen LustSchiffe nebst einer alten Matrone, ganz alleine zu sitzen kam. Die Fischerei ging unter Trompetenund Paucken-Schall mit mehr als 300. Fischern, ohne die Handlangers, trefflich von statten, so, dass wir, ehe es dämmerig ward, aufhören mussten, von wegen der grossen Menge. Es war, wie gesagt, eine erstaunliche Menge Fische, weswegen der Gouverneur erstlich die allerbesten zu seiner Tafel auslesen liess, die übrigen aber noch vor Nachts in grossen fisch-Fässern unsern Leuten an den Strand zuschickte. Wir mussten gestehen, dass dieses eine fisch-Portion vor mehr als 16000. Mann wäre, dem ungeachtet liess der Gouverneur 4. der fettesten Ochsen hinter den fisch-Wagens hertreiben, und machte unsern Leuten ein Præsent damit. Wir fanden auf dem Tafel-Zimmer noch einen herrlichen Caffeè, und nachdem dieser mit Appetit genossen, nahmen wir vor dissmahl allesammt Abschied von einander, und begaben uns zur Ruhe. Früh Morgens stunde mein Bruder wider seine Gewohnheit sehr früh auf, und sagte zu mir: dass, weil es ein gar allzu angenehmer Tag wäre, er sich ein wenig in dem Lust Garten mit Spatzierengehen divertiren wolte, um der angenehmen Morgen-Lufft zu geniessen. Ich hatte nichts darwieder einzuwenden, da mir aber die Sache verdächtig vorkam, schlich ich nach Verlauf einer guten Stunde ihm nach, und fand mein Brüderchen mit seiner Amasia in einer dick belaubten Hütte sitzen. Ich sah, dass sie einander hertzten und küsseten, auch sich dergestalt mit den Armen zusammen geschlossen hatten, als ob sie ewig also sitzen bleiben wolten. Erstlich ging ich wieder zurück auf etliche Schritte, trat aber bald zu ihnen hinein, und bot ihnen einen guten Morgen. Hierauf sagte ich: Kinderchen, ich habe von ferne gesehen, dass ihr einen hertzhaften Morgen-Seegen mit einander gebetet, es ist mir lieb, dass ihr einander lieb habt, allein führet euch behutsam auf, und macht das Spiel nicht zu bund, damit es die Eltern und andere Aufsehers nicht gewahr werden, ich aber will euch nicht verraten.

Das fräulein wurde so rot, als ein Stück Blut, kam aber auf mich zu, und küssete mir erstlich die Hand, hernach den Mund, worauf ich mich gedoppelt revangirte; Mein Bruder aber sagte in deutscher Sprache zu mir: Mein Bruder! ihr hättet mit gröster Renommeè noch eine Stunde schlaffen, und mich in meinem Vergnügen ungestöhrt lassen können.

Gebt euch zufrieden, mein Bruder! (gab ich ihm zur Antwort,) ich will ganz und gar nicht ein Stöhrer eures Vergnügens sein, sondern ich sage nur so viel, bedenckt, wo wir uns aufhalten, und gehet behutsam; auf dem Zimmer wollen wir von dieser Begebenheit ein mehrers mit einander sprechen.

Hierauf traten wir aus der Hütte heraus, nahmen das fräulein in die Mitte, und gingen noch eine Zeit lang im Garten herum spaziren, bis wir bemerckten, dass im haus alles munter war, da denn das fräulein, nachdem sie uns beide geküsset, im Garten zurück blieb, wir aber begaben uns auf unsere Zimmer, und traffen daselbst schon die Portugiesischen Capitains und 2. Cavaliers des Gouverneurs an, welche bereits den Anfang gemacht hatten, sich jeder nach seinem Belieben mit Teè, Caffeè und Chocolade tractiren zu lassen, da wir denn mit machten, und ihnen erzähleten, dass wir wohl 2. Stunden lang der angenehmen Morgen-Lufft genossen. Wir divertirten uns mit allerhand Gesprächen, bis Trompeten und Paucken zur Tafel citirten, da wir beiden Brüder denn, nachdem wir unter währender Zeit uns ankleiden lassen, also bald, da ein Page kam, und uns zur Tafel invitirte, insgesammt hinunter spatzierten. Es ging bei der Tafel so zu, als es vorher gewöhnlich gewesen, nur dass die Tafel eher, als sonst gebräuchlich war, aufgehoben wurde, denn der Gouverneur hatte uns zum Plaisir einen Tier-Streit anstellen lassen. Wir sahen demselben mit grössten Vergnügen zu. Erstlich wurden in die gemachten Schrancken ein wilder Ochse und ein Löwe gelassen, welche beide einen heftigen Kampf über eine Stunde lang mit einander hatten, der in Wahrheit sehr curieus anzusehen war; endlich überwand der Löwe, und zerriss den Ochsen. Hierauf wurde ein anderer frischer Ochse in die Schrancken gelassen, welcher sich sehr grossmütig und tapffer aufführete; nachdem er erst hingegangen, und seinen zerfleischten Mitbruder etliche mahl beschnuppert hatte, trat er den Kampf mit dem Löwen an, der sich zwar tapffer wehrete, allein, weilen ihm wegen des vorigen Kampfs die Kräfte schon ziemlicher maassen verschwunden, sah der Ochse seinen Vorteil ab, und stiess dem Löwen seine beiden Hörner mit der allergrösten Gewalt dergestalt in den Bauch, dass ihm das Eingeweide heraus drung, und auf die Erde fiel. Als der Ochse dieses sah, wendete er