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Spiel, auf der, unsern Fenstern gleich gegen über liegenden kleinen See, zu præsentiren, mein Bruder, der aussen geblieben war, machte schon alle Præparatoria dazu, nur liess er inständig bitten, dass die Abend-Tafel etwas kürtzer, als sonst gewöhnlich, möchte abgebrochen werden, damit wir von der dunckeln und finstern Zeit profitiren möchten. Der Gouverneur lächelte, und sagte: Meine Brüder! gebrauchet alle Beqvemlichkeit bei mir, ich werde mir ein besonderes Vergnügen machen über das FeuerSpiel, und wo es euch gefällig, etliche 100. Pech-Fakkeln an das Ufer setzen lassen. Ich will auch so gleich Ordre erteilen, dass die 8. kleinen Lust-Schiffe benebst den Boötchen und Kähnen in Ordnung gestellet werden.

Nach aufgehobener Tafel wurde getantzt, da denn unverhoft mein Bruder und die krancke Fräul. fast zu gleicher Zeit zum Vorscheine kamen, allein diese letztere liess sich von niemanden zum Tantzen bewegen, also tantzten sie alle beide und ich auch nicht, mein Bruder retirirte sich bald wieder, indem er mit seiner Feuerwerckerei noch nicht vollkommen fertig war, auch die Raqueten-Stöcke noch nicht alle beisammen hatte; Allein er schien mir weit munterer, als vorher, nachdem er seinen auge-Apffel wieder zu sehen bekommen hatte. Eine Stunde vor der Dämmerung wurde auf der Tafel angerichtet, allein es ging dissmahl kurz ab, wiewohlen alles im Uberflusse vorhanden war.

Da nun mein Bruder sein Feuer-Spiel und alles, was wegen der Fahrzeuge zu besorgen war, in Ordnung gebracht, nahm er mich und die Portugiesischen Capitains mit hinunter an den Teich oder kleine See, denn es war ein gewaltig grosser Teich, setzten uns in ein artiges, vestes und commodes Schiff, nahmen die 2 Mortiers und Bomben mit hinein und löseten unter Trompeten- und Paucken-Schall anfänglich 2 Mortiers, welche 2 Bomben in die See warffen, die sich ziemlich dariñen herum tummelten und endlich crepirten, zu gleicher Zeit hörete man auf der Citadelle 12 kanonen-Schüsse, auf welche unsere, in dem Hafen liegende Schiffe in gleicher Anzahl antworteten. Hierauf mussten die Granadiers ihre Granaden aufs Land werffen. Nach diesen liess mein Bruder 24. der schweresten Raqueten steigen, welche sich dergestalt wohl hielten, dass nicht nur alle Zuschauer, sondern auch der Gouverneur selbst, ihr Vergnügen daran sahen, denn die meisten schaueten oben aus den Fenstern der Burg heraus. Da dieses vorbei, warf mein Bruder abermals 2. Bomben aufs ebene Land, welche sich wunderlich begunten, und wie man früh Morgens sah, ehe sie crepirt, gewaltig tieffe Löcher in die Erde gewühlet, ja rechte Kessels gemacht hatten. Es wurde ihm auf seine 2. Mörser von den Wällen der Citadelle und von unsern Schiffen, von jeder Seite mit 12. kanonen geantwortet. Darauf warf er 50. wasser-Kegel in das wasser, liess dabei 50. der grössten Schwärmer in die Luft spielen. Da die wasser-Kegel versuncken, warf er 50. Lust-Kugeln von allen Seiten des schiffes, und spielete darauf noch 2. Bomben ins wasser, worauf ihm von der Citadelle und von unsern Schiffen von jeder Seite mit 12. kanonen geantwortet wurde.

Also fuhr er fort, Raqueten steigen, Granaden werffen, Schwärmer in die Luft fliegen zu lassen, wasser-Kegel und Lust-Kugeln auszuwerffen, und von Zeit zu Zeit 2. Mortiers zu lösen, da er denn die Bomben bald aufs Land, bald aufs wasser fliegen liess. Dieses währete so lange, bis er des Dinges überdrüssig wurde, und da er nicht viel Vorrat mehr hatte, alles kunter bund durch einander hergehen liess, zuletzt aber mit 4. Bomben, die er kurz nach einander spielte, der ganzen Sache ein Ende machte, und anhören muste, dass ihm so wohl die Citadelle mit 24. und unsere im Hafen liegende Schiffe auch mit 24. kanonen-Schüssen eine gute Nacht wünschten. Als wir alle insgesamt zurück ins Tafel-Zimmer auf der Burg kamen, fanden wir einen schönen Caffeè, Bisquit und hernach ein Glass Canari-Sect, wir wolten uns aber nicht dabei aufhalten, jedoch, da uns der Gouverneur allzu stark nötigte, und sagte: Meine Herren! ihr habt mir diesen Abend ein Divertissement gemacht, dessen gleichen ich, so lange ich auf dieser Insul wohne, nicht gehabt, auch haben sich meine ganze Familie und meine wertesten Gäste unaussprechlich darüber ergötzt; darum erlaubet mir, meine Herren! dass ich auf diesem grossen Teiche, oder so zu sagen, kleinen See, euch sämmtlich wieder zu divertiren, eine Fischerei anstelle, und euch insgesamt bitte, derselben beizuwohnen, und zwar Morgen gleich nach der Mittags-Tafel. Unterdessen wollen wir unter einem guten Gespräch noch eins in bona pace ex poculo hilaritatis trincken, und uns hernach zur Ruhe begeben. Wir liessen uns alle bereden, ich bemerckte aber, dass mein Bruder und sein fräulein sich an das abgelegenste Fenster begaben, und daselbst die vertraulichsten gespräche mit einander führeten.

Wir gingen also lange nach Mitternacht zur Ruhe. Früh Morgens bekamen wir unser Deputat al' ordinaire an Teè, Caffeè und Chocolade, auch die gewöhnlichen Visiten, und erschienen hernach im grünen Habit bei der Tafel. Es ging alles darbei ordentlich und pompeus zu, jedoch währete die Tafel dissmahl nicht so lange, als sonsten, weil wir die Fischerei vor uns hatten. Der Gouverneur war diesen Tag ungemein aufgeräumet, und sagte: Nun, meine Herren! tut