edlen Steinen besetzten Tabattiere, welche er eben diesem fräulein darreichte, um eine Prise daraus zu nehmen, da aber diese auf dem im Deckel befindlichen Bilde sah, dass ein Matrose vor einer schönen Dame auf den Knien lag, und ihr sein Hertz mit wundersamen Geberden præsentirte, wolte sie sich fast schäckig darüber lachen, weswegen mein Bruder ihr auch diese Dose schenckte. Nachdem aber der UhrStreit ein Ende gewonnen, und mein Bruder alle seine Uhren (ausgenommen die kostbare) wieder in der Ficke hatte, wurde abermals Tafel-Musique gemacht, und dabei noch wohl eine gute Stunde tüchtig gebechert. Worauf die Tafel abgehoben, weggesetzt, und Anstalt zum Tantzen gemacht wurde. Der Gouverneur selbst machte mit seiner Gemahlin den Anfang, nötigte hernach uns übrigen, dass wir folgen sollten, welches denn auch von vielen geschahe, allein ich befürchtete mich, zumalen wegen des vielen getrunckenen Weins, meine Arm-Wunde zu erhitzen; liess deswegen das Tantzen bleiben. Mein Bruder aber war so toll, und forderte das älteste fräulein des Gouverneurs zum Tantze auf, diese aber sagte (wie ich denn ganz nahe dabei stunde, und alle Worte hören konte) so viel zu ihm: mein Herr! vergebet mir, dass ich euch vor diesesmahl den Tantz abschlage, indem ich euren Zustand weiss, und mich Zeit Lebens nicht zufrieden geben könnte, wenn ihr eure Wunden erhitztet, und in Gefahr lieffet. Ich werde auch mit keinem andern tantzen, sondern mich mit KopffSchmertzen entschuldigen. Lieber wolte ich euch noch heute Schuh und Stiefeln putzen, als mit euch tantzen, denn ich habe viel zu viel Vorsorge und Nachsinnen wegen eurer Gesundheit. Ich will mich zu eurem Herrn Bruder setzen, mit ihm ein gut gespräche halten, und darbei dem Tantze zusehen, weil derselbe, wie ich mercke, auch keinen Appetit zum Tantzen hat. Also kam mein Bruder zu uns, setzte sich neben das fräulein, so dass wir sie recht in der Mitten hatten, und führeten ein lustiges Gespräch. Es kamen ihrer viele, die das fräulein zum Tantze auffordern wolten, allein sie schützte Kopf-Schmertzen vor, nahm auch, da es gegen 10. Uhr kam, von uns Abschied, und begab sich zur Ruhe. Da das Schwärmen jedoch kein Ende nehmen wolte, wurden wir es auch überdrüssig, und schlichen auf unsere Zimmer, befahlen aber einem Pagen, dem Herrn Gouverneur und dessen Gemahlin unsern Respect zu vermelden, mit gehorsamster Bitte uns nicht ungnädig zu vermercken, dass wir stillschweigend fortgeschlichen wären, indem uns die Schmertzen unserer Wunden zum Verbinden angetrieben hätten. Der übrigen Compagnie aber, sollte er gleichfalls unser dienstlich Compliment machen.
Nachdem wit auf unsern Zimmern angelanget, kam dieser Page bald hinter uns her, und brachte das Nacht-Compliment von seiner Herrschafft, ihm folgten 2. Laquais, welche die Abschencke, die in einer grossen güldenen Kanne voll Wein und einer grossen Schaale voll allerlei Confituren bestund, auf unsere Tafel setzten. Nach diesen kamen abermals 2. Pagen und 2. alte Matronen zu unserer Bedienung, allein wir hielten uns dissmahl nicht lange auf, sondern legten uns, nachdem wir verbunden waren, bald zu Bette, wurden aber dennoch noch nicht zur Ruhe gelassen, indem uns ein paar Stunden darauf die Musicanten eine admirable Abend-Musique vor den Türen unserer Zimmer brachten, welche fast eine halbe Stunde währete. Wir delectirten uns daran, und schlieffen darüber ein. Früh Morgens, so bald es Tag war, schrieb ich eine Ordre an meinen Lieutenant: vor uns deiden Brüder, aus den Kleider-Kisten jedem ein grünes mit goldenen Espagnen bordirtes Kleid, noch einige Anziehe-Wäsche, 500. Raqueten, 500. gefüllete Granaden, und 2- bis 3000. kleine Schwärmer, 200. wasser-Kegel und 500. Lust-Kugeln zu schicken, auch unser beider Leib-Büchsen, Flinten und Pistolen, item 2. Feuer-Mörser und 24. gefüllete Bomben, anbei 12. Granadiers, und zwar die geschicktesten. Im übrigen bäten wir accuraten Rapport aus, hätten vorjetzo weiter nichts zu commandiren, indem wir wohl wüsten, dass er das Commando schon vor sich selbst aufs beste verstünde, weswegen wir alles seiner berühmten Conduite überliessen etc.
Hiermit schickten wir abermals 2. von unsern Bedienten nach unsern Schiffen fort, bekamen Teè, Caffeè und Chocolade von unserer Wohltäterin geschickt, wobei sich die 2. Portugiesischen Capitains, als welche uns recht brüderlich liebten, nebst 2. Cavaliers des Gouverneurs waren, die uns das MorgenCompliment brachten, wovon der eine zurücke ging, und unser Gegen-Compliment ablegte, jedoch bald zurück kam, und mit uns tranck, denn ein jeder konte nach Belieben trincken, was er wolte. Wir hielten unter einander lauter politische gespräche, bis ein Page ansagte: dass binnen etwa einer halben Stunde würde zur Tafel citirt werden. Demnach retirirten sich die Capitains und Officiers, wir aber liessen uns ankleiden, und zwar in Rot mit Silber bordirt, worzu wir jeder einen Hut mit weisser Feder aufsetzten, und, so bald zur Tafel geschlagen worden, uns gehöriges Orts meldeten, nachdem uns zwei Officiers zu allem Uberflusse abgeruffen hatten. Es ging bei derselben eben so in floribus zu, als gestern und ehegestern, nur vermisseten wir darbei die älteste Tochter des Gouverneurs, von welcher mir die Mama sagte, dass sie einige Kopff-Schmertzen verspürete, welcher Zufall aber doch wohl bald würde überhin gehen. Ich spürete ganz genau, dass sich