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dergleichen Blessuren so en bagatell tractiret. Der Gouverneur fiel ihr ins Wort, und sagte zu mir: Nein, meine Herren! das ist keine Sache oder Rat, sondern ich werde euch beide nicht ehe aus meinem haus lassen, bis ihr vollkommen curirt seid. Wir danckten vor dessen gütiges Anerbieten, und baten uns aus, nur erstlich den morgenden Tag, wenn es erlaubt wäre, allhier auf seiner Burg abzuwarten. Hierauf wurde die älteste fräulein aufgenommen, und erinnert, dass sie sich in ihr Zimmer begeben sollte. Sie stunde demnach auf, und nahm Abschied von uns. Mein Bruder bezeugte ihr nochmahls seine hertzliche Compassion, wegen des ihr begegneten unvermuteten Zufalls, und machte sich so dreuste, ihr 3. mahl die Hand und 3. mahl den Mund derb zu küssen, worauf der Gouverneur mit allen den Seinigen uns eine geruhige Nacht wünschete, und sich hinunter zu ihren Gästen begaben, mit denen sie, wie man hörete, noch 2. gute Stunden discourirten und becherten. Bald nach ihrem Hinweggehen, kamen 2. alte Matronen und 2. Pagen zu unserer Bedienung, welche noch ein Compliment von ihrer Herrschafft brachten, und sagten, dass sie befehligt wären, diese Nacht bei uns zuzubringen und zu bewachen; deswegen dürfften wir nur kühnlich fordern, was unser Hertz begehrete, indem uns von ihrer Herrschafft wegen, alles zu Diensten stünde.

Ich liess meinen Bruder in diesem Zimmer, und suchte mein Bette in dem Neben-Zimmer, da denn ein jeder von uns den schiffes-Barbier, 2. schiffes-Soldaten und, wie schon gemeldet, die 2. alten Matronen und die 2. Pagen zu Wächtern bei sich hatte. Ehe wir aber noch eingeschlaffen waren, kamen die 2. Portugiesischen Capitains nochmahls zu uns, um uns ihr Beileid zu bezeugen, und eine angenehme NachtRuhe anzuwünschen, welches sie denn mit der grössten Freundschaft und Zärtlichkeit taten, ja wir erkanten sie vor recht redliche Leute. Früh Morgens, so bald es helle ward, beredeten wir beiden Brüder uns, und schickten zwei von unsern Bedienten an meinen Lieutenant, dass er so gut sein möchte, unsere Kleider- und Wäsch-Kisten eröfnen, und vor einen jeden von uns, ein rotes mit Silber- und ein blaues mit Golde bordirtes Kleid nebst etlichen Anzügen weisser Wäsche, ingleichen etliche Paar seidener Strümpffe von verschiedenen Farben, auch 2. rote, 2. blaue und 2. weisse Feder-Hüte in Mantel-Säcke möchte einpacken, und auf 2. Maul-Tieren anhero bringen lassen; weilen wir, da wir einige Incommodität an unsern Wunden verspürt, uns noch wohl etwa 3. bis 4. Tage bei dem genereusen Gouverneur aufhalten möchten. Im übrigen lautete die Ordre, die ich eigenhändig schrieb, noch so: dass er auf beiden Schiffen, nebst seinen Subalternen alles wohl beobachten möchte, weil wir unser Vertrauen gänzlich auf seine vortrefliche Conduite und Geschicklichkeit gesetzt hätten etc.

Unsere Bedienten gingen noch vor Aufgange der Sonnen fort, und kamen viel eher zurück, als wir uns dessen vermuteten, brachten auch alles auf den Maul-Tieren mit, was wir verlangt hatten, benebst dem schrifftlichen Rapport des Lieutenants, worin er meldete: dass auf beiden Schiffen alles noch sehr wohl stünde; und das Volck, welches er aufs beste verpflegte, indem er wohl wüste, dass wir beiden Capitains, zumahlen bei dergleichen Umständen, keine Menageurs wären, bezeigte sich lustig und guter Dinge. Die meisten Patienten wären ausser Gefahr, jedoch in verwichener Nacht auf meinem Schiffe 1. auf meines Bruders Schiffe aber 2. Mann gestorben, welche er auf Breter binden, und unter 3. mahliger Lösung des Hand-Gewehrs, der See übergeben lassen.

Wir waren mit unsers Lieutenants Conduite zuftieden, indem er auch in der Tat ein gescheuter und geschickter Officier, anbei eine vollenkommene Courage hatte.

Mittlerweile hatte unsere Frau Wohltäterin, welcher die Leutseeligkeit aus den Augen leuchtete uns eine starcke Portion Chocolade herauf geschickt, liess anbei fragen, ob uns auch mit Teè, oder Caffeè, oder sonsten etwas zum Frühstück gedienet wäre? allein wir deprecirten alles andere, und liessen zurück melden, dass wir mit diesem delicaten Frühstück uns behelffen wolten bis zur Mittags-Mahlzeit. Indem wir beide Chocolade trancken, kamen nebst denen Portugiesischen Capitains 2. Cavaliers des Gouverneurs, welche im Nahmen des Gouverneurs und seiner ganzen Familie uns den Morgen-Gruss brachten, und sich um die Beschaffenheit unserer beider Gesundheit erkundigten. Wir liessen unter währenden GegenCompliment dieselben etliche Tassen Chocolade mit uns trincken, discourirten hernach von einem und andern, wobei ich gestehen muss, dass wir die beiden Cavaliers vor gelehrte, rafinirte Cavaliers erkanten. Sie hielten sich aber nicht länger bei und auf, bis die Chocolade ausgetruncken war, und eileten, ihrem Principal unser Gegen-Compliment zu überbringen. Bald hernach kam eine alte Matrone, welche im Nahmen der Gouverneurin fragte: ob uns etwa beliebig, alleine auf unsern Zimmern zu speisen, oder ob wir zur ordentlichen Tafel kommen wolten? welches letztere sie mit Vergnügen und weit lieber sähe, zumahlen sich noch einige Gäste mehr eingefunden. Wir liessen zurück melden, dass, da wir uns wegen so unvergleichlicher guter Wartung und Verpflegung, fast halb curirt befänden, wir lieber en Compagnie, als alleine speisen wolten, wenn wir nur nicht zu befürchten hätten, dass wir als Patienten, der ganzen Gesellschafft einen Eckel verursachen möchten. Die Alte ging mit diesem Bescheide fort, und brachte von