denn ich bemercke, dass die Armen mir viel Seegen ins haus beten, ungeachtet ich schon so viel habe, mich und die Meinigen zu versorgen bis an mein Ende, und vielleicht auch noch etwas übrig zu lassen verhoffe etc.
Nachdem er eine Zeit lang mit Reden inne gehalten, sagte ich zu meinem Bruder, der mir an der Seite stunde, in deutscher Sprache, nur diese wenigen Worte: Bruder! solchen Glauben habe ich in Israel nicht funden! So gleich fing der Gouverneur mit Lächeln zu sagen an: Meine Herren! ich kan auch etwas deutsch verstehen, und so ziemlich reden, weilen ich mich nicht länger als 2 Jahr in Deutschland aufgehalten, und darinnen die admirablesten leute von der Welt angetroffen habe. Sie geben sich zwar vor Holländer aus, allein daran zweiffele ich, sondern glaube vielmehr, dass sie in Deutschland gezogen und gebohren sind, weilen ich dieses nicht allein an ihren dialecto, sondern auch aus ihrer beider ganzen Aufführung wohl beobachte. Wir beiden Brüder stutzeten ziemlich, da man unsere Sprache verstund, der Gouverneur aber hub an zu lächeln, und sagte: Ei! weg mit dem wasser, wo es beliebig, wollen wir ein gut Glass Wein trincken, und zwar vom allerbesten Canari. Kaum hatte er seinen Bedienten einen Winck gegeben, als diese einen angefülleten Pocal mit Weine, der ziemlich gross war, aufsetzten. Der Gouverneur fing an: Meine Herren! auf gute Gesundheit und Glück unser aller, die wir einander allhier lebendig sehen, derer Potentaten Gesundheit ginge zwar vor, allein, wir wissen nicht, ob dieser oder jener noch lebet: Vivamus! Indem er nun den Pocal ansetzte, wurden sogleich auf den Wällen 12. kanonen gelöset und dieses wurde continuiret, bis der GesundheitsPocal herum gegangen war.
Wenige Zeit hernach, wurde durch 6. Trompeter und 1. Paucker zur Tafel geblasen und geschlagen, weswegen der Gouverneur denn sehr nötigte uns nicht länger zu versäumen, sondern unserer Führerin zu folgen. Dieses war seine Gemahlin, eine Dame von ungefähr 40. Jahren, sah aber noch sehr schön aus, wir gingen demnach auf sie zu, und hatten die Ehre, sowohl ihr, als ihren beiden schönen Töchtern, die hände zu küssen, allein, sie waren alle, der LandesArt nach, so gefällig, einem jeden von uns den Mund darzubieten, und einen derben Kuss darauf zu empfangen. Hierauf ging des Gouverneurs Gemahlin voran, ein General führte die älteste, und ein Obrister die jüngste von ihren schönen Töchtern; sodann folgten Paarweise, die Portugiesischen Capitains, und hinter denselben ich und mein Bruder im Paare, nach uns zählete ich noch accurat 20. Paar Cavaliers und Officiers. Nachdem ein Page das gewöhnliche Gebet vor Tische in lateinischer Sprache gesprochen, wurden die speisen vorgelegt. Ich will mich aber bei Beschreibung der Gerichte, deren mancherlei Abwechselungen und delicater Zurichtung, eben nicht aufhalten, sondern nur so viel sagen, dass diese Tafel, einer aufs delicateste besetzten Fürstlichen Tafel nichts nachgab. Wir Fremden wurden von dem Gouverneur, seiner Gemahlin und ihren schönen Töchtern beständig aufs complaisanteste und liebreichste zum speisen genötiget, und plötzlich liess sich in einem Neben-Zimmer, dessen 2. Türen so gleich eröffnet wurden, die aller angenehmste Tafel-Musique, auf Italiänische Art, hören. Die Abwechselungen der Concerten, Ouverturen und dergleichen musicalischen Händel, fielen ganz unvergleichlich in die Ohren, und dieses währete über eine ganze Stunde, so dann wurden lauter goldene Becher und ein grosser mit Diamanten und Rubinen besetzter goldener Pocal herbei gebracht, welcher wenigstens 3. bis vierdtehalb Pfund schwer war, und da fast über ein Maas hinein ging, diesen nahm der Gouverneur, stunde an der Tafel auf, und sagte: Auf gute Gesundheit und Glück unserer angekommenen lieben Gäste, so wohl Holländer als Portugiesen. Es stunde alles auf, was bei der Tafel sass, indem liessen sich Trompeten und Paucken lustig hören, und es wurden dabei 12. kanonen abgefeuert. Er tranck den Pocal nicht ganz aus, sondern so viel, als ihm beliebte, machte ein Compliment gegen uns, und sagte: Meine Herren! nehmen Sie nicht ungütig, dass ich mein besonderes Ceremoniel observire, denn ich trincke nicht mehr, als mir schmeckt, und ich meiner Meinung nach vertragen kan, forçire auch niemanden zum Truncke, sondern lasse nach Appetite einem jeden seinen Willen.
Hierauf setzten wir uns nieder, indess kam ein Page, welcher den Pocal wegnahm, den übrigen Wein in einen grossen silbernen Schwenck-Kessel schüttete, den Pocal wieder ausspülte, und denselben des Gouverneurs Gemahlin præsentirte, die so gut mit machte, als der beste Cavalier. Die Dame trunck es ihrer ältesten Tochter, und diese ihrer Schwester zu, und war hierbei zu bemercken: dass, so offt eine person an der Taffel den Pocal ausgetruncken, ein Page kam, der den noch übrig darinnen befindlichen Wein in den silbernen Schwenck-Kessel goss, den Pocal mit wasser ausspülete, wieder voll Wein schenckte, und ihn demjenigen, welchem es zugetruncken war, auf einer goldenen Schaale præsentirte, auch darbei credentzte. So ginges von oben an bis unten aus.
Meinem Bruder war seiner Haupt-Wunde wegen bei Tische nicht allzu wohl, welches ich wohl merckte, indem er sich zum öftern im gesicht veränderte, allein, weil er ein Löwen-Hertz im leib hat, so verbiss er seine Schmertzen, und liess sich nichts merken, weswegen ich auch stille schwieg. Unterdessen war