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uns, von allen dem zu nehmen, was nach unserm Appetite uns von seinen Bedienten vorgesetzt wurde; anbei nur dreuste zu fordern, von welcher Sorte Wein, einem oder dem andern zu trincken beliebte. Uns war vorerst mit nichts bessers, als einem Schälchen Caffeè gedient, und da wir nun deren etliche getruncken hatten, redete ich zu ihm in Portugiesischer Sprache diese Worte:

Hochgebietender Herr!

Dieselben werden von unsern Abgeschickten vielleicht vorläuffig vernommen haben, was uns seit ein paar Tagen passiret ist, deswegen will Ew. Hochgeb. mit einer weitläufftigern Erzählung unserer Fatalitäten nicht beschwerlich fallen, bis, da Sie es ja verlangen sollten, auf eine andere Zeit. Unterdessen bitten wir ganz gehorsamst uns Dero Schutz aus, damit wir von den Einwohnern dieser Insul in Friede und Ruhe leben, unsere Schiffe ausbessern, und unser erbeutetes Gut unter einander redlich teilen können. Wir werden uns, so lange wir hier sind, als honette Leute aufführen, und vor unserer Abseegelung, wo uns anders Schutz und Hülffe nicht versagt wird, unsere Erkäntlichkeit reellement zeigen so wohl gegen Hohe, als Geringere nach proportion; weilen uns von unsern getreuen Freunden, den mit uns angelandeten Portugiesen, gesagt worden, dass der Gouverneur dieser Insul einer der heroischen und redlichsten Menschen in der Welt wäre. deswegen begeben wir uns unter Ew. Hochgebietl. Schutz, und sorgen weiter vor nichts, als Ihnen unsere Ergebenheit und Dienstgeflissenheit zu zeigen.

Auf dieses antwortete der Gouverneur in der Geschwindigkeit also:

Meine wertesten Brüder und Freunde!

Es erfordert nicht allein die Christen-Pflicht, sondern auch meine besondere Pflicht und Schuldigkeit, den Hülffs-bedürfftigen, nach aller menschlichen Möglichkeit, Hülffe und Schutz angedeihen zu lassen, warum sollte ich es denn an euch nicht tun, die ich, wegen der genauen Allianz, in diesem Stücke alle vor meine Brüder und Freunde erkennen will und muss. Ich habe eine besondere Freude gehabt über das, was mir euer Abgesandte erzählt, nunmehr aber ist meine Freude vollkommen, da ich höre, dass ihr die Barbaren vollkommen besiegt, und ihre Schiffe benebst den Gefangenen in meinem Hafen liegen habt: Traget keine sorge, es soll euch keiner entwischen, denn ich will so gleich Ordre stellen, dass sich eines von meinen krieges-Schiffen vor den Eingang des Hafens legen soll. (und nachdem er diese Worte gesprochen, rief er sogleich einen von seinen Officiers, und gab ihm die Ordre, dass er eines von den besten krieges-Schiffen, sich vor den Mund des Hafens zu legen, commandiren sollte.) Im übrigen aber, meine Brüder, Herrn und Freunde! wolte ich wohl morgen frühe die Compagnie, so ich zu Besetzung des Ufers euch zugesendet, mit 2. Compagnien ablösen lassen, allein ich sehe gar nicht, worzu es nötig ist, weilen ihr alhier so sicher seid, als wenn ihr zu haus wäret, denn meine Soldatesque und Land-Leute habe ich dergestalt im Zaume, dass sie mir auf einen Winck gehorsamen müssen. Ich bin ihnen nach Beschaffenheit der Sachen gelinde und scharff. Kleine Sotisen lasse ich mit kleinen Straffen büssen, bei groben aber erzeige ich mich, der Justitz gemäss, desto schärffer, und sonderlich stehet den Ehebrechern, Mördern und Dieben so gleich Galgen und Rad zu Dienste. Allein ich kan sagen, dass ich binnen 12. Jahren (als so lange ich allhier Gouverneur gewesen) nicht mehr als 3. Executionen habe müssen verrichten lassen. Meine Vorfahren sind Geitz-Hälse und Leute-Schinder gewesen, um sich so wohl an den Einheimischen als, bei guter gelegenheit, an den Fremden zu bereichern. Aber so ein Mann bin ich nicht, sondern bedencke GOtt und mein Gewissen, weilen ich weiss, dass ich am jüngsten Tage viel zu verantworten habe. Ich weiss nicht, ob es ihnen bekannt ist, dass die Gouverneurs auf dieser Insul alle drei Jahr abgewechselt werden; allein man hat mich binnen 12. Jahren nicht abgewechselt, und wenn auch die Abwechselung morgen geschähe, so habe ich GOTT zum Freunde, und kan mit gutem Gewissen meine Rechnungen ablegen, auch von meiner Conduite und allen andern Actionen seit 12. Jahren her, Rede und Antwort geben. Die Liebe meiner Untertanen habe ich mir dadurch erworben, dass ich sie niemals gedrängt und durch Execution erpressen lassen, was sie mir zu zahlen schuldig gewesen, vielmehr manchen durch die Finger gesehen, und nach proportion seiner Armut, offtermahlen mehr, als die Helffte geschenckt, wessentwegen ich mich getrauete, wenn ich mich im wald oder feld verirret hätte, es sei bei Tage oder Nacht, in eines jeden mir begegnenden Untertanen Schoosse, ob es auch der geringste wäre, sanfft und sicher zu schlaffen. Ausser diesen allen gefället dieses meinen Untertanen unvergleichlich wohl, dass ich eine scharffe Zucht unter meiner Soldatesque halte, deren ich 3000. regulirte Mannschafft, ohne die Land-Militz, unter meinem Commando habe. Meine Soldaten haben mich alle lieb und wert, weilen ich ihnen ihr Brod und Geld richtiger austeilen lasse, als meine Vorfahren seitero getan. Ich bin ein Mann, der, weil er bedenckt, dass ihm GOtt eine honorable Charge, auch Geld und Gut nach seinem stand zum Uberfluss gegeben, das Suum cuique wohl observirt. Mein einziges Vergnügen ist dieses, wenn ich mercke, dass ich und meine Familie sich gesund befinden, hernach mein Amt behörig verrichten, und den Armen Gutes tun kan, als deren Freund ich im höchsten grade bin,