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Stadt, so dem Hafen am nächsten lag, eben also. So bald der Tag anbrach, ritten 2. Officiers der Unsern und eben so viel der Portugiesen in die Stadt, und erkundigten sich, wo der Gouverneur der Insul anzutreffen wäre. Sie traffen ihn an, es war ein complaisanter Mann, und nachdem so wohl die Unserigen, als auch die Portugiesen ihm eine weitläufftige Erzehlung getan, wie es uns auf beiden Seiten ergangen, anbei gebeten, es möchte derselbe uns erlauben, dass wir unsere beschädigten Schiffe allhier ausbessern, und unter seinem Schutze, von den Einwohnern ungestöhrt, unsere gemachte Beute teilen möchten, so sagte er mit gröster Freundlichkeit: Alle meine lieben Brüder! gebraucht alle eure beste Beqvemlichkeit, euch soll niemand beunruhigen, und ich will euch nur vor erst 50. Mann zur Salva-Guarde mitgeben, saget aber, dass ich eure Capitains, so wohl Portugiesen als Holländer, gar sehr bitten liesse, mir, wo möglich, noch heutigen Tages die Ehre ihres Zuspruchs zu geben. Unsere Officiers konnten nicht vom Wunder genug sagen, wie complaisant sie der Gouverneur, der ein ansehnlicher, liebreicher Mann wäre, tractirt hätte, sie nicht allein bei der Mittags-Mahlzeit wohl bewirtet, sondern auch in einer propern Chaise mit Convoy von 1. kapitän 1. Lieutenant, Fähndrich und 50. Gemeinen, bis hieher an das Ufer fahren lassen. Wir liessen die Ober-Officiers des Gouverneurs auf unser Schiff bitten, und schickten ihnen dieserwegen ein Boot, mit welchem sie so fort zu uns kamen. Wir setzten ihnen das Beste vor, das wir in der Geschwindigkeit, gestalten Umständen nach, finden konnten; denen Unter-Officiers aber schickten wir jedwedem 1 Gulden und den Gemeinen einen halben Gulden, nebst so viel Wein und Brandtewein, dass man glaubte, sie hätten wohl 3. Tage daran satt haben können, über dieses wurden ihnen auch starcke Portions von geräuchertem und eingesaltztem Fleisch, geräucherten und eingesaltzten Fischen, auch allerhand Früchten zugeschickt. Mein Lieutenant hatte die Commission, der Insulaner-Militz dieses Præsent zu überbringen; (denn meines Bruders Lieutenant war diesen Morgen erschossen worden). Als nun mein Lieutenant zurücke kam, konte er nicht gnugsam erzählen, wie erfreut die Insulaner-Militz über dieses Præsent gewesen, ja es hätte ihm einer um den andern, so wohl Unter-Officiers als Gemeine, die hände geküsset, und immer dabei geschryen: Vivant! die Holländer! O! was sind die Holländer vor brave und wackere Leute! unsere Brüder, Vivant, Vivant, Vivant! die Holländer!

Wir hatten unser besonderes Vergnügen hierüber, da wir aber mit des Gouverneurs Officiers noch etwa 2. Stunden tüchtig gebechert hatten, und zwar den delicatesten Canari-Sect, auch beim Gesundheit-trincken immer 6. kanonen abfeuern lassen, NB. bei der Gesundheit des Königs von Portugall, des Königs von Spanien und der General-Staaten von Holland, aber allezeit 12; des Gouverneurs dieser Insul nur 8. kanonen abgefeuert wurden, so bemerckten wir, dass die Insulanischen Officiers ziemlich begeistert waren, wir zogen deswegen unsere guten mittelmässigen Kleider an, setzten uns mit ihnen in eine Chalouppe, und fuhren also die 4. Schiff-Capitains, denn jeder 6. Mann zur Bedienung mit sich nahm, mit den Insul. Officiers nebst 6. Trompetern und 2. Pauckern, dem land zu, nachdem wir uns mit den InsulanerOfficiers zum öfftern gehertzt und geküsset hatten.

So bald wir ans Land gestiegen waren, wurde von allen unsern 7. Schiffen eine Salve, und zwar von jedweden aus 12. kanonen gegeben, wovon die ganze Insul zu erschüttern schien. Der Insulanischen Militz verursachte dieses eine besondere Freude. Ihre Officiers verfügten sich so gleich zu ihren Leuten, welche parade machen, und aus ihrem Hand-Gewehr 3. mahl Salve geben mussten. Worauf unsere Schiffe jedesmahl noch eine Salve von 12. kanonen hören liessen. Hierauf setzten wir 4. Capitains uns in einen parat stehenden kostbaren Wagen, und liessen uns nach der Burg des Gouverneurs fahren, wo 2. Compagnien Granadiers mit aufgesteckten Bajonetten stunden, salutirten und ihr Gewehr præsentirten, anbei Trommeln und Pfeiffen sich lustig hören liessen; auch liess der Commendant, uns zur Bewillkommung und zu Ehren, dreimahl 24. kanonen von den Wällen lösen, denn er wohnete auf einer prächtigen Citadelle. Vor dem äusersten Tore hielten wir stille, und traffen daselbst 2. Fouriers und 16. Bedienten an, die seine Livree trugen. Wir machten uns fertig abzusteigen, allein einer von denen Fouriers kam zu uns, und sagte: wir möchten noch sitzen bleiben, und bis auf den inneren Platz fahren, denn der Gouverneur hätte befohlen, dass man uns bis vor das Portal der grossen Treppen fahren, und daselbst sollte absteigen lassen. Dieses geschahe, und der Gouverneur, der 6. Cavaliers nebst noch vielen Bedienten hinter sich hatte, war so complaisant, bis unten an die letzte Stuffe der Treppe uns entgegen zu kommen und zu bewillkommen.

Es war ungefähr um 6. Uhr des Abends, als wir bei ihm eintraffen, und er führte uns alle 4. Capitains in ein recht propres und in Warheit, recht Fürstliches Zimmer, liess vorerst in aller Geschwindigkeit einen Tisch, der mit Caffeè besetzt, und noch einen andern Tisch, auf welchem viele Bouteillen mit Wein angefüllet, nebst vielen Schalen voller Eis, auch vielen Schalen von allerlei Confituren beladen, gegen uns übersetzen, und nötigte