Sprache, dass wir 3. See-Räuber vor uns hätten, welche uns zu plündern und in Grund zu schiessen droheten, wir hätten schon gestern bis in die späte Nacht mit ihnen zu tun gehabt, und uns tapffer gewehret, auch eine ziemliche Anzahl der Barbaren getödtet, allein, sie wären uns, allem Ansehen nach, dennoch bis hieher überlegen, und hätten nur vor wenig Stunden aufs neue angefangen uns zu bestürmen, vorietzo wären wir im Begriff, das mittelste feindliche Schiff in Grund zu schiessen, hätten auch gute Hoffnung dazu, indem wir alle unsere kanonen aus beiden Schiffen darauf gerichtet, und bemerckten, dass das feindliche Schiff schon ziemlich leck geschossen sei. Im übrigen so wären wir mehrenteils Holländer, die nach Ost-Indien gehen wolten. Ei, ei! sagte der Portugiese, die Holländer sind unsere lieben Brüder, haltet euch nur noch tapffer, ehe 1. oder 2. Stunden vergehen, will ich euch 2. tüchtige Portugiesische Schiffe, worauf tapffere Soldaten sind, zur Hülffe anhero bringen. Lebet und haltet euch wohl, ich muss eilen, dass ich bald wieder zu euch komme.
Es war uns nicht anders ums Hertze, als wenn uns GOtt einen Engel vom Himmel zum Troste zugeschickt hätte, deswegen verdoppelte sich unsere Courage, dergestalt, dass es noch manchem Barbar den Halss kostete, so sahen wir auch mit Vergnügen, dass das mittelste feindliche Schiff, so zu sagen, in letzten Zügen lag, denn unsere kanonen hatten es recht jämmerlich durchbohrt, auch bemerckten wir, dass der Feind auf dem Oberteil dieses ihres Schiffes nach gerade immer weniger und weniger wurden, woraus wir schlossen, dass alles zur Pumpe beruffen sei.
Endlich aber wider alles Vermuten wolte dieses feindliche Schiff sich umwenden, und die Flucht nehmen, es ging aber dergestallt matt und merode, dass man nicht zweiffeln durffte, wie es tödliche Blessuren haben müsse. Aber, indem wir uns umsahen, kamen 2. der schönsten und festesten Portugiesischen Schiffe, welche sich zwischen mich und meinen Bruder einlegten, und in unerhörter Geschwindigkeit ihre kanonen auf die Barbaren löseten, ehe sie noch ein Wort mit uns gesprochen hatten. Auf unsern beiden Schiffen liessen sich Trompeten und Paucken tapffer hören, denen die Portugiesen Wechselsweise antworteten. Den Feinden aber verging der Mut auf einmal plötzlich, indem sich keiner mehr auf eine Sturm-Leiter wagen wolte, auch wenig Schüsse mehr von ihren Schiffen gehöret wurden. Das mittelste Schiff aber wolte doch mit guter Manier fort hincken, allein, die Portugiesen und wir gedachten: nicht also! sondern jagten ihm nach, ereileten und erstiegen dasselbe ohne besonderes Blutvergiessen. Hernach kam die Reihe an die 2. andern feindlichen Schiffe, die wir binnen etwa einer Zeit von 3. Stunden nach einem etwas härtern Kampffe glücklich erstiegen, und alle darauf befindliche Mannschafft in Fesseln legen liessen.
Wir schossen demnach unter Trompeten- und Paucken-Schall, auf allen Schiffen, so gar auch aus den feindlichen kanonen, mit grössten Freuden Victoria, und zwar zu dreien mahlen. Hernach brachten wir den Patienten, nämlich das mittelste Schiff, zwischen die 2. übrigen Barbarischen, schickten einige von unserer Mannschafft auf ein jegliches Barbarisches Schiff, und liessen im Gegenteil eben so viel Barbaren auf unsere und der Portugiesen Schiffe überkommen. Meine Leute strapazirten die Räuber auf eine sehr hefftige Att, welches ich ihnen nicht verdencken konte, indem sie doch, (Schertz bei Seit gesetzt) nachdem wir es aufs genaueste ausgerechnet, 128. Cameraden, teils auf meinem, teils auf meines Bruders Schiffe so schändlicher Weise einbüssen und vermissen mussten. Denn NB. es frass die Eroberung der Schiffe in etwas mehr Volck, als die Gegenwehr gegen die Stürmenden. Jedoch ich redete meinen Leuten zu, und bat dieselben, sie möchten sich aufführen, als Christen, und nicht barbarisch verfahren, damit auch die Barbaren sähen und spüreten, was vor ein gewaltiger Unterscheid zwischen der Aufführung eines Christen und eines Heiden sei. Hiemit täte man nicht allein unserm Heilande einen Dienst, sondern es könne auch möglich sein, dass diese unsere Christliche Aufführung manchem Armen, in der Barbarei unschuldig gefangen sitzenden Christen-Sclaven, wohl zu statten kommen möchte, wenn die Barbaren, als Feinde des Creutzes Christi, erkannt hätten, dass wir ganz andere Leute von Conduite wären, als sie selbst. Unterdessen sollten sie dieselben zwar zu strenger und sauerer Arbeit anhalten, jedoch, so viel ein Mensch, in Ansehung seiner Leibes-Constitution, ertragen könnte. Vollauf zu essen zu trincken sollten sie den Feinden geben, und keinem, wenn er etwas versehen, blutrünstig, vielweniger braun und blau, oder wohl gar arme und Beine entzwei schlagen. Damit wir unsern Christen-Nahmen nicht verlöhren, und uns in die Rotte der Barbaren einschreiben liessen etc. Nachdem ich dieses in Deutscher Sprache geredet, so redete ich es auch in Portugiesischer: denn nicht allein mein Bruder, benebst vielen seiner Leute, sondern auch die Portugiesischen Capitains mit den meisten ihrer Leute höreten meinen Vortrag an, und es schiene ihnen allen derselbe sehr wohl zu gefallen, allein, da wir eben nicht vor ratsam ansahen, uns in dieser fatalen Gegend länger aufzuhalten, zogen wir in schönster Ordnung fort, um die grünen Insuln zu erreichen und unsere gemachte Beute zu teilen. Andern Tages, etwa eine Stunde vor Untergang der Sonnen, erreichten wir eine derselben, und wurffen in einen schönen Hafen Ancker. Die Insul hiess St. Jago mit Nahmen, und die