Commando übernehmen wird. Lieben Brüder! haltet euch wohl, denn ihr wisset, dass ich euch von diesem See-Gefechte abzuhalten gesucht habe. Ich hoffe demnach, GOtt wird uns Glück und Sieg geben, wenn wir nur tapffer sind im Schiessen und Fechten. Allons! in GOttes Nahmen.
So bald ich ausgeredet, fing alles mein Volck, da es mich im blossen Hembde über den Bein-Kleidern mit dem Pallasch in der rechten, und mit einer aufgezogenen Pistol in der lincken Hand, vor der Fronte vor sich stehen sah, mit vollem Halse zu ruffen an: Vivat, Vivat, kapitän Horn! und dieses zu dreien mahlen. Hierauf wurde von beiden Schiffen eine gewaltige gedoppelte Salve auf die Barbarn gegeben. Diese wurden dadurch dergestalt erbittert, dass sie in unvermuteter Geschwindigkeit uns aufs nächste kamen, auch ihr bestes Schiff sich an das meinige hieng, und diese Feinde mich nicht allein mit Schiesssondern auch mit dem Seiten-Gewehr zu delogiren suchten.
Man sollte nicht meinen wie klug, hertzhafft und hurtig die Barbaren sind, denn sie wusten in aller Geschwindigkeit, vermittelst starcker Haacken, verschiedene Leitern an unsern Boord zu werffen, und daran hinauf zu klettern wie die Katzen. Ich stunde in der vordersten Reihe in der Mitten, und hatte 12. der hertzhafftesten Leute zu meiner rechten, und eben so viel zu meiner lincken Hand, welches, so zu sagen, meine Leib-Guarde war, 1. guten Schritt aber hinter mir war die andere Reihe der resolutesten Mannschafft, und hinter dieser noch die 3te Reihe tapfferer Leute, noch hinter diesen drei Reihen aber die Reserve, und auf beiden Seiten die Granadiers, welche die Feinde mit ihren beständigen Granaden-Werffen gewaltig ängstigeten.
Das Verhängniss fügte es eben so wunderbar, dass derjenige Barbar, welchem ich kurz vorher das Gold und Silberwerck zuwägen lassen, gerade vor mir seine Leiter angeworffen, und mir mit blancken Säbel in der Faust entgegen gestiegen kam. Ich liess ihn passiren bis auf die öberste Stuffe, indem er aber bemühet war über Boord zu schreiten, war ich erstlich zweiffelhafft, ob ich ihm mit dem Pistol das Lebens-Licht ausblasen, oder ihn mit meinem Pallasch den Kopff spalten wolte. Jedoch, da ich befürchtete, das Pistol möchte etwa versagen, so verliess ich mich auf meinen Pallasch (denn wie meine Herrn wissen, so bin ich Lincks und Rechts so wohl mit schiessenden, als Seiten-Gewehr, auch ist ihnen meine natürliche Stärcke der Glieder durch viele gemachte Proben bekannt.)
So bald er über Boord gestiegen, hohlte er mit seinem Säbel aus, mir einen tödlichen Streich zu geben, allein, ich danckte damahls GOtt, dass mir meine Fechtmeisters in Italien und andern Ländern das pariren gelernet hatten, deswegen schlug ich in grössester Geschwindigkeit nicht allein seinen Säbel aus, dass er zu seinen Füssen fiel, sondern versetzte ihm, aus allen meinen Leibes-Kräfften, einen solchen gewaltigen Hieb über den Kopff, dass ihm beide Teile auf den Schultern lagen.
Man sollte wohl meinen, ich machte Wind, um mich nur gross zu machen, allein, auf meinem Schiffe sind noch mehr als 50. Personen gegenwärtig, die es mit ihren Augen gesehen haben.
Acht bis zwölff anderen, die eben diese Leiter herauf geklettert kamen, und sich auf meinem Schiffe divertiren wolten, ging es, wo nicht auf gleiche Art, jedoch so, dass sie entweder durch meinen Pallasch oder Pistolen ins Reich der toten geschickt wurden. Meine Leute folgten meinem Exempel, und fochten, nachdem sie sich dann und wann verschossen hatten, mit ihren Säbeln, wie die Löwen, so dass mancher Barbar herunter in die See purtzeln muste, ehe er über Boord gestiegen war, mancher aber, der sich glucklich geschätzt, den Boord mit seinen Händen betastet und überstiegen zu haben, den Augenblick seine ewige Schlaf-Stätte fand.
Mittlerweile ging das canoniren von beiden Seiten aufs allerhefftigste fort, so lange bis die Dämmerung eintrat, und man kaum die Finger vor den Augen mehr zählen konte. Da aber das Klettern der Feinde noch nicht aufhören wolte, so hörete auch unsere Gegenwehr mit Schiessen aus kanonen und Flinten um so viel desto weniger auf, und es muste in der Dämmerung noch mancher Barbar See-wasser sauffen lernen, oder nolens volens versincken.
Endlich, da der Himmel sehr schwartz wurde, liess sich ein feindlicher Trompeter hören, welcher mit 2. Deputirten auf einem Boote sass, worin viel PechFackeln brannten. Da nun die Feinde zu canoniren aufhöreten, hielten wir auch inne, brannten aber auf beiden Schiffen viel 100. fackeln und Lichter an. Der Deputirten Antrag war dieser: dass, weil ihr Commandeur seine Courage mit der unsrigen auf eine Wage gelegt, und befunden, dass wir auf beiden Seiten tapffere Leute wären, so möchten wir Stillstand machen, bis der Tag anbräche; wolten wir ihm aber doch noch die einzige Tonne Goldes geben, so könnten wir, so bald es uns beliebte, ohne fernere sorge unter Seegel gehen, und er wäre bereit uns einen Pass zu geben, dass wir auf unserer Reise von allen seinen Cameraden, die der Frei-Beuterei ergeben, von hieraus bis nach dem Cap unangefochten bleiben sollten.
Meine Leute, so bald sie dieses vernommen hatten, wolten abermals weder vom Stillstande noch Geld geben hören, und wurden nochmahls aufstützig, ich aber liess den Abgeschickten in Gegenwart aller meiner Leute durch einen Dollmetscher so viel sagen: Höret! ihr