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wieder in den Sack hinein getan wurden, alle besahe, und dabei über einen Zahn lachte: weilen aber die Canaille das Gewichte so gut verstund, als wir selber, sagte er, jedoch nicht mit allzu barbarischer stimme: Wohl gut, meine Herrn! dieses möchte alles ohngefehr wohl eine Tonne Goldes wert sein, allein wo sind die andern zwei, denn unser Commandeur gehet nicht von 3. Tonnen Goldes ab, und wo ihr mir die nicht gebet, so verlange ich die eine auch nicht, sondern will leer wieder zurück fahren, aber dieses sage ich euch zum voraus, und warne euch noch als ein guter Freund, gebt mir noch die zwei Tonnen Goldes, wo nicht? so werdet ihr kurz nachher, so bald ich nur auf meinem Schiffe angelanget bin, einen schweren Stand kriegen.

Ich war wahrhafftig gesonnen, diesen verdammten Hunden von meinetwegen noch 2. Tonnen Goldes zu geben, ehe ich mich in die Gefahr gäbe, und einen oder etliche von meinen schönen und trefflichen Leuten verlöhre, allein, da meine Leute diese meine Resolution merckten, und sich anstelleten, als ob sie sämmtlich rebelliren wolten, mir meine Zaghafftigkeit in den piquantesten Terminis vorwarffen, und sagten: wenn ich mich gegen diese Canaillen, ohne das alleräuserste zu wagen, submittiren würde, sie lieber unsere beiden Schiffe in die Lufft sprengen wolten; denn wenn sie nicht als Helden sterben sollten, so wolten sie doch als desperate Leute sterben, und das könnte ich ihnen nicht wehren. kurz: ich muste mich damahls in die Zeit schicken, und nachgeben.

Meine Herren! auch liebsten gönner und Freunde! (so setzte kapitän Horn seine Rede weiter gegen den Regenten und uns fort,) Sie glauben mir sicherlich, dass mir damahls bei dieser gefährlichen Sache nicht wohl zu Mute war. GOtt ist mein lebendiger Zeuge, dass ich Courage genug im herzen hatte, mit den Barbaren eins zu wagen, und mein Bruder war fast noch toller als ich, denn er wolte die beiden Herren Abgesandten und d e n Trompeter mit sammt dem Boote durchaus in den Grund schiessen, und ich hatte zu steuren und zu wehren gnug, dass es nicht geschahe. Herr Wolffgang wird mir Zeugnis geben, dass ich unter seinem Commando mich niemals zaghafft aufgeführet, wie ich denn, welches er nicht anders sagen wird, manchen Verweiss von ihm bekommen, wenn ich zu viel hazardirte, oder zum öfftern meine eigene person den grössten Gefährlichkeiten ohne dringende Not exponirte. Mein Bruder hat zwar das See-Handwerck noch lange nicht so lange getrieben, als ich, allein, ich kan Ihnen von ihm versichern, dass er nicht allein eine vollkommene Courage im herzen führet, sondern sich auch im SeeWesen schon vortrefflich habilitirt hat, weilen er die Matesin ex fundamento verstehet; so, dass ich mich nicht schämen will zu sagen, dass ich zu vielen mahlen mit grossem Plaisir Lehren von ihm angenommen, ungeachtet er weit junger, und nicht des zehnten Teils so viel in der Welt erfahren, als ich.

Wie gesagt, es kränckte mich ungemein, dass mir meine Zaghafftigkeit vorgeworffen wurde, da ich doch die allerredlichste Intention von der Welt hatte, und lieber eine Million, als mein schönes Volck verlohren hätte, über alles dieses aber muste ja viel weiter dencken, nämlich an meine liebe Insul Felsenburg, von wannen ich ja die allerwichstigsten Commissiones hatte, und zu deren Dienste ich mich auf der Reise befand, mitin leichtlich etwas von meiner besten Equipage verlieren können, eben dieserwegen hieng ich mein Hertze nicht an Gold und Silber, indem ich wuste, dass, ob ich 3. Feder-Spulen oder 3. Tonnen Goldes bei solchen Umständen eingebüsset hätte, die Aeltesten und Einwohner alhier mir solches nicht verarget, sondern dieser Umstände wegen uns allen den Schaden gedoppelt ersetzt hätten, weilen ja Gold, Silber, Perlen und dergleichen nicht so rar bei uns sind. Da ich mich aber nur mit wenigen Worten verlauten liess, dass man doch den Barbaren die 3. Tonnen Goldes immer hingeben möchte, damit wir nur vom Flekke kämen, wolte mein Volck toll und rasend werden, auch mein Bruder, der nicht wuste, dass ich mehr auf meinem herzen und Gewissen hatte, als er selbst, sah mich scheel und sauer über die Achsel an.

Wir sahen uns aber balde gemüssiget, unsern Zwietracht bei Seite zu setzen, denn so bald die abgeschickten Barbaren bei den Ihrigen angekommen, bemerckten wir, dass sie mit ihren Schiffen ganz andere Wendungen machten, und gerades Weges auf uns zu seegelten. Wir konnten ihnen, so zu sagen, gleich an den Augen absehen, was sie haben wolten, deswegen setzten wir uns mit beiden Schiffen in die beste Positur, denn die kanonen waren schon alle scharff geladen, und die Mannschafft, so zum Feuer-geben und Fechten beordert, stunde mit freudigem Mute da, erwartete auch den Feind recht mit lachen.

So bald die Barbaren ihren Vorteil ersahen, machten sie aus allen ihren drei Schiffen ein entsetzliches Feuer auf uns, welches aber doch unsern starcken Schiffen wenigen Schaden tat, ungeachtet sie keine kleine kanonen-Kugeln führeten. Unsere Leute hingegen waren noch geschwinder als der Wind, die Löcher zu verstopffen und auszubessern. Wir gaben ihnen aus beiden Schiffen auch 2. Salven, die wohl anschlugen, der Haupt-Spas aber war dieser, dass mein Bruder, der so wohl als ich drei mittelmässige Feuer-Mörser auf seinem Schiffe hatte, die erste Bombe,