seine besondere Tafel hatte, welche Tafeln nunmehr aber, da sich die Stämme ziemlich vermehret, fast zu klein werden wolten, deswegen mussten einige sich bei andern einflicken. Es verfügte sich alles Volck in der schönsten Ordnung dahin, weilen nun schon 3. Tage vorher alle Anstalten zur Speisung und Tränkkung des Volcks gemacht waren, so setzten sich nach gesprochenem Tisch-Gebet Jung und Alt nieder, hernach wurden so gleich die speisen aufgetragen, als nämlich: 1) eine delicate Suppe von Fleisch-Brühe SchildKröten Eiern, und dem kostbarsten Gewürtze gemacht. 2) Allerlei gekochtes, wildes Flügelwerck mit Reiss und Gewürtz, denn NB. das zahme Europæische Flügelwerck spareten wir dennoch noch immer, ungeachtet wir damahls schon eine gewaltige Menge von Puter-Hühnern, haus-Hühnern, Gänsen, Endten, Tauben, etc. hatten. Geschmacke nach, weit delicater sind, als die Pastinacken- Haber- Petersilien- und Zucker-Wurtzeln in Europa.
4) Allerlei Sorten von Fischen, wobei vor diejenigen, welche sie nicht gern bloss aus dem Saltze zu essen beliebten, eine delicate Palm-Sects-Brühe zugleich mit hingesetzt wurde.
5) Wurde auf jede Tafel, nachdem dieselbe stark war, ein am Spiesse gebratenes Rehe, ingleichen eine ganz gebratene wilde Ziege, auch dieser Braten wohl zwei, aufgesetzt, nebst allerhand Sorten von Sallaten und eingemachten sauer und süsser Früchte.
6) Hatten unsere Köche noch ein gehacktes ungemein wohlschmeckendes Fleisch-Gerichte zubereitet, und dieses fand fast noch mehr Liebhaber, als alle vorhergehende speisen.
7) An statt des Confects kamen ganze Körbe voll von allerhand Arten der edelsten Baum- und GartenFrüchte, wie auch etliche grosse Kuchen, und eine ziemliche Menge kleines Butter- und Schmaltz-Gebackenes. Bei allen diesen Tractamenten war kein Mangel am Weine, und zwar vom allerbesten, wie er auf der Insul wuchs, noch weit weniger war Mangel am Biere. Ich hatte meine besondere Freude über das Volck, ten Tische geschlichen, um diese starcken Heerden nur speisen zu sehen.
Die Herren Geistlichen hatten unter einander verabredet, selbigen Nachmittag keine Kirche zu halten, sondern das Volck einmal recht mit Appetit speisen zu lassen. Dieses wurde bei allen Tischen dem Volcke verkündiget, jedoch dabei auch: dass Morgen früh etwa eine Stunde nach Aufgang der Sonnen eine BetStunde in der Kirche sollte gehalten werden, da sich denn die andächtigen und GOttes Wort liebenden herzen, nach ihrem Belieben einfinden könnten, so bald das Zeichen durch einen kanonen-Schuss gegeben worden.
Da man merckte, dass sich die Sonne zum Untergange neigen wolte, nahmen nicht allein diejenigen, welche auf der Burg bei dem Regenten gespeiset, sondern auch das ganze Volck Abschied, und sagten Danck vor erwiesene Wohltat, welches man an aller ihren frölichen Geberden, Bücken und hände-Klatschen abmercken konte. Indem sich nun die Stämme in ihre Hauffen verteilet, liessen sich Trompeten, Paucken und andere musicalische Instrumente Wechselsweise hören, worüber sich die Abreisenden ungemein freuen mochten, welches wir daraus schlossen, da sie immer einmal über das andere die arme in die Höhe reckten, und mit den Händen klatschten, welches, wie wir so von weiten nach sehen konnten, auch die kleinesten Kinder taten. Ich, der ich meine Lust an der Artollerie habe, wünschte ihnen mit noch 12. kanonen- Schüssen eine glückliche Reise und geruhige Nacht.
Des andern Morgens früh nach getanen CanonenSchusse, sah man das Volck von allen Strassen her schon wieder zusammen kommen, und glaube ich, dass wenige aussen geblieben waren, denn die Kirche war fast voll. Herr Mag. Schmeltzer Jun. liess etliche Morgen-Lieder singen, betete hernach vor der ganzen Gemeine den Morgen-Seegen, und verlass hierauf aus dem 1. Cap. des Propheten Hoseä, den 10. und 11. Vers, welche also lauten:
Es wird aber die Zahl der Kinder Israel sein, wie Sand am Meer, den man weder messen noch zählen kan. Und soll geschehen an den Orte, da man zu ihnen gesagt hat: Ihr seid nicht mein Volck, wird man zu ihnen sagen: O ihr Kinder des lebendigen GOttes. Denn es werden die Kinder Juda und die Kinder Israel zu Hauffen kommen, und werden sich mit einander an ein Haupt halten, und aus dem land herauf ziehen, denn der Tag Israel wird ein grosser Tag sein. Als er nun über diese Worte eine ungemein erbauliche und trostreiche Rede gehalten, wurden noch einige Berufs-Lieder gesungen, worauf er den Seegen sprach, und zum Schlusse das Lied singen liess:
Wunderlich ist GOttes Schicken etc.
Nach geendigtem Gottes-Dienste zogen unsere lieben Leutchen alle Heerden-weiss wieder fort, ein jedes nach seiner Pflantz-Stadt, suchte seine wohnung, und machte sich an die Arbeit, erstlich dasjenige auszubessern, was ihm etwa durch das Erdbeben beschädiget war, wieder herzustellen, und hernach an die Feldoder andere Beruffs-Arbeit. Wir andere verfügten uns gleichfalls in unsere Häuser, und nahmen die SchulArbeit, auch was ein jeder sonsten sich und der ganzen Gemeine zum Nutzen vornehmen konte, aufs neue vor die Hand. Es war um wenig Wochen zu tun, so fand man alles, und so gar die eingefallene Mauer am GOttes-Acker, wieder vollenkommen reparirt.
Endlich kam der Tag heran, der uns Insulaner alle miteinander von herzen frölich machte, es war nämlich der- da wir früh Morgens um 4. Uhr 3. kanonen lösen höreten