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verlass er das 41. Cap. des Propheten Jesaiä, und an statt des ordentlichen Sonntags-Evangelii den 107. Psalm, als welcher auch vor dissmahl der Text zur Predigt war. Vor der Predigt musicirten unsere Herrn Musici folgende

CANTATA.

Aria.

Bebet nicht mehr, Felss und Erde,

Denn der Himmel ist uns hold,

Schaut der Sonnen schönstes Gold!

GOtt erbarmt sich seiner Heerde:

Denn sie will nun Busse tun,

Demnach lasst uns sanffte ruhn.

Bebet nicht mehr, Felss und Erde,

Denn der Himmel ist uns hold.

Recitativ.

GOtt Lob! dass wir nach überstandnen Schrecken Diss unser GOttes-haus mit Freuden wieder sehen. GOtt hat bisshero scharf gedroht; Warum? wir haben sein Gebot So vielmahl übertreten. Ach! last uns Busse tun, Und nicht im Sünden-Schlaffe ruhn; Ein jeder lasse sich erwecken, Aus Hertzens-Grund' Mit Zung' und Mund Zu singen und zu beten.

Dictum. Ps. 94, v. 18.

Ich sprach: mein Fuss hat gestrauchelt, aber deine Gnade, HErr, erhielt mich. Ich hatte viel Bekümmernis in meinem herzen, aber deine Tröstungen ergötzten meine Seele.

Choral.

Darum auf GOtt will hoffen ich,

Auf mein Verdienst nicht bauen.

Auf ihn mein Hertz soll lassen sich

Und seiner Güte trauen,

Die mir zusagt sein wertes Wort,

Das ist mein Trost und treuer Hort,

Dess will ich allzeit harren.

Recitativ.

GOtt! wenn wir gleich von allen Sünden rein,

Auch reiner als der Mond

Von Flecken sollten sein,

So müsten wir doch frei gestehn,

Dass du uns bis auf diesen Tag verschont:

Denn Jung' und Alt

Die fehlen alle mannigfalt.

Doch aus Barmhertzigkeit

Hast du uns nicht gleich nach Verdienst gelohnt,

Vielmehr zu unserm Wohlergehn

Uns durch die Finger offt gesehen.

Bleib ferner unser GOtt,

Du starcker Zebaot,

So hat es mit uns keine Not.

Aria.

Was können wir vor Opffer bringen Dir, der du uns erschaffen hast, Und offt erlöss't aus mancher Last? Wir dancken, loben, beten, singen, Gold, Weirauch, Myrrhen sind zwar da, Und zwar in grosser Menge, Doch, deine Kinder wissen ja, Dass dieses eitele Gepränge Dir nicht gefällt, die herzen eintzig und allein O Vater! dir die angenehmsten Opffer sein.

Recitativ.

Nimm unsre herzen hin,

Und lass sie bei dir schweben,

Hernach dort in der Seeligkeit

In süssester Zufriedenheit

Aufs neue wieder leben:

Wir sagen dir Lob, Preiss und Danck,

Und singen diesen Lobgesang.

Dictum. Psalm. 96, v. 11.

Himmel freue dich, und Erde sei frölich, das Meer brause, und was drinnen ist. Das Feld sei frölich, und alles was darauf ist, und lasset rühmen alle Bäume im wald. Für dem HErrn, denn er kommt zu richten das Erdreich. Er wird den Erdboden richten mit Gerechtigkeit, und die Völcker mit seiner Wahrheit.

Choral.

Unter deinen Schirmen

Bin ich für den Stürmen

Aller Feinde frei.

Lass den Satan wittern,

Lass den Feind erbittern,

Mir steht JEsus bei.

Ob es jetzt gleich kracht und blitzt?

Ob gleich Sünd und Hölle schröcken?

JEsus will mich decken.

Trotz, dem alten Drachen,

Trotz, des Todes-Rachen,

Trotz, der Furcht dazu!

Tobe Welt und springe,

Ich steh hier und singe

In gar sichrer Ruh:

GOttes Macht hält mich in Acht,

Erd und Abgrund muss verstummen,

Ob sie noch so brummen.

Diese ungemein wohl componirte Cantata ergötzte die ganze Gemeine, mich aber delectirte am allermeisten das erste Wort: Bebet, welches der Componist so artig ausgedrückt hatte, dass es unvergleichlich und nicht anders als ein kleines Erdbeben zu betrachten war, denn die bereits reparirte Orgel, die Violons, Fleutes-traverses, Fagotts, und dergleichen Instrumente, machten so ein artiges Beben, dass man sich darüber vergnügen muste, wie denn auch in der ersten Aria zu einigen Zeilen und Worten die Violinen Pizzicato gespielet wurden. kurz! es nahm sich diese Cantata ungemein wohl aus.

Zwischen der Predigt, welche Hr. M. Schmeltzer Sen. ablegte, wurde der Choral abgesungen: Ach GOtt! sehr schrecklich ist dein Grimm etc. Nach abgelegter Predigt intonirte Herr Mag. Schmeltzer vor dem Altare das Te Deum laudamus &c. welches unter Trompeten- und Paucken-Schall abgesungen wurde, auch wurden bei den gewöhnlichen Absätzen, jedes mahl 6. auf der Burg stehende kanonen gelöset, die sich auf einmal hören liessen.

Als der GOttes-Dienst vor dieses mahl in der Kirche vollbracht war, wurde nochmahls mit allen Glokken, 3. Pulse hinter einander her geläutet, worauf sich Trompeten und Paucken vom Turme herunter lustig hören liessen, und darauf wurden die Melodeien der Lieder: Nun lob mein Seel den Herren etc. und Es woll uns GOtt genädig sein etc. mit Zincken und Posaunen abgeblasen.

Alles kribbelte und wibbelte um die Kirche herum von grossen und kleinen menschlichen Creaturen, so dass man seine Lust bloss an den Kindern sah, welche zwar ihre Freude und Lustbarkeit, aber keine Bossheit bezeigten. Mittlerweile, da wir diese Lust hatten, wurde eine Canone abgefeuert, und darauf mit Trompeten und Paucken zur Tafel geruffen. Es wuste ein jeder unter uns schon seinen Platz, entweder auf der Burg bei dem Regenten, oder auf Hr. Wolffgangs grünen Grase-Tafel-platz, wo ein jeder Stamm