, die Pflantz-Städte visitiren, und alles aufs genaueste anmercken sollte, am dritten Tage wolten wir insgesammt einander auf der Alberts-Burg wieder antreffen.
Dieses wurde vollbracht, und am dritten Tage rapportirten wir dem Regenten, grauen Häuptern, Priestern und andern versammleten guten Freunden dieses:
1) Dass nicht einmal ein Hüner-Stall, geschweige denn ein haus oder Scheure auf der ganzen Insul sonderlich beschädigt, vielweniger gestürtzt worden. Doch wäre überall an denen Fenstern ein grosser Schade geschehen, indem die meisten Scheiben zersplittert wären, auch mancher fast gar kein ganz Fenster mehr im haus hätte.
2) Hergegen wäre es ein rechtes Wunderwerck zu nennen: dass in der Glass-Hütte und in dem von allerhand Sorten Gläsern, Glass-Taffeln und Scheiben befindlich, nicht ein eintziger Splitter oder Scherbel zu finden, sondern alles noch ganz und unversehrt. Der Factor und andere Glass-Leute hätten gemeldet, dass wir allzusammen auf der ganzen Insul das Erdbeben nicht hefftiger könnten empfunden haben, als sie es empfunden; wäre also diese Erhaltung des Glases vor ein rechtes Wunder zu achten.
3) Aber unsere guten ehrlichen Töpffer wolten sich fast nicht trösten lassen, da sie von ihrem ansehnlichen Vorrate von allerlei Sorten Töpffer-Geschirre, kaum den 4ten teil, wohl aber Scherbel genug aufzuweisen hätten; über dieses so wären die Eingänge zu den Ton-Gruben verfallen und eingestürtzt, jedoch versicherten sie, uns vom annoch vorrätigen Tone, Töpffe, Schüsseln und dergleichen wohl noch auf ein halb Jahr lang zu verschaffen, da man denn mittlerweile, wenn sie nur Gehülffen bekämen, die Ton-Gruben wieder aufräumen könnte.
4) Diejenigen, so am nächsten an der grossen See wohnen, hätten referirt, dass schon Tages vorher, ehe sie das Erdbeben verspüret, sie in der Mittags-Stunde gewahr worden, dass eine grosse Menge der schönsten und vortrefflichsten Fische von allerhand Gattung, deren etliche über 6. 8. und noch mehr Pfund gewogen, abgestanden, und die Bäuche auf dem wasser in die Höhe gekehret. Etliche der besten, an welchen sie noch einiges Leben verspüret, hätten sie geschlachtet und gegessen, die übrigen aber, (so viel sie mit ihren Hamen fangen können) weilen ihnen die Sache bedencklich vorgekommen, und sich fast ein Eckel bei ihnen erregen wollen, in den Fluss geworffen, weilen sie befürchtet, es möchten etwa auf den Eckel Kranckheiten erfolgen.
5) Zu bewundern wäre, dass auf dem GOttes-Acker nicht ein eintziger Leichen-Stein umgefallen, auch an den Pyramiden nicht das geringste beschädigt, doch an der Nord-Seite wäre ein Stück Mauer, ohngefehr 4. oder 5. Ruten lang, eingeschossen.
6) In unserer Kirche fänden sich 19. Orgel-Pfeiffen, teils auf dem Orgel-Chor liegend, teils aber waren bis herunter aufs Pflaster gefallen, sonsten aber wäre in der Kirche nichts beschädiget, ausgenommen, dass die Fenster eine starcke Ausbesserung brauchten.
7) Eben also sähe es auf der Albertus-Burg aus, weilen wenig ganze Fenster darinnen anzutreffen, sonsten aber bemerckte man darinnen keinen besonderen Schaden, als in einem unterirrdischen Gewölbe, und oben im Bogen desselben einen starcken Riss, so dass man wohl mit dem arme hinauf in die Höhe fahren könnte, es ging derselbe oben im Bogen von Norden gegen Süden zu.
8) Ein und andere kleine Schäden, die hie und da in den Pflantz-Städten bemerckt worden, belohneten sich kaum der Mühe, dass man davon redete.
9) Eins wäre noch merckwürdig, dass eins von unsern allergrösten Saltz-Gewölbern oder Gruben eingeschossen wäre, welches uns aber keinen Schaden, sondern vielmehr Vorteil brächte, immassen dadurch die Mühe auf eine Zeitlang erleichtert würde, das Saltz auszuhauen.
Dieses waren also die Haupt-Stücke unseres Rapports, worauf sich ein jeder bei dem Regenten und grauen Häuptern beuhrlaubte, und seine ordentliche wohnung suchte, wo wir insgesammt in ungestöhrter Ruhe blieben, und ein jeder das seinige verrichtete.
Nächstfolgenden Sonntag, etwa eine Stunde nach Aufgang der Sonnen, lösete ich binnen drei viertel Stunden 3. kanonen, eine nach der andern. Hierauf begaben sich unsere Hn. Musici auf dem Turm, und sungen unter Trompetenund Paucken-Schall den Choral ab: Nun lob, mein Seel, den Herren etc.
Es war von der Alberts-Burg herunter ungemein charmant anzusehen, wie die Felsenburgischen Einwohner, alt und jung, von allen Seiten daher gezogen kamen wie die Bienen. Da man nun bemerkte, dass die allermeisten schon zur Stelle waren, wurde mit allen Glocken geläutet. (Hierbei muss melden, dass wir gleich nach der Abreise des Capitains Horn, eine vordas Glück ohne unsere Kunst und Geschicklichkeit und über unser Vermuten den tieffsten Ton C. inspirirt, und zwar dergestalt wohlklingend, dass ein jeder seine Freude daran haben muste, sie wurde nicht alle Sonntage, sondern nur alle hohe fest-Tage geläutet, jedoch wurden ein und alle Tage, und zwar früh Morgens um 6, Mittags um 12, und wieder Abends um 6. Uhr, jedes mahl drei Schläge, zur Ermunterung zum Gebet, von derselben gehöret.)
So bald unser Regent in seinem Trage-Sessel herunter gebracht worden, und seine gewöhnliche Stelle in Besitz genommen hatte, wurde erstlich gesungen: Komm, heiliger Geist etc.
Hernach trat Hr. M. Schmeltzer vor den Altar, und verrichtete die Kirchen-Ceremonien, wie sonsten gebräuchlich. An statt der Epistel