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. Verstocke das Hertz dieses Volcks, und lass ihre Ohren dicke sein, und blende ihre Augen, dass sie nicht sehen mit ihren Augen, noch hören mit ihren kehren. Ich aber sprach: HErr, wie lange? Er sprach: bis dass die Städte wüste werden, ihre Einwohner und Häuser ohne Leute, und das Feld ganz wüste liege. Denn der HErr wird die Leute ferne wegtun, dass das Land sehr verlassen wird. Doch soll noch das zehende teil darinnen übrig bleiben, denn es wird weggeführet und verheeret werden, wie eine Eiche und Linde, welche den Stamm haben, obwohl die Blätter abgestossen werden. Ein heiliger Saame wird solcher Stamm sein.

Ich muss bei dieser gelegenheit melden, dass Hr. M. Schmeltzer Jun. im Lehren und Predigen weit eifferiger und hitziger ist, als sein Hr. Bruder, und Hr. Herrmann, welche letzteren beide alles mit Sanfftmut, Leutseligkeit und Gelassenheit vortragen. Jener aber pocht und dringet gemeiniglich mit Gewalt und durchaus auf wahre Busse und Glauben an Christum. Er straffet auch die allergeringsten Fehler und Verbrechen, die unter uns vorgehen, aufs allerschärffste, inmittelst kan man nicht müde werden ihm zu zuhören, weilen er mit seiner etwas lispelnden Zunge 100. Worte vor eines vorzubringen weiss.

Vor dieses mahl stellte er uns mit Centner schweren Worten vor: Ein unbussfertiges, und den Christen höchst schädliches Leben, als worauf endlich dem Texte nach die gäntzliche Verstockung und VerDieses tat er anfänglich mit gröstem Eiffer, hernach aber gab er mit mehrerer Sanfftmut und Leutseligkeit zu vernehmen: wie GOtt der HErr dennoch immer unter denen bösen und unartigen Welt-Kindern seine Heiligen und Auserwählten hätte, führte dabei nicht nur verschiedene Exempel aus der Heil. Schrifft, sondern auch aus der Ecclesiastischen und Politischen Historie, nachheriger zeiten an, beschloss endlich seinen Sermon mit diesen Worten: dass, wo wir nicht erleben wolten, dass es uns eben so, wie den unartigen Kindern Israel und Juda ergehen sollte, wir in beständiger Büssfertigkeit leben müsten, als welches allein das beste Mittel sei, dem erzürnten, gerechten GOtte in die arme zu fallen, und die Straf-Rute aus seiner Hand zu winden etc.

Hierauf tat er ein andächtig Gebet aus dem herzen, und stimmete den Choral an:

GOtt, man lobt dich in der Stille etc.

und nachdem noch einige Abend-Lieder gesungen waren, legte sich ein jeder, so wie er in seiner Kleidung war, im Grase zur Ruhe. Der Regent aber, die grauen Häupter, die Herrn Geistlichen, und andere mehr, welche das Regiments-Ruder mit führen halffen, blieben noch munter und beratschlagten: ob es nicht löblich, christlich und billig wäre, wenn wir, da doch nunmehr aller Sturm und Schrecken vorbei, gleich morgendes Tages ein solennes Danck-fest in unserem GOttes-haus anstelleten; Allein, ein und anderer Ursachen wegen wurde beliebt, dieses solenne Danck-fest bis auf nächst-künfftigen Sonntag zu verschieben.

Früh Morgens, so bald die hellgläntzende Sonne unsern Horizont bestrahlete, liessen sich etwas von ferne 2. Trompeter mit ihren Trompeten hören, welche alle 7. Verse des Chorals: Aus meines Hertzens-grund etc. ausbliesen, und damit Gross und Klein aus dem Schlaffe erweckten. Wie nun alles munter und wach war, trat Hr. Herrmann auf, und intonirte folgendes:

Israel, hoffe auf den HErrn, denn bei dem HErrn

ist die Gnade und viel Erlösung bei ihm.

Hierauf antwortete das musicalische Chor:

Und er wird Israel erlösen aus allen seinen Sün

den.

Nachdem das Morgen-Gebet von Hn. Herrmann vorgesprochen worden, wurde das Lied gesungen:

Aus meines Hertzens-grund etc.

Sodann hielt er einen ungemein erbaulichen Sermon über den 125. Psalm, welcher also lautet:

Die auf den HErrn hoffen, werden nicht fallen, sondern ewig bleiben, wie der Berg Zion.

Um Jerusalem her sind Berge, und der HErr ist um sein Volck her, von nun an bis in Ewigkeit.

Er applicirte diesen Psalm auf eine ungemein tröstliche, liebreiche und lebhaffte Art, auf unsere Gegend und Umstände, wuste dabei zu sagen: wie GOtt seine Gläubigen in ihrer Hoffnung nicht fallen liesse, oder zugäbe, dass sie darinnen betrogen würden, sondern ungeachtet aller gefährlichen Umstände und Irrwege sie dennoch endlich erlangten, was sie geglaubt, und im Vertrauen auf ihn gehoffet hätten.

Nach vollendetem GOttesdienste wurde dem sämmtl. Volcke beim Frühstück angedeutet, dass sie alle vom grössten bis zum Kleinesten, auf den nächstkünfftigen Sonntag, so bald der dritte CanonenSchuss von der Burg geschehen, sich in unserm GOttes-haus einfinden möchten, weilen ein solennes Danck-fest sollte gehalten werden; Vorjetzo aber könnte ein jedes, ohne Furcht und Zaghafftigkeit, sondern in guter Zuversicht, Hoffnung und Vertrauen auf GOtt, seine wohnung suchen, und die gewöhnliche Arbeit nach Vermögen verrichten, weilen allem Ansehen nach, keine fernere Gefahr mehr zu besorgen wäre etc.

Also sah man nach Verlauf einer Stunde, wie sich oder Corps zerteilete, die nach ihren Pflantz-Städten und Wohnungen zu spatzireten. Den Regenten convoyirten wir übrigen auf seine Burg, und liessen ihn daselbst in Gesellschafft der grauen Häupter und der Hrn. Geistlichen. Unserer einige aber, die am curieusesten waren zu besichtigen, was doch wohl durch das Erdbeben auf der ganzen Insul vor Schaden verursacht worden, beredeten uns unter einander, dass eine Partie Rechts, die andere aber Lincks um die Burg patrouilliren