bei einander wohneten, gab darbei zu vernehmen, dass 1000. und mehr grosse und kleine Erd-Teile auf dieser Welt wären, worin die Einwohner die besonderen Gnaden-Gaben GOttes nicht sattsam erkennen wolten. Letzlich überführete er uns, so zu sagen, dass wir Felsenburger vor 1000. andern die glückseligste und vergnügteste Gesellschafft wären, mitin uns auch vor allen andern Menschen distinguiren müsten, um dem Allmächtigen immer gefälliger zu werden, damit er uns nicht zerstreue oder gänzlich verderbe, dieses aber könnte nicht anders geschehen, als durch ein wahres Christentum.
Nach vollendeten Sermon, stimmete er die Lieder an:
O Ewigkeit, du Donner-Wort etc.
Ich armer Mensch, ich armer Sünder etc.
Nimm von uns, HErr, du treuer GOtt etc.
CHriste, du Lamm GOttes etc.
Als Herr Mag. Schmeltzer noch ein kurtzes Gebet aus dem herzen getan, sunge er folgende Worte ab:
Sei nun wieder zufrieden, meine Seele, denn der
HErr tut dir Guts.
Des musicalischen Chori Antwort erschallete also:
Lobe den HErrn, meine Seele! Ich will den HErrn
loben, so lange ich lebe, und meinem GOtt lob
singen, so lange ich hie bin, Amen!
Zu diesen heiligen gedanken veranlassete unsern lieben Hn. M. Schmeltzern, wie ich glaubte, der kleine Sprüh- und so genannte Sonnen-Regen, denn ungeachtet die Sonne noch in völliger Glut stunde, und uns ihre Strahlen fast gedoppelt zuschickte, so bedünckte es uns doch, als ob uns ein angenehmer Tau erqvickte, deswegen gingen sehr viele von unserer Gesellschaft ausserhalb, und liessen sich mutwilliger Weise Pfütze-nass beregnen. Die kühlen Lüfftgen erquickten uns, der hefftig brennenden Sonne, wie es dem Regenten, welcher noch nüchtern war, eine kleine Schwachheit an; Er bekannte solches selbst, sagte aber, dass ihm nicht sein eigener Hunger noch Durst plagete, sondern ihm nur des Volcks jammerte, vornemlich der unmündigen Kinder, welche ihm sehr nahe gingen.
deswegen gaben sich sogleich 50. der stärcksten Männer und auch gleich 50. der stärcksten Weiber an, welche Erlaubnis baten, auf die Alberts-Burg zu gehen, und Proviant zu holen. Es wurde ihnen mit gröstem Vergnügen erlaubt, und sie kamen fast ehe man es sich vermuten können, stark beladen wieder, indem sie Brod, Butter, Käse, geräucherte grosse Fische, Schincken, Würste, Wein, Bier, Milch und dergleichen, in Körben, Säcken, und auf Hand-Tragen herbei brachten. Ausser diesen hatten sich viele Einwohner aus den nächst gelegenen Pflantz-Städten mit gröster Geschwindigkeit auf den Marsch begeben, und aus ihren Häusern die besten Victualien geholet, welche sie herbei brachten; also war eine erstaunliche Menge an Speise und allerlei Geträncke vorhanden, so dass wir alle, die wir beisammen teils auf der Erde lagen, teils sassen, viele Tage davon hätten leben können.
Die Aeltesten und Geschicktesten unter uns, machten sich ein Vergnügen daraus, die Lebens-Mittel hie und da unter das Volck auszuteilen. Nach gehaltener Mahlzeit schien die liebe Sonne dergestalt erqvickend und erwärmend, dass viele Appetit bekamen, unter den schattigen Bäumen eine liebliche und angenehme Mittags-Ruhe zu halten.
Da sich aber der Tag zu neigen begunte, und die Sonne vor dissmahl sich im Meer zu verbergen eilete, liess der Regent allen und jeden Familien melden; wie er gerne sähe, wenn sich ein jedes unter sein Dach verfügte, weilen doch weiter hoffentlich nichts erschreckendes zu befürchten wäre; Allein, es wolte keine lebendige Seele vom platz weichen, sondern sie baten sich fast einstimmig aus, dass ihnen noch eine Bet-Stunde gehalten, und der Abend-Seegen von dem Priestern möchte gegeben werden, worauf sie vor dissmahl ihre Nacht-Ruhe unter freien Himmel halten wolten.
Der Regent und wir alle hatten unsere Freude über diese Resolution des Volcks, der erstere aber befahl, dass etliche starcke Männer 300 Pech- und 150 Wachs-fackeln von der Burg holen sollten, welchem Befehle denn so gleich gehorsamet wurde, und die Männer kamen fast eher mit den fackeln von der Burg zurücke, als die Dämmerung anbrach, also wurden auf beiden Seiten der Alleè in gewisser Weite von einander Pech-fackeln gepflantzt, um den Regenten, graue Häupter und übrige Personen von Distinction, die wir alle in einem ovalen Creise sassen, brannten Wachs-fackeln. So bald dieselben angezündet waren, trat Hr. M. Schmeltzer Jun. auf, und sunge folgende Worte ab: Psalm 40.
HErr, mein GOtt! wie gross sind deine Wunder, und
deine gedanken, die du an uns beweisest, dir ist
nichts gleich. Ich will sie verkündigen, und
davon sagen, wiewohl sie nicht zu zählen sind.
Hierauf antworteten die musicalischen Vocalisten: Ps.40, v. 14.
Lass dirs gefallen, HErr, dass du mich errettest, eile,
HErr, mir zu helffen.
Nach diesem wurde der Choral gesungen:
Wär GOtt nicht mit uns diese Zeit etc.
Und Hr. M. Schmeltzer verlass aus seiner Hand-Bibel, aus dem 6. Cap. des Propheten Jesaiä folgende Verse:
Und ich hörete die stimme des HErrn, dass er sprach: Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein? Ich aber sprach: Hie bin ich, sende mich. Und er sprach: Gehe hin, und sprich zu diesem Volcke: Hörets, und verstehets nicht, sehets, und merckets nicht