, habe seit den Jahren meiner Jugend bis hierher verschiedene Erdbeben mit vielen Schrecken, Furcht und Erstaunen bemerckt; jedoch ein solches, wie es sich in verwichener Nacht empfinden lassen, noch niemals. Es kan sein, dass der Allmächtige GOtt diese Insul zerreissen, und in die Tieffe des Meeres versencken, mitin uns alle verderben will, und zwar um unserer Sünden willen. Wolten wir gleich sagen, wir tun wenig oder keine Sünde, 1) Wir fürchten und lieben GOtt. 2) Wir fluchen und lästern nicht so, wie man wohl höret, dass es bei andern Nationen eine gemeine Mode ist. 3) Wir heiligen den Feiertag, besuchen auch auser dem fleissig die Kirche, und gehen ordentlich zum heil. Abendmahle. 4) Wir lieben, fürchten und gehorsamen unsern Vorgesetzten, Lehrern und Eltern. 5) Man hat noch nie erhört, dass auf unserer Insul eins das andere bosshaffter Weise beschädigt, verwundet oder wohl gar tot geschlagen hätte. 6) Auch ist noch nie erhört, dass unter uns, die wir alle eines Geblüts und Geschlechts sind, Unkeuschheit wäre verspüret worden. 7) Wer kan auftreten und sagen, dass diesem oder jenem etwas, auch so gar das geringste, heimlicher Weise gestohlen und entwendet worden? 8) Von Lügen, Verraten und Affterreden gegen einander wissen wir nichts, weil wir keine Ursache dazu haben, und uns bis auf den Tod ins Hertze hinein schämen müsten, wenn, da die Lügen an Tag kämen, wir wie Butter an der Sonne bestünden. 9) Keiner unter uns begehret seines nächsten haus, Gut noch Erbe, oder sucht selbiges unter diesem oder jenem Scheine an sich zu ziehen und zu bringen, weilen ein jeder unter uns so beqvemlich lebt, als er nur immer zu leben wünschen kan, und wenn ja etwa dieses oder jenes zu Verbesserung seiner Beqvemlichkeit ermangeln sollte, so sind mehr als 100. hände und Füsse da, die ihm, ohne Belohnung zu fordern, zu Diensten stehen. 10) So hat man auch bis auf diese Stunde kein eintziges Exempel, dass das zehende Gebot GOttes, so wie es in Luteri Catechismo ausgelegt ist, von jemanden übertreten worden; denn wir haben ja nicht die geringste Ursache dazu, weilen sich ein jeder nach seinem Appetite wohl beraten, zu dem, wenn wir auch die heil. Schrifft bei Seite legten, so könnten wir doch so gut, als die blinden Heiden, die von GOtt nichts wissen, wohl erkennen, dass dieses unter einer menschlichen Gesellschafft ein schändliches Laster sei. Da zumahlen unsre Herrn Geistlichen uns, den, den Heiden unbekannten GOtt, nach ihrer menschlichen Möglichkeit und durch die Krafft des heil. Geistes erleuchtete Gelehrsamkeit und Beredtsamkeit von einer Zeit zur andern bekannter machen, auch den Rat GOttes wegen unserer Seligkeit wöchentlich nicht einmal, sondern etliche mahl vortragen.
Meine Kinder, Brüder und Freunde! was ich jetzt gesagt habe, das habe ich allen auf dieser Insul lebenden menschlichen Creaturen gesagt. Ich habe nicht bloss aus meinem, sondern aus eurer aller mund geredet, führe euch aber dieses zu Gemüte, dass, wenn wir in Betracht des obgemeldeten sagen wolten: Wir hätten keine Sünde, so verführeten wir uns selbst, und die Wahrheit wäre nicht in uns. Denn alles dieses obgemeldte ist wohl gut und aller Ehren wert, aber, aber! alles dieses ist doch auch noch lange nicht hinlänglich, die Seligkeit zu erwerben, sondern es gehöret noch ein weit mehreres dazu, welches unsere Seelsorger besser und deutlicher, als ich Ungelehrter, mit meiner schwachen Zunge vortragen können. Unterdessen, da ich vor wenig Nächten, wie ich festiglich glaube, und dessen in meinem herzen versichert bin, einen göttlichen Traum gehabt, den ich bei nächster gelegenheit offenbahren, und unsere Herrn Geistlichen und andere Gelehrte und kluge Leute darüber will urteilen lassen, so hoffe, es soll vor dissmahl weiter keine Not mit uns haben; deswegen habt guten Mut, und lasset uns beisammen bleiben, bis die Glocke 12. geschlagen hat. Wer mit Speise und Tranck nicht versorgt ist, kan in mein haus gehen, wo vor uns alle gnugsamer Vorrat vorhanden ist, und sich sättigen, auch den Seinigen zur Notdurfft, so viel er tragen kan, mit herunter bringen. Wir werden nicht sterben, sondern leben, und des HERRN Werck verkündigen, und nach überstandener Furcht und Schrecken unsern GOtt zu loben und zu preisen die gröste Ursache haben. Ich weiss es aus gewissen Umständen ganz gewiss, denn ich bin nicht allein als euer aller Vater, sondern auch als euer Prophet zu betrachten. Gebt achtung! es wird binnen jetzt und etwa einer Viertels-Stunde sich eine ganz gelinde Erd-Erschütterung spüren lassen, aber dieserhalb erschrecket und fürchtet euch nicht, sondern heiliget GOtt den HErrn in euren herzen. Ist dieses vorbei, so werden wir Ruhe haben. Sagt mir, was wollen wir anders anfangen? Hätten wir auch Flügel wie Tauben und Flügel der Morgenröte, dass wir flöhen und zusähen, wo wir etwa blieben? Ja hätten wir auch 100. Seegel-fertige Schiffe, worauf wir uns mit unsern besten Sachen einzuschiffen, und einen andern Ort unsers Aufentalts suchen wolten? Was will das helffen? Der Hand des Allmächtigen können wir nicht entrinnen, wenn sie uns, wie ich doch nicht hoffe, verderben will. Also ist es besser, wir bleiben hier beisammen, und warten mit christlicher Geduld und Gelassenheit ab das, was der Himmel fernerweit über