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Feuerwerck seine Endschafft erreicht, so dass weiter nichts als eine Egyptische Finsterniss in der ganzen Gegend zu betrachten war. Indem aber gemeldte Feuer-Kugel oder Bombe crepirte, höreten unser aller Ohren nicht allein einen entsetzlichen Knall, sondern wir vermerckten auch ein erschröckliches Erdbeben, so, dass wir alle, wie wir stunden, und lagen, fast über einer Querhand hoch in die Höhe gehoben und erschüttert wurden. Als ich in meine schreibe-stube kam, fand ich das Schreibzeug, Bier-Krug und andere Dinge, so auf dem Tische stunden, umgekehrt, teils auch auf dem Boden zerbrochen liegen. Die Tabulettgen hiengen zwar noch an den Wänden, allein die meisten Gläser, Tee-Tassen und dergleichen Porcellain Zeug waren herunter gefallen und zerbrochen, bei welchen Kleinigkeiten ich mich aber nicht lange aufhielte, sondern nach der Wohnstube zu eilete, wo ich meine liebe Frau, die in Ohnmacht gesuncken war, auf dem Bette liegend antraf; da ich aber sah, dass viele vertraute Freunde und Freundinnen um sie herum waren, lief ich mit Mons. von Blac, nebst etlichen unserer Bedienten hinunter auf den Platz, wo 2. kanonen stunden, die 16. pfündige Kugeln schossen, diese lösete ich in der Geschwindigkeit eine nach der andern, ehe eine Minute verstrich, nicht etwa aus Frevel, sondern aus keiner andern Ursache, als die Einwohner herbei zu locken und ihnen vorzustellen, in was vor Gefahr und Not wir uns befänden, und zwar einer so wohl als der andere. Vor allen Dingen muste mein Famulus aufs eiligste nach der Alberts-Burg lauffen, um dem Regenten zu rapportiren, was vorgegangen wäre, und was wir observiret hätten. Es war dieser mein Famulus ein geschickter Pursche von 18. Jahren, und richtete seine Sachen wohl aus, kam bald zurück, und referirte uns, dass auf der Alberts-Burg weder Albertus selbst, noch jemand anders, weder von der Schwärtze am Himmel, noch von dem curieusen Feuerwercke das geringste gesehen, sondern sie hätten alle wohl und sanffte geschlaffen, bis sie von dem Erdbeben, welches sie eben so hefftig als wir empfunden, aufgeweckt worden.

etwa eine Stunde nach dem Knall der zwei kanonen versammleten sich nach und nach, etliche 100. Menschen beiderlei Geschlechts, aus allen PflantzStädten, auf dem platz bei der Kirche und am fuss der Alberts-Burg, welche alle einstimmig aussagten: dass sie zwar das Erdbeben in eben der Gewalt verspühret hätten, als wir, allein von der Schwärtze am Himmel und dem Feuerwerck wolte niemand nichts wissen, bis endlich diejenigen abgelöseten Wächter kamen, welche in verwichener Nacht auf den höchsten Klippen in ihren Schilderhäusern, bei den kanonen Schildwacht gehalten. Diese wusten wegen der Schwärtze und des Feuerwercks alles so accurat auszusagen, als wir es mit unsern Augen gesehen hatten.

Indem wir nun hiervon mancherlei gespräche unter einander hielten, empfanden wir binnen ungefähr 3. Minuten, 3. gewaltige Stösse vom Erdbeben und zwar dergestalt hefftig, dass sich auch die Glocken auf dem Kirch-Turme von selbsten rühreten, und ihren laut von sich gaben. Die allermeisten unter uns aber, sonderlich die Weiber und Kinder waren aus Schrecken zu Boden gefallen, und blieben also auch auf der Erden liegen. Ich selbst konte mich nicht halten, sondern muste gleich bei dem ersten Stose zu Boden sincken.

Noch etwa eine Stunde hernach empfanden wir abermals binnen 3. Minuten 3. heftige Stösse, so dass wir befürchteten, es würden alle Gebäude auf der ganzen Insul umgefallen sein, allein GOtt hatte dieses Unglück gnädig verhütet, wie ich in meiner fernern Erzählung melden werde.

In solchem Zustande, nämlich auf der Erden liegend, brachten wir noch eine gute Zeitlang zu, binnen welcher Zeit sich nicht allein der Regent, sondern, wie ich sicher glaube, fast alle übrigen Einwohner der Insul, vom gröster bis zum kleinesten, bei uns als dem grössesten Hauffen, versammleten, als zu welchem sich auch die drei Herren Geistlichen verfügten.

Endlich wurde der Himmel nach und nach helle und klar, und dergestallt mit himmelblauer Farbe bemahlt, dass sich unsere erschrockenen herzen einiger maassen zu erhohlen schienen; mit der aufsteigenden Sönne aber begunte auch unsere Grossmut nach und nach aufzusteigen, zumahlen, da wir nichts weiter von einiger Erd-Erschütterung verspüreten. Die SeigerGlocke liess 9. hellklingende Schläge von sich hören, worüber wir uns ungemein erfreueten, da wir vorher in Furchten gestanden, es würde die Uhr gänzlich ruinirt sein. Demnach stunde unser Regent, Albertus II. welcher in Wahrheit ein würdiger Nachfolger seines sel. Vaters, Alberti I. ist, so wohl in dem, was die Gottesfurcht, als auch die politische Klugheit und andere Tugenden anbetrifft, von der Erden auf. Es tat aber derselbe an uns alle, die wir um ihn wie die Schaafe herum lagen, ex tempore folgende Rede:

Meine Kinder, Brüder und Freunde!

Es haben zwar von euch nur einige gesehen und gehöret, was vor besondere grosse Wunder-Zeichen in vergangener Nacht geschehen; Alle aber haben wir empfunden, was uns der Allmächtige GOtt im Himmel, durch das erstaunliche Erdbeben, vor ein grausames Schrecken eingejagt, dergleichen Erdbeben wohl, so lange die Welt gestanden, auf dieser Insul nicht geschehen sein mag.

Mein in GOtt ruhender Vater hat mir, da ich sein ältester Sohn bin, sehr viele mal erzählet, dass er Zeit seines Aufentalts auf dieser Insul zu verschiedenen mahlen Erderschütterungen verspüret, welche aber doch leidlich gewesen, und ich selbst