schmeckte, gaben wir uns alle drei die gröste Müh, auf andere Arten von Vögeln zu lauern, und selbige zu schiessen.
Im Klettern war mir leichtlich Niemand überlegen, weil ich von natur gar nicht zum Schwindel geneigt bin, als nun vermerckte, dass sich oben auf den höchsten Spitzen der Felsen, andere Gattunge Vögel hören und sehen liessen; war meine Verwegenheit so gross, dass ich durch allerhand Umwege immer höher von einer Spitze zur andern kletterte, und nicht eher nachliess, biss ich auf den allerhöchsten Gipffel gelangt war, wo alle meine Sinnen auf einmal mit dem allergrösten Vergnügen von der Welt erfüllet wurden. Denn es fiel mir durch einen eintzigen blick das ganze Lust-Revier dieser Felsen-Insul in die Augen, welches rings herum von der natur mit dergleichen starcken Pfeilern und Mauren umgeben, und so zu sagen, verborgen gehalten wird. Ich weiss gewiss, dass ich länger als eine Stunde in der grössten Entzückung gestanden habe, denn es kam mir nicht anders vor, als wenn ich die schönsten blühenden Bäume, das herum spatzirende wild, und andere Annehmlichkeiten dieser Gegend, nur im blossen Traume sähe. Doch endlich, wie ich mich vergewissert hatte, dass meine Augen und gedanken nicht betrogen würden, suchte und fand ich einen ziemlich bequemen Weg, herab in dieses angenehme Tal zu steigen, ausgenommen, dass ich an einem eintzigen Orte, von einem Felsen zum andern springen muste, zwischen welchen beiden ein entsetzlicher Riss und grausam tieffer Abgrund war. Ich erstaunete, so bald ich mich mitten in diesem Paradiese befand, noch mehr, da ich das Wildpret, als Hirsche, Rehe, Affen, Ziegen und andere mir unbekandte Tiere, weit zahmer befand, als bei uns in Europa fast das andere Vieh zu sein pfleget. Ich sah zwei- oder dreierlei Arten von Geflügel, welches unsern Rebhünern gleichte, nebst andern etwas grösseren Feder-Vieh, welches ich damahls zwar nicht kannte, nachher aber erfuhr, dass es Birck-Hüner wären, weiln aber der letzteren wenig waren, schonte dieselben, und gab unter die Rebhüner Feuer, wovon 5. auf dem Platz liegen blieben. Nach getanem Schusse stutzten alle lebendigen Creaturen gewaltig, gingen und flohen, jedoch ziemlich bedachtsam fort, und verbargen sich in die Wälder, weswegen es mich fast gereuen wolte, dass mich dieser angenehmen Gesellschafft beraubt hatte. Zwar fiel ich auf die gedanken, es würden sich an deren Statt Menschen bei mir einfinden, allein, da ich binnen 6. Stunden die ganze Gegend ziemlich durchstreifft, und sehr wenige und zweiffelhaffte Merckmahle gefunden hatte, dass Menschen allhier anzutreffen, oder sonst da gewesen wären, verging mir diese Hoffnung, als woran mir, wenn ich die rechte Wahrheit bekennen soll, fast gar nicht viel gelegen war. Im Gegenteil hatte allerhand, teils blühende, teils schon Frucht-tragende Bäume, Weinstöcke, Garten-Gewächse von vielerlei Sorten und andere zur Nahrung wohl dienliche Sachen angemerckt, ob mir schon die meisten ganz frembd und unbekandt vorkamen.
Mittlerweile war mir der Tag unter den Händen verschwunden, indem ich wegen allzu vieler gedanken und Verwunderung, den Stand der Sonnen gar nicht in acht genommen, biss mich der alles bedeckende Schatten versicherte, dass selbige untergegangen sein müsse. Da aber nicht vor ratsam hielt, gegen die Nacht zu, die gefährlichen Wege hinunterzuklettern, entschloss ich mich, in diesem irdischen Paradiese die Nacht über zu verbleiben, und suchte mir zu dem Ende auf einen mit dicken Sträuchern bewachsenen Hügel eine bequeme Lager-Statt aus, langete aus meinen Taschen etliche kleine Stücklein Zwieback, pflückte von einem Baume etliche ziemlich reife Früchte, welche rötlich aussahen, und im Geschmacke denen Morellen gleichkamen, hielt damit meine Abend-Mahlzeit, tranck aus dem vorbei rauschenden klaren Bächlein einen süssen Trunck wasser dazu, befahl mich hierauf GOtt, und schlieff in dessen Nahmen gar hurtig ein, weil mich durch das hohe Klettern und viele Herumschweiffen selbigen Tag ungemein müde gemacht hatte.
Hierbei mag vor dieses mahl (sagte der Alt-Vater nunmehr, da es ziemlich späte war) meine Erzehlung ihren Aufhalt haben. Morgen, geliebt es GOtt, wollen wir, wo es euch gefällig, die Einwohner in Stephans-Raum besuchen, und Abends wieder da anfangen, wo ich jetzt aufgehöret habe. Hiermit legten wir uns allerseits nach gehaltener Bet-Stunde zur Ruhe, folgenden Morgen aber ging die Reise abgeredter massen auf Stephans-Raum zu.
Hieselbst waren 15. Wohnhäuser nebst guten Scheuern und Ställen auferbauet, aber zur Zeit nur 11. bewohnt. Durch die Pflantz Stadt, welche mit den schönsten Gärten umgeben war, lieff ein schöner klarer Bach, der aus der grossen See, wie auch aus dem Ertz-Gebürge seinen Ursprung hatte, und in welchem zu gewissen zeiten eine grosse Menge Gold-Körner gesammlet werden konnten, wie uns denn die Einwohner fast mit einem ganzen hut voll dergleichen, deren die grössten in der Form eines Weitzen-Korns waren, beschenckten, weil sie es als eine artige und gefällige Materie zwar einzusamlen pflegten, doch lange nicht so viel Wercks draus machten, als wir Neuangekomenen. Mons. Plager, der einige Tage her nach die probe auf allerhand Art damit machte, versicherte, dass es so fein, ja fast noch feiner wäre, als in Europa das Ungarische Gold. Gegen Westen zu stiegen wir auf die Klippen, wo uns der Altvater den Ort zeigete, wo vor diesen auf beiden Seiten des Flusses ein ordentlicher und