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G.v.B. in Amsterdam, und auch an Herrn H.W. in Hamburg abzustatten, weswegen ich denn die 10. Pfund Goldes Gratial gegen einen Revers bei dem Kauffmanne in D. liess, welcher zugleich Vollmacht bekam, den glücklichen Ausleger derselben Schrifft damit zu belohnen, die Taffeln einzulösen, und biss sie von den Felsenburgern abgefordert würden, bei sich zu behalten. Wegen der Buch- und Kupffer-Druckerei, aller dazu erforderlichen Leute und Materialien, hat, wie die letzteren Briefe von Herrn G.v.B. und meinem Bruder aus Amsterdam lauten, auch schon alles seine vollkommene Richtigkeit, weswegen ich glaube, dass an den andern geringern Sachen auch nichts versäumt sein und ermangeln wird. Und also werde ich mich hier in Hamburg nicht lange aufhalten, sondern meine Reise nach Amsterdam beschleunigen, um, was ja etwa noch fehlen möchte, vollends selbst zu besorgen, und circa Johannis-Tag, meine Heim-Reise nach Felsenburg anzustellen; denn ich werde auf meinem und auf meines Bruders Schiffe, eine starcke Ladung haben, wenn mich aber mein Bruder auf der Insul Klein-Felsenburg, mit allen meinen Waaren ausgesetzt, soll er, bereits genommener Abrede nach, auch die Personen, so auf meinem Schiffe gedienet, auf das Seinige nehmen, selbiges mit lauter Felsenburgischen Victualien beladen, und in GOttes Nahmen wieder zurück nach Europa fahren.

So viel hat mir der kapitän Horn von seinen Umständen eröffnet, er tractirte nachher noch verschiedene Sachen mit dem Herrn H.W. um welche ich mich eben nicht zu bekümmern hatte, indem ich ein gutes Honorarium vor meine Reise-Kosten und alles von ihm bekommen. Gern wäre ich mit demselben nach Amsterdam gereiset, und hätte die Schiffe und alle Anstalten selbst in Augenschein genommen, indem er mir allen Aufwand und Versäumniss gedoppelt zu bezahlen versprach, allein, ein wichtiger Umstand, den ich eben nicht melden will, verhinderte mich an dieser Reise, die ich zu anderer Zeit, auch vor mein eigen Geld, mit Lust getan haben würde. Demnach reisete der kapitän mit dem Herrn H.W. ohne mich, fort, der letztere aber hat mich nachher schrifftlich berichtet, dass der kapitän, bei seiner Ankunfft in Amsterdam, alles zu seinen grössten Vergnügen in vollkommenen stand angetroffen, und am 4ten Julii des jetzt lauffenden 1735sten Jahres nebst seinem Bruder mit 2. Schiffen aus dem Texel gelauffen sei. Demnach machte ich mich, wenn mir meine ordinairen Geschäffte einige müssige Stunden vergönneten, auch an die Arbeit, und brachte eben noch zu rechter Zeit

Die Felsenburgische Geschichts-Beschreibung zu

ENDE.

Fussnoten

1 Hier hat Mons. Eberhard, vielleicht aus besonderen Ursachen, die ich, Gisander, vollkommen zu erraten, mir eben nicht getraue, etwas kurz und verblümt von der Sache geschrieben, denn als ich, nachdem mich der kapitän Horn, da er glücklich in Europa angeländet, zu sich kommen lassen, eines Abends in Vorlesung des Manuscripts auf diese Passage kam, sagte er, der kapitän Horn, selbst im Vertrauen zu mir: "Hier ist Eberhard mit dem Flederwische drüber her gefahren, und hat nicht so anfrichtig als sonst geschrieben, denn ich versichere euch, mein Herr! dass in der einen Cammer ein, unschätzbarer Schatz von Gold-Klumpen, Gold-Scheiben, Gold-Stangen, Diamanten und andern kostbaren Steinen, gefunden und so wohl als die Götzen-Bilder nach Gross-Felsenburg geschafft worden. Wenn ich (fuhr der kapitän Horn gegen mich fort) mich nicht bereits vollkommen in die angenehme Lebens-Art der Felsenburger verliebt, auch mir ein überaus schönes Bild daselbst zur künfftigen Ehe-Gattin auserwählt, mich mit ihr versprochen, und die gröste Lust gehabt, meine übrige Lebens-Zeit auf dieser Insul zuzubringen; würde ich unfehlbar meinen teil von diesen unter der Erde gefundenen Schätzen gefordert haben. So aber dachte ich: was ist dir Gold, Geld und Gut nütze, da du nicht in Europa, sondern allhier verbleiben wilst? zudem, so haben sie mir mehr Gold und Geld mitgegeben, als ich verlangt und nötig habe. Aber das ist wahr, dass die Felsenburger Königreiche kauffen und baar bezahlen könnten, wenn sie feil wären." Ich gab ihm hierauf zu verstehen: wie mich wunderte, dass bei diesen gefundenen Schätzen gar keines Silber-Zeugs, auch keines gemüntzten Geldes erwehnt würde; worauf er versicherte, dass weder Silber-Werck noch Müntze, sondern nur bloss Gold und Edle-Steine gefunden worden. Weil nun ich, Gisander, mich nicht verbindlich gemacht, unser beider besonderes gespräche zu verschweigen, als habe mir kein Bedencken genommen, dem geneigten Leser, um die Geschicht desto deutlicher zu machen, das nötigste zu offenbaren.

Wunderliche FATA einiger See-Fahrer,

Vierdter teil,

oder:

fortgesetzte

Geschichts-Beschreibung der Felsenburger;

worin nicht allein derselben jetziger Zustand seit Alberti Julii I.-Ableben biss auf heutige Zeit mit aufrichtiger Feder gemeldet, sondern auch

eine ganz besondere und

Verwunderungs-würdige Lebens-geschichte

einer Persisch-Candaharischen Printzessin

Mirazamanda,

Die fast ein Haupt-Stück der Felsenburgischen geschichte ausmacht, zugleich mit beigefüget

worden:

Zuerst entworffen von Mons. Eberhard Julio,

Curieusen Lesern aber zum vermutlichen

Gemüts-Vergnügen ausgefertigt, auch par

Commission dem Druck übergeben

von

GISANDERN.

Vorrede.

Festina lente!

Man muss in keinem Stück sich leichtlich übereilen; Eil schadet öffters mehr, als klügliches Verweilen.

Geneigter Leser!

Das hier angeführte