-Nacht die Stücken, Paucken und Trompeten tapffer hören, und Montags und Dienstags drauf, als den 4ten und 5ten Januarii, wurden auf dem grünen Taffel-platz vor alle Insulaner, zum Abschieds-Schmause des Capitains Horn, ein herrliches Tractament gegeben, bei welchen er, von allen insgesammt Abschied nahm, und von den auf der Insul befindlichen Europäern mit vielen Briefen und Paqueten beschweret wurde, um selbige an ihre in Europa befindlichen Freunde mitzunehmen, welches er gern und willig zu tun versprach, und 2. Kisten damit anzufüllen hatte. Weiln er nun den 7. Jan. in person zu Schiffe zu gehen und abzuseegeln gesonnen war, auch dazu alles veranstaltet hatte, so nahm er tages vorher von seiner Liebste, dem Alt-Vater, Aeltesten und andern speciellesten Freunden, bei mir aber zuletzt Abschied, weil verabredet war, ihm diese meine fortgesetzte GeschichtsBeschreibung der Felsenburger, ganz auf die letzte Stunde mitzugeben. Welche ich denn hiermit beschliesse, und wohl glaube, dass sich einige finden und sagen werden, ich hätte mich bei einer Sache zu lange, bei der andern zu kurz aufgehalten, und manches zu melden, gar vergessen; was aber das letzte anbelanget, so werden diejenigen, so ich nicht berühret, wohl von schlechter Wichtigkeit und nicht besonders merckwürdig sein, und wegen der erstern habe es vor dissmahl nach meinem eigenen Belieben gehalten, hätte zwar eins und das andere verbessern können, indem keine Sache so gut, dass sie nicht verbessert werden könnte; allein, ich kan versichern, dass auch andere wichtigere Geschäffte mir nicht erlauben wollen, dieser Neben-Sache wegen allzu viele Zeit zu verlieren, zumahlen, da ich weder Lob, noch Danck, noch Gewinst darvor verlange. Habe ich nicht genug geschrieben, so habe ich doch etwas geschrieben, und wie müste man tun, wenn ich gar nichts von unsern Zustande geschrieben hätte? Nicht wahr, es würde desswegen doch an Historien-Büchern kein Mangel sein? Ob hinfüro noch mehr von den Felsenburgischen Geschichten zum Vorscheine kommen möchte, daran zweiffele fast sehr, wenigstens würde es wohl unter 10. Jahren nicht geschehen, und wenn wir alle noch so lange lebten und gesund blieben; denn es dürffte vor der Zeit wohl kein Schiff von Felsenburg wiederum nach Europa abgehen. Unterdessen empfehle ich einen jeden, der diese meine Fortsetzung und vorherigen Schrifften zu lesen bekömmt, so wohl als alle andere Menschen, der Göttlichen Obhut, und verbleibe, ungeachtet ich sehr weit von Deutschland wohne, dennoch
der redliche Deutsche
Eberhard Julius.
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Ein mehrers, als was bisshero gemeldet worden, habe ich, Gisander, in Mons. Eberhard Julii Manuscripto nicht gefunden, will aber dennoch kund machen, was ich dieser geschichte wegen nachher weiter in Erfahrung gebracht. Demnach bekam ich im Februario 1735. ein Schreiben von Herrn H.W. aus Hamburg, in welchem er mich invitirte, gegen Ostern bei ihm zu sein, weil der kapitän Horn um selbige Zeit unfehlbar bei ihm eintreffen, und mich gern selbst sehen und sprechen wolte. Weil ich nun versichert war, dass ich diese Reise nicht umsonst tun würde, setzte ich mich zu rechter Zeit auf die geschwinde Post, und kam 14. Tage vor Ostern in des Herrn H.W. Behausung an, welcher mich sehr wohl aufnahm, der kapitän Horn aber stellte sich erstlich 8. Tage nach Ostern ein, war sehr erfreut, mich zu sehen, und gab mir das unverdiente Lob, dass ich die zwei ersten Teile der Felsenburgischen geschichte, welche er schon in A.* und D.* zu lesen bekommen, ganz wohl besorgt und ausgefertiget hätte, weswegen er nunmehr, empfangener Ordre gemäss, mir nebst einem Honorario auch den dritten und letzten teil einhändigen, darbei nicht zweiffeln wolte, dass ich denselben eben so wohl, als die beiden erstern, besorgen würde, doch bat er sich aus, dass ich ihm dieses des Eberhard Julii Manuscript erstlich vorlesen Abende hintereinander immer 3. biss 4. Stunden dazu, discurirten dazwischen, da ich denn von dem kapitän Horn vieler Dinge wegen besser verständiget wurde, endlich aber, als wir hiermit fertig, tal der kapitän dem Herrn H.W. und mir folgende Erzählung:
Am 7. Jan. des abgewichenen 1734sten Jahres ging ich von Felsenburg ab und zu Schiffe, fand auf selbigen alles in bester Ordnung, so, dass ich den 8. dito mit anbrechenden Tage bei gutem Winde und Wetter von dannen seegeln konte, nachdem ich mit 12. kanonen-Schüssen nochmahligen Abschied genommen, das Glück auf die Reise! aus ihren kanonen aber annoch hören konte, da ich schon etliche Meilen von dannen war. Noch niemals habe ich eine geruhigere Fahrt gehabt, als dieses mahl, weil es aber zuweilen gar zu langsam ging, bin ich erstlich zu Ende des May-Monats im Texel eingelauffen. Nachdem ich nun die Portugiesen, so ich mitgeführet, bereits an dem Ufer ihres Vaterlandes ausgesetzt, versprach ich meinen Leuten alles dasjenige zu halten, was ihnen annoch in Felsenburg versprochen worden, sie mussten mir aber ihren getanen Eid wiederholen, dass sie von allen unsern begebenheiten in Holland nicht viel Plauderens und grosses Wesen machen wolten. Hierauf brachte ich, vermittelst einer guten Summa Geldes, alles in solche gute Ordnung und Richtigkeit, dass ich mein Volck und Bagage frei und sicher ausschiffen durffte, nahm auch mein Logis abermals in Amsterdam bei Herrn G.v.B. welcher mich mit sehr