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Vertrauen zu ihm, war bei mir grösser als zu meinem leiblichen Bruder, denn ungeachtet mein Bruder abermals mit starcken Profite aus Ost-Indien zurück kam, mir, nach Vernehmung meiner Unglücks-Fälle, ein gut Stück Geld und verschiedene Vorteile anbot, wenn ich mit ihm zu reisen mich resolviren wolte, so konte es doch nicht in meinen Kopff bringen, unter seinem, als meines jüngsten Bruders Commando zu stehen, ich nahm auch, ausser einigen Raritäten, keine andern Geschencke von ihm an, weil mir Herrn Wolffgangs Generositée bereits so viel an baaren Gelde und andern Dingen zugewendet, dass mich zu einer neuen Reise vollkommen hätte equippiren können. Ja eben dieser mein besonderer Wohltäter hat mich bekandter massen in den Stand gesetzt, worin ich mich voritzo befinde. Ich hätte ihnen, meine Herrn, zwar eine viel weitläufftigere Beschreibung von meinen Reisen zur See machen können, allein, weil ich sehe, dass der Tag bereits zu den Fenstern herein bricht, muss ich wohl vor dieses mahl den Schluss machen, damit wir wenigstens nur noch ein paar Stunden ruhen können.

Hiermit war des kapitän Horns Lebens-Geschichts-Erzählung zum Ende, und ich nahm denselben mit in mein Logis, wo wir, ohne seine und meine Liebste in der Ruhe zu stöhren, uns in einer besonderen Cammer schlaffen legten. In folgenden Tagen wurden noch mehrere Conferentzen gehalten, und endlich beschlossen: dass der kapitän Horn dieses 1733ste Jahr noch bei uns aushalten, im Januario des 1734sten aber, von uns ab- und nochmahls nach Europa seegeln sollte. Er liess sich solches endlich gefallen, und wir deliberirten inzwischen über die schrifftliche Instruction, so ihm mit auf die Reise gegeben werden sollte. Die Haupt-Stücke, welche er mitzubringen und zu besorgen hatte, waren: 1.) Eine vollkommene Buch- und Kupffer-Druckerei, nebst allem Zubehör von Sachen und Personen, als nämlich Buchdrucker, Setzer, Schrifft-Giesser, FormSchneider, Kupfferstecher, Kupffer-Drucker und dergleichen. 2.) Verschiedene Medicamenta und Chymische Præparata. 3.) Wollen- und FlächsenTuch, auch Wolle und Flachs, so annoch unverarbeitet. 4.) Noch mehr Pferde-Rind- und Schaaf-Vieh, und zwar so viel, als nur davon fortzubringen. 5.) sollte er sich an gelehrte Leute addressiren, um zu vernehmen, ob die in den Heiden-Tempel gefundenen Schrifften ausgelegt werden könnten, wo nicht, die Taffeln benebst etwa ein paar Pfund Goldes bei ihnen zu lassen, und noch 10. Pfund zur Discretion vor diejenigen zum Gratial zu versprechen, welche sich bemühen wolten, das geheimnis in diesen Schrifften auszufinden, als worzu sie biss 10 Jahr Zeit haben sollten, indem wir nicht gesonnen wären, unter 10. Jahren wieder eine Fahrt nach Europa anzustellen. 6.) Wenn er, der kapitän Horn, auf den gedanken verharrete, nach seiner glücklichen Zurückkunfft auf dieser Insul bei uns zu bleiben, müste er hauptsächlich dahin bedacht sein, einen getreuen und redlichen Menschen in Pflicht zu nehmen, der das Schiff, nach der Wiederankunfft und Ausladung allhier, nachdem es von uns mit sattsamen Proviant versorgt, so gleich mit den darauf befindlichen Personen, welche wir nicht bei uns zu haben verlangten, wieder abführen sollte. etc. etc.

Die übrigen Puncte, weil sie nicht eben allzu wich

tig, halte vor unnötig zu melden, und den Lesern damit verdrüsslich zu fallen, genug, weil wir sattsame Bedenck-Zeit hatten, so vergassen wir auch, unseres Erachtens, gar nichts, was zu Verbesserung unseres staates annoch nötig war, verliessen uns im übrigen auf des kapitän Horns selbst eigenen guten Verstand, indem dieser gescheute Kopff binnen der Zeit, als er bei uns gewesen, sich bereits manche Marque in seine schreibe-Taffel gemacht, woran es uns nämlich in diesen und jenen Stücken noch fehlete.

Unterdessen lieff uns die Zeit, ich weiss nicht wie,

geschwind unter den Händen weg, weswegen gleich nach Martini Anstalt gemacht wurde, des kapitän Horns Schiff mit Rosinen, Reiss und andern Felsenburgischen Früchten, auch überflüssigen Lebens-Mitteln zu beladen, seine Leute, ingleichen die Portugiesen bekamen einer wie der andere, von Häupten biss zum Füssen gedoppelte neue Montur, nebst 6. Anzügen weisser Wäsche und andern Bedürffnissen, ausser ihrem ordentlichen Lohne aber, ein jeglicher 3. Pfund gediegenes Goldes, und die Officiers 4. Pfund, welches mancher wohl nicht erworben, wenn er gleich als Matrose binnen der Zeit in Ost-Indien oder auf der See herum geschwermet hätte. Anbei wurde ihnen gesagt, dass, wenn sie sich auf der Fahrt nach Europa wohl hielten, der kapitän Horn ihnen sodann die eingeladenen Rosinen und Reiss Preiss geben würde. Alle diese Leute waren wohl zufrieden, und hielten nach hertzlicher Dancksagung ein Freuden-fest. Die Fässer und Kisten, worin die kostbarsten Sachen, zu Bestreitung aller Kosten vor den kapitän Horn, eingepackt waren, stunden auch schon parat, sollten aber nicht ehe als biss auf die letzte eingeschifft werden. In Summa, es war vor den Christ-Feiertagen zu des Capitains Abreise alles in vollkommen fertigen stand, so, dass wir die nach einander folgenden fest-Tage andächtig und vergnügt hinbringen konnten, wie denn auch den Klein-Felsenburgern ein Priester hinüber geschickt wurde, um ihnen bei dieser heiligen Zeit das Wort GOttes zu predigen, und den darunter befindlichen Evangelischen das Heilige Abendmahl zu reichen. Sonderlich liessen sich in der neu-Jahrs