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der vergnügtesten Menschen einer auf der Welt sein, denn ich hatte selbst feine Mittel, einen austräglichen Dienst und gnädigen Herrn, so aber bin bloss des Frauenzimmers wegen, um die beiden letzteren Stück gebracht, deswegen will auch nunmehr, dieses gefährliche Geschlecht zu vermeiden, nicht mehr im land bleiben, sondern zu Schiffe gehen, vielleicht ist mir das Glück so günstig, dass ich einmal ein Admiral werde. Dieses waren meine damahligen gedanken, um aber wieder gutes Muts zu werden, nahm mir vor, die berühmtesten Städte in diesem land zu besehen, liess mich ein Stück Geld nicht gereuen, sondern reisete mit meinem Diener von einer Stadt zur andern, fand vieles so mir wohl gefiel, und endlich, weil ich meine Touren mit Fleiss also eingerichtet, nahm ich den Weg nach Amsterdam, um von dannen eine Reise nach Ost-Indien zu tun. Weil ich nun sehr curieux war, und jedes Orts alles merkwürdige aufschrieb, so gingen fast 4. Wochen hin, ehe ich in dieser volckreichen und grossen Stadt herum kam.

Eines Tages, da ich vor der Börse stunde, und mich an diesem kostbarn Gebäude nicht satt sehen konte, zupffte mich jemand beim Ermel, und da ich mich umsahe, war es mein jüngster Bruder, über dessen Dasein ich mich fast zu tod verwunderte, nachher aber von ihm erfuhr, dass er endlich seiner Frauen altes Taler-Loch gefunden, die meisten heraus genommen, und weil er es nicht länger bei ihr ausstehen können, hierher gereiset wäre, um nach Ost-Indien zu gehen. So bald er hörete, dass eben dieses mein Vorsatz wäre, war er ungemein erfreuet, wir schossen demnach unsere Gelder zusammen, legten dieselben an taugliche Waaren, engagirten uns bei der Ost-Indischen Compagnie, und gingen als Kauff-Leute mit zu Schiffe, und nach Ost-Indien, erworben bei der ersten Reise ein ziemlich Stück Geld, allein, weil wir Brüder, uns im Handel nicht wohl vertragen konnten, teileten wir unsern Erwerb christlich, und schieden in Friede von einander, da denn einer nach Ost- und der andere nach West-Indien ging. Mein Bruder, welchen ich nachher zwei mahl wieder gesprochen, war so glücklich geworden, in wenig Jahren ein eigenes Schiff und anderweitiges Vermögen zu erwerben, allein mit mir wolte es nicht fort, denn wenn mir gleich das Glück nach vieler sauren Mühe und Arbeit etwa ein ziemliches Capital zugewendet, so verlohr doch bald hier, bald dort etwas darvon, und endlich war ich auf der Retour aus West-Indien so unglücklich, alles mein Gut durch Schiff-Bruch zu verliehren, danckte aber doch dem Himmel, vor meine wunderbare Lebens-Erhaltung, und war froh, dass ich nach 3. tägigen herumschwimmen in der See, von einem Spanischen Schiffe aufgenommen, und mit nach Spanien gebracht wurde. So viel Geld hatte noch in meinen Kleidern bei mir, dass ich zurück nach Holland zähren konte, wo ich mehr nicht als 1000. Tlr. an einem sichern Orte zu suchen wuste, nahm deswegen selbige auf, und ging aufs neue nach West-Indien, wo ich das Glück hatte, mit Mons. Wolffgangen in Bekandtschafft zu geraten, indem wir vielen Verkehr mit einander hatten, und ich nichts bedaurete, als dass es sich schon damahls nicht schicken wolte, mit ihm in Compagnie zu reisen, indem mir sein ganzes Wesen über alle massen gefiel. Jedoch, was sich damahls nicht schicken wolte, muste sich nach der Zeit, da ich noch einmal so unglücklich gewesen, fast um alles das Meinige zu kommen, dennoch schicken, weil ich nunmehr als ein armer Schöps, mich zu gratuliren hatte, dass ich von ihm, als ein Frei-Beuter, mit aufgenommen wurde. Er selbst, Herr Wolffgang, hat etliche mahl allhier umständlich erzählet, wie es ihm auf der ersten Reise, so ich mit ihm tat, ergangen, wie er von dem bosshafften Jean le Grand und seinem Anhange, zu derselben Zeit, da ich eben sehr kranck auf dem Schiffe darnieder lag, tractiret worden, und wie man ihn zu verderben, an diese Felsen-Insul ausgesetzt, mitin sein kostbares Gut benebst dem Schiffe abgestohlen; weswegen ich nicht vor nötig halte, solches zu wiederholen. Genug, der Himmel hat es ihm und den Felsenburgern zum Vergnügen mit Fleiss also geschickt; die Verräter aber bekamen ihre gerechte Straffe, indem sie, als das Schiff, ohnweit der Insul Madagascar, zerscheiterte, mit ihrem Rädelsführer dem Jean le Grand jämmerlich ersauffen mussten, wiewohl auch viel Unschuldige ihr Leben darbei einbüsseten, und ich, nebst drei andern, nur allein gelegenheit fanden, uns zu retten, auch einige Zeit hernach wiederum nach Holland, jedoch ziemlich von Gütern entblösset, zu kommen. Solchergestalt trieb mich die Not dazu, den Quartiermeisters-Dienst auf einen Kauffartei-Schiffe nach Batavia anzunehmen; allein, eben noch zu rechter Zeit kam mein wertester Herr Wolffgang in gutem Wohlstande und stark bemittelt wieder zum Vorscheine, weswegen ich sogleich einen andern Quartier-Meister an meine Stelle schaffte, und mich bei dem Herrn kapitän Wolffgang engagirte, weil er mir ganz besondere Vorteile versprach, auch zu dem Ende, wie ich merckte, meine Treu und Fleiss auf verschiedene Proben setzte, die, nachdem ich sie redlich überstanden, mich bei ihm in vollkommenen Credit setzten, und solchergestalt bekam nicht geringe Hoffnung, unter dessen Commando mein Glück aufs neue zu machen. Ja das