. Ich muste also damit zufrieden sein, und, ungeachtet, dass ich wohl merckte, dass sie bei ihren itzigen Jahren dennoch sehr geil und wollüstig wäre, indem sie mir den Haupt-Genuss der Liebe fast immerdar entgegen trug, und ganz betrübt wurde, wenn ich nicht anbeissen wolte, so schrieb ich es doch dem zu, dass sie vielleicht an meiner person etwas Liebens-würdigers gefunden, als an dem Bambo und andern Freiern. Unterdessen war ich bemühet, ihre Brunst mit freundlichen moralischen Worten zu stillen, womit ihr aber so wenig, als mir, mit der Unzucht gedienet war, denn weil ich bis dahin meine Keuschheit rein erhalten, und kein Frauenzimmer auf der Welt in Unehren berühret hatte, so war ich auch nunmehr desto eigensinniger, und wolte vor Priesterlicher Copulation nicht auf der Hochzeit schmausen. Unter der Zeit merckt Bambo, wie die Kreite bei hof, wegen der Witt-Frau, meiner und seiner, geschrieben hat, stösst deswegen die schimpfflichsten Reden in einer honetten Compagnie gegen mich aus, und da ich ihn desswegen besprechen liess, forderte er mich des dritten Tages, mit einem blancken Degen auf die Grantze, um ihme, (wie er gesprochen) vor die, an ihm begangene Filouterie Satisfaction zu geben. Ich war gleich parat dazu, weiln es aber, bekandter massen, bei hof entsetzlich viel Posten-Träger gibt, war dieses bevorstehende Duell so gleich Brüh-siedend-heiss meinem Herrn zu Ohren gebracht worden, welcher mir bei seiner Ungnade verbot, dem Bambo vor der Klinge zu stehen, hergegen befahl er mir, gleich Augenblicklich eine Reise in Geld-Affairen nach F. anzutreten, und nicht eher wieder zu kommen, biss ich alles, was in meiner schrifftlichen Instruction stünde, ausgerichtet hätte, und mitbringen könnte. Bei so gestalten Sachen würde mich nun ein jeder vernünfftiger Mensch leichtlich excusirt gehalten haben, wenn ich dem Bambo nicht gekommen wäre; doch ich war toll, und vermeinte, meine ganze Ehre und Renommée würde caducirt werden, wenn ich demselben mein Versprechen nicht hielte, und weil ich ohnedem auf den Fecht-Bödens in Franckreich und Italien, auch sonsten aus der würcklichen und ernstafften Erfahrung so viel gelernt zu haben gläubte, diesen prahlhafften Eisenfresser behörige Abfertigung zu geben, ritte ich, ohne von meiner Liebsten Abschied zu nehmen, (weil mir selbiges expresse verboten war) mit einem zugegebenen ReutKnechte, nach Westen zu, wendete mich aber bald gegen Norden, nach der Gräntzé und Orte, wo mich Bambo hin bestellet hatte, traf denselben zu gesetzter Zeit an, und fertigte ihn mit einer gewaltigen Blessur in seinen rechten Arm hurtig ab, setzte hierauf meine Reise recht vergnügt und eiligst nach F. fort. Mein Herr hatte mir so viel Arbeit aufgegeben, dass ich erstlich in der 8ten Woche wieder zurück kommen konte. An statt nun meinen Rapport bei dem Herrn selbst abzustatten, wurde ich an den Ober-Hofmeister verwiesen, welches mir gleich bedencklich fiel, jedoch ich gehorsamete, legte meine Rechnung ab, überlieferte alles mitgebrachte Gut, und erhielt das Lob von Demselben, dass ich meine Sachen wohl ausgerichtet hätte. Dem allen ungeachtet, (sagte der Ober-Hofmeister letztlich) haben mein Herr dennoch eine Ungnade auf ihn geworffen, indem er, Dero expressen Befehle zuwider, sich dennoch mit dem liederlichen Bambo in ein Duell eingelassen, lassen ihme deswegen jetzt durch mich auf 4. Wochen den Hof verbieten, binnen welcher Zeit sich mein Herr seinetwegen weiter resolviren werden. Ich machte, ohne eintziges Wort zu sagen, ein tieffes Compliment, und ging in mein Logis, wolte auch selbigen Abend noch meine Liebste besuchen, allein, sie war nicht zu haus, oder liess sich verläugnen. Hergegen kam ein guter Freund zu mir, und erzählete solche Sachen, worüber ich Maul und Nase aufsperrete. Mein Freund! (sprach er:) eure so genannte Liebste ist ein wunderlich Weib, ihr waret kaum 8. oder 10. Tage weg, so liess sie den Bambo holen, ihm eine eigene stube in ihrem haus zurechte machen, und denselben vor ihr Geld, an der Blessur, die ihr ihm beigebracht, völlig curiren. Ich (fuhr dieser mein Freund fort) kam eines Tages zu ihr, und fragte, was denn wohl ihr Liebster, Mons. Horn, dazu sagen würde, dass sie den Bambo so wohl aufgenommen hätte? Ei! gab sie mir zur Antwort, was gehet mich Horn an, er hat nicht einmal Abschied von mir genommen, ehe er von hier weggereiset ist, ausserdem habe ich an ihm gemerckt, dass er zwar mein Geld und Gut, aber meine person nicht æstimirt, denn er hat sich allezeit bei mir aufgeführt, nicht als ein Liebhaber, sondern als ein verschnippelter StrohMann. Verlöbniss habe ich niemals mit ihm gehalten, darum kan er mir auch nichts anhaben, es wäre denn, dass ich ihm die ehemahls versprochenen 200. Tlr. geben müste, die kan er vielleicht kriegen, wenn er höflich ist, und weiter nichts. Bambo liebt mich doch als eine rechtschaffene Manns-person, nicht allein um meines Gutes, sondern um der person willen, ist er gleich ein bissgen liederlich, so caressirt er mich doch recht eiffrig; er muss viel vertun, ehe er meine jährlichen Interessen vertut, und kan sich auch wohl noch ändern, wenn ich ihm gute Worte gebe. Uber alles dieses hätte ich mir doch ein schwer Gewissen machen müssen