erzogen war, und ich mich erinnerte, dass es eben nicht ratsam sei, im Heiraten allezeit auf vieles Geld zu sehen. Allem Ansehen nach liebte sie mich recht von herzen, hatte aber doch einen Schalck im Nacken, denn, ungeachtet ihrer Jugend, war sie schon bemühet, sich im verbotenen liebes-Spiel zu exerciren. Eines Tages, da ihre Eltern verreiset waren, kam ich Mittags zu einer Stunde, da man sich meiner wohl am allerwenigsten vermutete, in ihr haus, fand aber die Jungfer nicht zu haus, sondern die Köchin sagte, sie würde unfehlbar zu einer benachbarten Jungfer Nähen gegangen sein, weil sie diesen Mittag bei Tische davon geredet; ging auch gleich fort, dieselbe zu ruffen, mitlerweile ich ein wenig hinter in Garten spatzieren sollte. Demnach war sonst niemand bei mir, als meiner Liebsten jüngster Bruder, ein Knabe von etwa 6. Jahren, welcher mich, weil ihn fast täglich mit Zukker-Werck, Gelde und andern Sachen beschenckte, sehr liebte. Dieser Knabe fing von freien Stücken an: "Ich weiss es wohl besser, wo meine Schwester ist, aber ich darff es nicht sagen, gehen sie nur in den Garten, sie wird bald auch hinein kommen." Ich gab dem Knaben ein Stück Geld, und bat, er sollte mir nur sagen, wo sie wäre, ich wolte ihn nicht verraten. Hierauf eröffnete er mir in kindischen und einfältigen Vertrauen, dass sie sich mit seines Herrn Vaters Schreiber, oben in dessen Cammer geschlichen und verschlossen hätte. Das war mir genug; demnach schickte ich den Knaben fort zum Zucker-Becker, ich aber schlich, noch ehe die Köchin wieder kam, ganz leise, ohne dass ich eine Maus verstöhren mögen, hinauf vor des Schreibers Cammer, weil ich im ganzen haus schon ziemlich Bescheid wuste. Zu meinem Glücke war ein grosses Taffel-Blat in der Ecke aufgelähnet, hinter welches ich mich steckte, und weil die Cammer nur mit Bretern verschlagen war, alles sehr genau hören konte, was darinnen vorging. An dem vielfältigen Seufzen, Stöhnen, Aechtzen und Rasseln des Bettes, konte man leicht abnehmen, dass ein paar Personen mit einander kämpfften, endlich wurde es etwas stiller, indem beide verschnaubten, doch bald darauf hörete ich, unter offt wiederholten Klatschen der Küsse, folgendes ganz leise Gespräch: Er, der Schreiber: Ach! mein allerliebstes Liessgen, ich dencke immer, es wird nun die längste Zeit mit unserer Liebe gewähret haben, wenn dich aber nun der Cammer-Diener Horn von mir gerissen hat, werden dir seine Caressen weit besser schmecken, und du wirst gar nicht mehr daran gedencken, dass ich nun bald drittehalb Jahr so manches Vergnügen mit dir gehabt habe. Sie, meine Liebste: Liebster Schatz! wenn du mir an meinen Bräutigam, Horn, gedenckest, möchte ich allezeit bitterlich weinen. Wolte der Himmel! dass ich nicht unter der Gewalt meiner Eltern stünde, so sollte nimmermehr ein anderer an meine Seite kommen, als Du, ich werde auch nimmermehr jemanden recht lieben können, als dich allein, denn die erste Liebe ist doch die hefftigste und beständigste, deswegen wird mir es mein zukünfftiger Mann nimmermehr so zu Dancke machen können, als wie du es mir nun, nicht allein seit drittalb Jahren, sondern noch länger her gemacht hast. Weist du nicht – – – Er: Ich weiss es wohl, aber damahls spieleten wir nur wie die Kinder, und nunmehr, da wir kaum recht klug geworden sind, werden wir auf ewig von einander gerissen. Sie: Das will ich nicht hoffen, mein Engel, bedencke doch: mein künfftiger Mann wird manchen Tag und manche liebe Nacht nicht zu haus sein, indem er bei seiner itzigen Bedienung auch gar öffters auf etliche Wochen verreisen muss, ich verspreche dir mit Hand und herzen, dich bei solcher schönen gelegenheit, allezeit heimlich zu mir und dir manchen schönen Taler zukommen zu lassen. Das 20. dukaten-Stücke aber, welches mir Horn geschenckt, und ich dir heute wieder geschenckt habe, must du ja behutsam verwechseln, damit es nicht offenbar wird. Lass dir gegen meine Hochzeit ein neues Kleid und andere schöne Sachen darvor machen, damit ich an meinem traurigen Ehren-Tage nur meine Freude an dir sehen kan. Er: Das soll alles geschehen, aber auch das würde meine gröste Freude auf der Welt sein, wenn du mir erlaubtest, deinem Horne in Geheim Hörner aufzusetzen, denn weil ich dem Kerle deinetwegen so gramm bin, als dem – – – so könnte ich mich nicht besser, als auf solche Art, an ihm rächen. Sie: Was ich dir versprochen habe, will ich redlich halten, unterdessen haben wir in diesen haus nur noch 5. Wochen Zeit, mit einander zu spielen, aber spiele mir ja nicht grob, damit – – – Er: Ach! das weist du ja schon, mein Hertzens-Engel, dass ich redlich bin, komm, ich will dir noch eine probe davon geben: Sie: Ach! du kanst ja wohl nicht mehr – trincken: Er: Das will ich dir zeigen, mein Schatz! und zwar auf Mons. Horns Ungesundheit.
Hiermit muste der liebes-Becher von frischen herhalten, und es ist leicht zu erachten, dass ich nicht allein dieser, sondern auch der angehörten empfindlichen Reden wegen zwar vielen Gifft eingeschlungen, aber doch, weil noch immer stille dabei gestanden,