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Flusses der sich Westwärts aus dem Felsen ins Meer ergoss, auf dem Sande viele Tiere, welche halb einem Hunde und halb einem Fische ähnlich sahen. Ich säumte mich nicht, die Klippe eiligst wieder herunter zu klettern, lief zu Mons. van Leuven, und sagte: Monsieur, wenn wir nicht eckel sein wollen, werden wir allhier auch nicht verhungern dürffen, denn ich habe eine grosse Menge Meer-Tiere entdeckt, welche mit Lust zu schiessen, so bald wir nur mit unsern Nachen über den Fluss gesetzt sind. Mons. Leuven sprang hurtig auf, nahm 2. wohlgeladene Flinten vor mich und sich, und eilete nebst mir zum Nachen, welchen wir loss machten, um die Klippe herum fuhren, und gerade zu, queer durch den Fluss hindurch setzen wolten; allein, hier hätte das gemeine Sprichwort: Eilen tut kein gut, besser beobachtet werden sollen; denn als wir mitten in den Strohm kamen, und ausser zweien kleinen Rudern nichts hatten, womit wir uns helffen konnten, führte die Schnelligkeit desselben den Nachen mit unserer grössten Lebens-Gefahr dermassen weit in die offenbare See hinein, dass alle Hoffnung verschwand, den geliebten Felsen jemahls wiederum zu erreichen.

Jedoch die Barmhertzigkeit des himmels hielt alle Kräffte des Windes und der Wellen gänzlich zurücke, daher wir endlich nach eingebrochener Nacht jenseit des Flusses an demjenigen Orte anländeten, wo ich die Meer-Tiere gesehen hatte. Wiewohl nun jetzt nichts mehr daselbst zu sehen, so waren wir doch froh genug, dass wir unser Leben gerettet hatten, setzten uns bei hellen Mondscheine auf eine kleine Klippe, und beratschlagten, auf was vor Art wiederum zu den Unserigen zu gelangen wäre. Doch weil kein anderer Weg als durch den Fluss, oder durch den vorigen Umschweiff zu erfinden, wurde die Wahl biss auf den morgenden Tag verschoben.

Immittelst, da unsere Augen beständig nach der See zu gerichtet waren, merckten wir etwa um Mitternachts-Zeit, dass etwas lebendiges aus dem wasser kam, und auf dem Sande herum wühlete, wie uns denn auch ein offt wiederholtes Blöcken versicherte, dass es eine Art von Meer-Tieren sein müsse. Wir begaben uns demnach von der Klippe herab, und gingen ihnen biss auf etwa 30. Schritt entgegen, sahen aber, dass sie nicht verweigerten, Stand zu halten, weswegen wir, um sie desto gewisser zu fassen, ihnen noch näher auf den Leib gingen, zu gleicher Zeit Feuer gaben, und 2. darvon glücklich erlegten, worauf die übrigen gross und kleine ganz langsam wieder in See gingen.

Früh Morgens besahen wir mit anbrechenden Tage unser Wildpret, und fanden selbiges ungemein niedlich, trugen beide Stück in den Nachen, getraueten aber doch nicht, ohne stärckere Bäume und bessere Ruder abzufahren, doch Mons. van Leuvens Liebe zu seiner Concordia überwand alle Schwürigkeiten, und da wir ohne dem alle Stunden, die allhier vorbei strichen, vor verlohren schätzten, befahlen wir uns der Barmhertzigkeit des Allmächtigen, setzten behertzt in den Strom, traffen aber doch dieses mahl das Gelencke etwas besser, und kamen nach Verlauff dreier Stunden ohnbeschädiget vor der Felsen Herberge an, weil der heutige Umschweiff nicht so weit als der gestrige, genommen war.

Concordia hatte die gestrigen Stunden in der grössten Bekümmerniss zugebracht, nachdem sie wahrgenommen, dass uns die strenge Flut so weit in die See getrieben, doch war sie um Mitternachts-Zeit durch den Knall unserer 2. Flinten, der sehr vernehmlich gewesen, ziemlich wieder getröstet worden, und hatte die ganze Nacht mit eiffrigen Gebet, um unsere glückliche Zurückkunfft, zugebracht, welches denn auch nebst dem unserigen von dem Himmel nach Wunsche erhöret worden.

Lemelie erkandte das mitgebrachte Wildpret sogleich vor ein paar See-Kälber, und versicherte, dass deren Fleisch besonders wohlschmeckend wäre, wie wir denn solches, nachdem wir die besten Stücken ausgeschnitten, gebraten, gekocht und gekostet hatten, als eine Wahrheit bekräfftigen mussten.

Dieser bisshero sehr faul gewesene Mensch liess sich nunmehr auch in die gedanken kommen, vor Lebens-Mittel zu sorgen, indem er aus etlichen aus Bretern geschnitzten Stäbigen 2. Angel-Ruten verfertigte, eine darvon der Concordia schenckte, und derselben zur Lust und Zeit-Vertreibe bei der Bucht das Fischen lernete. Mons. van Leuven und ich machten uns auch dergleichen, da ich aber sah, dass Concordia allein geschickt war, nur in einem Tage so viel Fische zu fangen, als wir in etlichen Tagen nicht verzehren konnten, liess ich diese vergebliche Arbeit bleiben, kletterte hergegen mit der Flinte an den Klippen herum, und schoss etliche Vögel mit ungewöhnlichgrossen Kröpffen herunter, welche zwar Fleisch genug an sich hatten, jedoch, da wir sie zugerichtet, sehr übel zu essen waren. Hergegen fand ich Abends beim Mondschein auf dem Sande etliche Schild-Kröten, vor deren erstaunlicher Grösse ich mich anfänglich scheuete, deswegen Mons. van Leuven und Lemelie herbei rieff, welcher letztere sogleich ausrieff: abermals ein schönes Wildpret gefunden! Monsieur Albert, ihr seid recht glücklich.

Wir hatten fast alle drei genug zu tun, ehe wir, auf des Lemelie Anweisung, dergleichen wunderbare Creatur umwenden und auf den rücken legen konnten. Mit anbrechenden Morgen wurde eine mittelmässige geschlachtet, Lemelie richtete dieselbe seiner Erfahrung nach appetitlich zu, und wir fanden hieran eine ausserordentlich angenehme Speise, an welcher sich sonderlich Concordia fast nicht satt essen konte. Doch da dieselbe nachher besondere Lust verspüren liess, ein Feder-Wildpret zu essen, welches besser als die Kropff-Vögel