Ihr bereits vor 14. Tagen von der Reise zurück gekommen und unglücklich gewesen seid. Hätte man mir solches mahligen Zustande auf der Stelle des Todes gewesen, weil, wie ihr schon überzeugt seid, ich euch mehr liebe, als mein eigenes Leben, und glaube, dass, wenn man es recht untersucht, sich finden wird, dass ich mit euch wegen der Sympatie, so sich zwischen unsern herzen und Seelen findet, zu einer Zeit und Stunde kranck worden bin. Jedoch, da man mir jetzt schmeichelt, dass Ihr halb wieder genesen, und euch schon an dem Fenster sehen lasset, stellen sich auch meine Kräffte allmählich ein, ja! wenn ich nicht von meiner Frau Muhme abgehalten würde, so wagte ich es, euch zu besuchen, es möchte mir auch gehen, wie es wolte. Jedoch, da solches nicht geschehen darff, wünsche ich desto sehnlicher eure vollkommene Genesung, damit ich, euch ehester Tages zu umarmen, das Vergnügen haben möge. Die ich mit aller beständigen Treue biss ins Grab beharre
Eure
Charlotte ...
Verfluchte Schlange! ist es denn doch dein würcklicher Ernst, mich zu betören? Nein, das soll nicht geschehen, sondern ich will dir bald andere gedanken beibringen. So gedachte ich bei mir selbst, liess aber der vor der Tür wartenden Magd sagen, dass sie, nebst meinem Compliment an ihre Jungfer, derselben lich zu antworten willens wäre. Dieses geschahe, denn ich nahm mein schreibe-Zeug, und setzte folgende Zeilen an dieselbe zur Antwort auf:
Madame!
Und wenn ich auch ihres Geschlechts wäre, so würde mich doch nicht überzeugt wissen, dass ich, vor ungefähr 3. Viertel-Jahren, so viel liebes-Confect eingenommen, mit ihnen per Sympatiam zu gleicher Zeit und Stunde kranck davon zu werden, und dem Publico einen bejammerns-würdigen Fündling hinsetzen zu lassen. Jedoch ich gratulire Ihnen zur glücklichen Niederkunfft, bedaure, dass sie mich etliche Wochen daher (wo es anders wahr ist) geliebt haben, und bitte, Sie wollen sich dessfalls keine fernere Mühe geben, weil ich, ungeachtet ich Ihrer Fruchtbarkeit schon im Voraus versichert bin, dennoch einen starcken Eckel bei mir verspüre, mit einem Frauenzimmer solches Schlages ins Ehe-Bette zu steigen. Meine Kranckheit ist so gefährlich nicht gewesen, sondern ich hätte Dieselbe gleich in der ersten Stunde nach meiner Zurückkunfft, ungeachtet es schon ziemlich späte war, unfehlbar besucht, befürchtete aber, die Wehen zurück zu treiben, und, weil ich mit dem amt der Hebe-Mütter nicht umzugehen weiss, etwa meinen Hut einzubüssen. Demnach ist nichts übrig, als dass den Verlöbniss-Ring, nebst andern Sachen, so Sie mir auf die Treue gegeben, zurück sende, auch was ich Ihnen dargegen gegeben, wieder abfordere, und beharre
Madame
vôtre obeissant Serviteur
P.W. Horn.
Es mochte aber doch noch zu frühzeitig gewesen sein, dem zarten Bilde dergleichen Schrecken zu machen, denn sie hat meinen Brief kaum gelesen, als sie in Ohnmacht sinckt, so, dass die Frau Muhme und Magd viel Mühe haben, sie wieder zu sich selbst zu bringen. Diese letztere gerät in den Verdacht, als ob sie sich durch Geschencke verleiten lassen, mir das geheimnis zu offenbahren, weil sie aber ihre Unschuld mit grausamen Eidschwüren bekräfftiget, erraten sie endlich fast die Wahrheit, wie ich nämlich im haus gewesen sein, und das ganze Spiel selbst mir angehöret haben müste. Eben dieses gestund ich der alten Frau Muhme, welche noch selbigen Abends selbst auf meine stube kam, ohne alles Bedencken ganz offenhertzig; gab derselben auch den Schlüssel zu ihrer Hinter-Tür, weil mir dieser nun nichts mehr nütze war. ungeachtet mir aber dieselbe meine der Charlotten geschenckte Sachen, von kleinesten biss lauten, dass ich wegen des vorgehabten Betrugs und bösen Streichs, den sie mir spielen wollen, meinen Hohn schon auf andere Art rächen wolte; weswegen die Alte Himmel-hoch bat, die unglückseelige Charlotte nicht weiter zu kräncken, und vor aller Welt auf eine dreifache Art zu prostituiren. Allein, ich stellte mich, als ob es mein würcklicher Ernst wäre, biss sie es endlich auf vielfältig wiederholtes Bitten so weit brachte, dass ich mir mit 500. Talern das Maul stopffen liess, und sie nicht zu beschimpffen, teuer angelobte. Hiermit hatte meine ganze liebes-Begebenheit mit Charlotten ein Ende, ich habe sie auch niemals wieder mit Augen gesehen, wohl aber vernommen, dass sie bald hernach weit hinweg gezogen, wegen unseres Verlöbniss aber muste es heissen, ich hätte ihr anfänglich versprochen, meinen Dienst bei Hose zu quittiren, und ein ander Amt anzunehmen, weil mich aber dieses nachher gereuet, und ich nicht Wort gehalten, so hätte sie auch nicht Wort halten wollen, demnach wären wir in Streit geraten, und hätten einander den ganzen Handel aufgesagt. Alle Menschen glaubten dieses, und kein eintziges wäre auf die gedanken geraten, dass die von aussen so keusch, züchtig, fromm und Gottesfürchtig scheinende Charlotte ein Jungfer-Kindgen bekommen, und dasselbe wegsetzen lassen.
Kaum waren mir die verdrüsslichen Grillen wegen dieser unglückseligen liebes-Begebenheit aus dem Kopffe gekommen, als ich mich von frischen in eine 16. jährige schöne Jungfrau verliebte, die zwar von vornehmen Eltern erzeugt war, jedoch kaum 4. biss 500. Tlr. im Vermögen hatte, wiewohl mich dieses letztere gar nicht abschreckte, mit derselben eine vergnügte Ehe zu führen, indem sie sehr wohl