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Heirat zu treffen, und mein Capital, welches, ohne die Meublen, annoch in 3000. Tlr. bestunde, nebst den zu hoffen habenden Heirats-Geldern, an ein eigen haus, Feld und dergleichen zu legen, auch sonsten etwa einen vorteilhafften Verkehr anzufangen. So bald meine kaum aufgekäumten guten Freunde dieses merckten, schlugen sie mir verschiedene Partieen von Jungfern und Wittfrauen von 2. 3. 4. 5. biss 10000. Tlr. reich, vor, allein, wenn ich es bei dieser oder jener recht untersuchte, so war überall ein Nisi darbei. Endlich fiel mir ungefähr ein Frauenzimmer in die Augen, welche, weil ich hörete, dass sie noch ungebunden wäre, mein Hertz auf einmal ganz besonders an sich zohe, denn sie war, wiewohl etwas stark und fett von leib und gesicht, aber sehr proportionirlich gestaltet, und überhaupt mit einer schönen und zarten Haut überzogen. Bei fernerer Erkundigung, dieser person wegen, erfuhr ich: dass sie zwar keine Eltern mehr, aber doch 4000. Tlr. baares Geld auf Zinsen aussen stehen hätte, bei ihrer seeligen Mutter Schwester als eine Tochter im haus gehalten, und dermahleins auch noch etwas von derselben erben würde. Ferner sagte man mir, dass, ungeachtet sie kaum 20. Jahr alt, doch schon mehr als noch einmal so viel Freier bei ihr gewesen, worunter einige in grossen Aemtern sässen, allein, sie wolte durchaus nicht ehe heiraten, biss sich einer fände, den sie rechtschaffen lieben könnte, er möchte reich oder arm, auch nur mittelmässigen Standes sein, wenn er nur etwas zu erwerben vermögend, damit sie ihr vergnügliches Auskommen, eine liebreiche Ehe und keine Schande von ihm haben möchte. Ubrigens wäre sie sehr stilles Gemüts, eine Feindin der Wollust und des überflüssigen staates, versäumete hingegen fast keine eintzige Kirche.

Das wäre ein Weibgen vor mich; (gedachte ich in meinem herzen, als man mir dieses sagte, und an einigen Orten confirmirte) deswegen suchte alle gelegenheit, diese Schöne zu sprechen zu kriegen, allein, es hielt schwer, und noch schwerer auszuforschen, ob ihr meine person zum Ehe-mann anständig, am allerschwersten aber ging es zu, sie biss dahin zu bringen, dass sie sich ordentlich und öffentlich mit mir verlobte; unsere Hochzeit aber muste ein und anderer wichtiger Umstände wegen noch etwa auf ein Viertel Jahr hinaus verschoben werden. Jedoch, gleich nachdem das Verlöbniss gewesen, gönnete mir die alte Frau Muhme etwas mehr als sonsten Freiheit, meine Liebste zu besuchen, ausgenommen, wenn ich etwas spät vom schloss kam, wolte sie mich durchaus nicht zu ihr einlassen. Endlich liess sich meine Liebste, welche ihre eigene stube und Cammer hatte, dahin erbitten, dass sie mir einen Nach-Schlüssel zur Hinter-Tür des Hauses machen liess, da ich denn im Stalle erstlich zwei Treppen hoch in die Höhe steigen, über einen langen Boden hin- und so dann erstlich wieder eine Treppe herunter schleichen muste, ehe ich in ihre stube kommen konte. Solchergestalt passirete ich manche nächtliche Stunde mit meiner Liebste in Geheim, muss aber gestehen, dass sie sich gegen mich ungemein keusch und tugendhafft stellte, indem sie mir, ausser den Küssen, nicht die allergeringste liebes-Freiheit erlaubte, auch sich hoch verschwur, bei dieser Art zu verbleiben, biss wir würcklich mit einander copulirt wären. deswegen verschonete ich dieselbe mit fernern Versuchungen, und gratulirte mich im herzen, dass ich eine solche keusche und züchtige Liebste hätte. Eines Tages befahl mir mein Herr, mich zu einer Reise anzuschicken, von welcher ich vielleicht in 2. biss 3. Wochen nicht wieder zurück kommen möchte, deswegen nahm ich mit allem Fleisse auf 4. Wochen von meiner Liebste Abschied, um, meiner Meinung nach, ihre Freude zu vergrössern, wenn ich unvermutet zeitiger zurück käme, allein, meine Verrichtungen lieffen dergestalt glücklich, dass ich schon in der zwölfften Nacht, jedoch ziemlich späte, zurück kam, denn es war nicht anders, als wenn mich ein starcker Wind fort triebe, welches ich der hefftigen Liebe zu meiner Braut Schuld gab, auch keine Minute versäumete, ihr selbst die erste Nachricht von meiner glücklichen Zurückkunfft zu bringen. Nachdem ich aber die Hinter-Tür geöffnet, und, nach der Treppe zu schleichen wolte, sah ich, dass 2. Weibs-Personen, mit einer Laterne auf den Stall zugegangen kamen, weswegen ich eilete, und mich in der Geschwindigkeit hinter die halb mit Bretern verschlagene Boden-Treppe verkroch, auch sehr bewunderte, was diese noch so späte allhier zu suchen hätten, da ich sonsten um selbige Zeit, niemals einen Menschen mehr munter gefunden, als meine Liebste ganz alleine. Indem kam die Magd mit der Laterne, ingleichen eine Frau, die etwas unter dem Mantel hatte, in den Stall getreten, welche letztere, da sie beide an die Hinter-Tür kamen, ganz leise zu sprechen anfing: "Gertrute! wartet, und leuchtet her, ich muss erstlich noch einmal darnach sehen." Hiermit setzte die Frau einen unter dem Mantel habenden Hebe-Korb auf den Boden, nahm ein darüber gedecktes Tuch ab, mitin konte ich zwischen den Bretern hindurch sehen, dass ein kleines, allem Ansehen nach, neugebohrnes Kind in dem Korbe lag, von welchem die Frau sprach: "Ach! das kleine Würmchen schläfft sanffte, es würde mich ewig jammern, wenn es umkommen sollte, denn es siehet gar zu schön