zwang mich, mit vielen liebreichen Worten und andern Gnaden-Bezeugungen, dahin, dass ich in drei Abenden nach einander, einen ausführlichen Bericht von meines seeligen Herrn Reisen und begebenheiten abstatten muste; wie denn dieser besonders gnädige Herr versprach, solches alles bei sich zu behalten. Es beschenckte mich derselbe hierauf mit drei güldenen Medaillen, so zusammen 65. dukaten wugen, und liess mir durch seinen Ober-Hofmeister eine Cammer-Diener-Stelle bei ihm antragen. Ich resolvirte mich kurz, dieselbe anzunehmen, indem mir, ausser den starcken Accidentien, eine gute Besoldung versprochen wurde, jedoch bat ich mir vorher aus, auf etliche Wochen in meinen Affairen zu verreisen, welches mir der LandesHerr gnädigst erlaubte. Die erste Reise, so ich tat, ging nicht weiter als zu meinem ältesten Bruder, der in dem haus, wo ich gebohren worden, Wirtschafft trieb, und seinen Förster-Dienst besorgte. Er hatte geheiratet, aber, leider! (das GOTT zu erbarmen) ein fräulein Mägdgen vom hof, welche von ihrem fräulein eine starcke Mitgifft von Teé- und Coffeé-Kannen, Schälchen, Löffelchen, und dergleichen Tänteleien und Löffeleien bekommen hatte. Von dem sauber gestickten Knöppel-Küssen, Bildern, â la mode Bette, propren Stühlen (deren aber, mit einem verunglückten, nur 6. waren) und dergleichen will ich nichts gedencken, weil ich solche Sachen nach ihrem inneren Wert, mir nicht zu taxiren getraue. Mir aber schien es hell und klar in die Augen, dass mein Bruder einen abgenutzten Affen, fœminini generis, oder ein solches Frauenzimmer zur Frau bekommen hatte, die sich zwar sehr wohl an den Tisch und ins Bette, aber desto schlechter zu seiner Oeconomie schickte, und wie es sonsten um seine Schwagerschafft gehalten, darum habe mich mit allem Fleisse nicht erkundigen wollen. genug, ich spürete an ihm, dass er die NachWehen einer unglückseeligen Heirat, mehr als zu sehr im Kopffe fühlete. Seinen Kummer auf einige Zeit zu vertreiben, schenckte ich ihm verschiedene feine Sachen von ziemlichen Wert, seiner Frauen aber, um ihre Galanterie vollkommen zu machen, eine Italiänische Uhr und Tabatiere. Von meinem Vater, konte mir dieser mein ältester Bruder so viel Nachricht geben, dass derselbe gleich nach dem gehabten Unglücke in ein Römisch-Catolisches Ländgen geflüchtet, sich daselbst in ein Hospital gekaufft, wo er gut Essen und Trincken, auch gute Verpflegung gehabt, daher von seinen Kindern nichts verlanget, sondern denselben noch etliche 30. Tlr. zurück geschickt; es wäre aber derselbe vor ungefähr zwei Jahren gestorben. Mein jüngster Bruder hätte durch Vorschub guter Leute studiret, aber nur biss an den Hals, indem er sich auf Universitäten, in der besten Zeit, auf die faule Seite gelegt, und die Stipendia, so er verstudiren sollen, durch die Gurgel gejagt, jedoch sässe derselbe voritzo ganz wohl, indem er in der nächsten Stadt eine gebrechliche Wittbe geheiratet, die ihm einen Secretarien-Titul gekaufft, nur dass sie mit solcher Manier sich auch in vornehmer Tracht sehen lassen dürffte. Endlich erfuhr ich, dass meine älteste Schwester als Vieh-Magd, und die jüngste als Mädgen auf einem Edel-hof dieneten. Diese beiden letzteren jammerten mich am meisten, weswegen ich ihnen einen Boten schickte, und sie zu mir ruffen liess. Es war in Wahrheit Schade, dass diese beiden armen Tiere bisshero so verächtlich leben müssen, denn sie sahen nicht hässlich aus, deswegen befahl ich ihnen, sich so bald, als möglich, Dienst-loss zu machen, gab einer jeden 50. Tlr. davor sie sich saubere Bürgerliche Kleider anschaffen, und in der nächsten Stadt bei guten Leuten in die Kost verdingen sollten, biss sich anständige Männer vor sie fänden, da ich denn einer jeden 300. Tlr. zur Ausstattung zu geben, auch mitlerweile das Kost-Geld und andere Bedürffnisse zu zahlen versprach. Man kan leicht erachten, dass beide hierüber ungemein froh gewesen, und es währete nicht lange, so heiratete die Aelteste einen Bader, und die Jüngste einen Gewürtz-Cramer, empfingen auch von mir die versprochenen Ehe-Gelder. Weil ich aber doch auch meinen jüngsten Bruder gern sehen und sprechen wolte, reisete ich zu ihm, traff ihn aber nicht als einen Gelehrten, sondern als einen schmutzigen Brau-Knecht an, jedoch er warff sich bald in weisse Wäsche und in einen seidenen Schlaff-Rock, und empfing mich nunmehr erstlich recht brüderlich, dergleichen die Frau Schwägerin auch tat, jedoch ihre Freundlichkeit nachher erstlich recht blicken liess, da ich einige Italiänische Sachen von nicht geringen Werte zum Geschencke überreichte. Dieserwegen eröffnete sich nun ihr holdseeliger Mund dergestalt, dass, wenn man hinein sah, man sich die Rudera eines abgebrandten Dorffs ganz eigentlich vorstellen konte, weil sie sich die Cronen von den Zähnen fast alle abgebissen, jedoch, wie ich nachher gewahr wurde, noch ziemlich keiffen konte. Ich hielt mich, weil ich meine Schwestern, mir Antwort dahin zu bringen, bestellet hatte, etliche Tage bei meinem Bruder auf, und wurde von ihm und seiner Frauen ganz wohl tractiret; allein, da ich kaum 3. oder 4. Tage da gewesen, hörete ich, wenn ich nur den rücken gewendet, dass sie sich, um der geringsten Ursache willen, aufs hefftigste mit einander zanckten, hergegen konte das alte Murmel-Tier, so bald jemand dazu kam, so freundlich tun, als ein Ohr Wurm, und ihrem mann