Verlusts beklagt, diese Worte ausgestossen: Die drittehalb tausend dukaten gönne ich dem Deutschen gerne, weil ihm das Glücke in aufrichtigen Spiele günstiger gewesen als mir, allein, wenn er mir, wie unter der Hand verlauten will, an einem gewissen Orte ins Gehäge gehet, und ich ihn attrappire, so kostet es einem unter uns beiden das Leben. Ein anderer Cavalier hatte den jungen Duc gewarnet und gesagt, dass mein Herr ein wohl exercirter Fechter sei, auch, wie man vernommen, vor einiger Zeit einen geschickten Frantzösischen Marquis, ohnweit Geneve, erstochen; der Duc aber hatte darauf geantworttet: "Wohlan! so wird es mir eine desto grössere Ehre sein, wenn ich ihm was anhabe, und zugleich meinen erstochenen LandsMann rächen kan." Mein Herr lächelte, als man ihm dieses vorbrachte, und sagte: "Ich weiss noch nicht, wo der Gelb-Schnabel sein Gehäge hat, sonsten wolte aus Erbarmung und Eckel selbiges vermeiden, indem ich, ohne allen Schertz, viel Commiseration mit seiner Schwachheit habe, wünsche im übrigen, dass er andere gedanken bekommen, und meine Gesellschafft meiden möge." Von der Zeit fing mein Herr selbst an, zwar die Gesellschafft des Duc, nicht aber der Kauffmanns Frau zu meiden, sondern schlich so lange nach derselben, biss er von jenem auf dem fahlen Pferde attrapiret und rencontriret wurde. Der Duc bekömmt etliche Hiebe über den Kopff und rechten Arm, welche ihm aber weder Kranckheit noch Lähmung verursachten, weswegen er meinem Herrn ein Cartell zuschickte, und wegen dieser Blessuren, die er, seinem Vorgeben nach, unredlicher Weise empfangen, sehr gestrenge Satisfaction forderte. Mein Herr liess ihm zurück melden, dass, ungeachtet er gesonnen gewesen, binnen wenig Tagen nach Deutschland aufzubrechen, er doch nunmehr biss zu des Duc Wiedergenesung in Mayland verbleiben wolte, anbei wünschte, dass selbige bald erfolgen möchte.
Etliche Tage hernach, da mein Herr verschiedene Cavaliers, auf seinem Zimmer tractirte, liess sich in einem Gast-haus gegen über eine vortreffliche Vocal- und Instrumental-Music hören, weswegen immer eine Partei von unsern Gästen nach der andern in die Fenster traten, und darauf merckten. Mein Herr stunde hinter 2. Cavaliers, welche sich zum Fenster hinaus bückten, und ehe man sichs versahe, hörete man einen Platz und Erschütterung des FensterRahmens, mein Herr aber fiel zu gleicher Zeit rückwärts zu Boden, und es lief ihm aus einer an der Stirn habenden Wunde das Blut über das gesicht herab. Unterdessen, als man beschäfftiget war, denselben aus der Ohnmacht zu reissen, kam ein erfahrner Chirurgus, welcher ihm eine Ader öffnete, und nachher bei Untersuchung der Wunde eine Blei-Kugel in dem Stirn-Beine steckend fand. Ob nun schon dieselbe mit grosser Mühe heraus gebracht und sonsten alles zu seiner Lebens-Erhaltung angewendet wurde; so merckte doch ein jeder bald, dass ihm diese Blessur den tot verursachen würde, denn er lag ohne Verstand mit halb eröffneten Augen beständig als in einem tieffen Schlaffe, holete aber doch stark Atem darinnen. Aller Anwesenden Urteile nach, war die Mord Kugel aus einer Wind-Büchse, und zwar etwa durch ein Dach-Fenster des gegen über liegenden Gast-Hauses herab geschossen worden, und würde unfehlbar meinem Herrn biss ins Gehirne eingedrungen sein, wenn sie nicht vorher ein Stück vom Fenster-Rahmen hinweg genommen, mitin sich ermattet gehabt. Es wurde bei dem Gast-Wirte eine scharffe Nachfrage angestellet, jedoch nichts heraus gebracht, denn dieser gestund zwar, dass seit etlichen Tagen einige fremde Personen in seinem obersten StockWerck logirt, da sie ihn aber das Logis voraus bezahlt, hätte er sich um ihren Ausgang nicht bekümmert, jedoch kein Schiess Gewehr, viel weniger eine Wind-Büchse bei ihnen gesehen. Das war es alles, was man des Täters wegen erfahren konte, demnach muste mein Herr behalten, was er hatte, ausgenommen das Leben. Doch ehe er dieses einbüssete, kam in der 4ten Nacht nach der empfangenen Blessur sein Verstand auf einmal plötzlich wieder, und blieb ganzer 8. Stunden bei ihm, weswegen die Aertzte, und sonderlich wir, seine Bedienten, sehr freudig wurden, allein, er sagte ganz hertzhafft: Kehret euch an nichts, denn es ist nichts gewissers, als dass ich sterbe.
Hierauf befahl er mir, einen Protestantischen Geistlichen, welchen zwei junge Deutsche baron unter dem Titul eines Gouverneurs bei sich hatten, zu ruffen. Dieser unterredete sich über zwei ganzer Stunden lang mit ihm, reichte ihm auch nachher in meinem Beisein das Heilige Abendmahl. Hierauf liess er 2. nicht weit von ihm wohnende Deutsche Cavaliers ruffen, bat dieselben, seine Disposition, die er schon ehedem, auf einen solchen plötzlichen Fall gemacht, mit seinem, ihren und des Geistlichen Petschafften zu versiegeln, und den Tag, da dieses, seinem Willen gemäss, geschehen, nebst ihren Nahmens darauf zu notiren. Auch mussten dieselben verschiedene Kasten mit seinen und ihren Petschafften versiegeln, und dieserwegen eine Schrifft in meine hände liefern. Hernach beschenckte er seine Bedienten reichlich, ehe er aber an mich kam, vergingen ihm die gedanken, und er lag abermals ganzer 28. Stunden, ehe er sich wieder besinnen konte. Dieses letztere geschahe Morgens früh, eben da die vorigen Freunde wieder bei ihm waren, und seine erste Rede war: Wo ist mein Willhelm? Ich trat mit weinenden Augen zu ihm; er aber sprach: Gib dich zufrieden, einmal muss ich doch sterben,