viele Nacht in seinem Bette bei sich behalten etc. etc. Eben diese seine Untreue nun habe ihr die bissherige schwere Kranckheit zugezogen, an statt aber ihrentwegen bekümmert zu sein, wäre er immer ungetreuer und lasterhaffter worden, weswegen sie ihn von nun an nimmermehr wieder mit Augen zu sehen wünschte, u.s.f."
Dergleichen tröstliche Worte schlugen meines Herrn Mut gänzlich darnieder, indem er sich in allen Stücken getroffen befand; er schickte zwar durch mich eine Entschuldigungs- und Submissions-Schrifft an die Marquise, allein, sie wolte selbige nicht annehmen, sondern sprach: Ich sollte meinem Herrn nur mündlich sagen, dass sie weiter mit ihm nichts zu tun hätte, auch, so lange er in Paris wäre, alle gelegenheit vermeiden würde, von ihm gesehen zu werden.
Uber dieses Compliment schien er vollends ganz Trost-loss und aller Hoffnung beraubt zu sein, doch fing diese wiederum ein wenig an zu käumen, als ihm noch selbiges Abends, von einer unbekandten person, ein Billet mit folgenden Zeilen eingehändiget wurde:
Monseigneur!
Ich zweiffele nicht, dass euch der Eigensinn meiner gebietenden Frauen einigen Kummer werde verursacht haben, allein, weil ich nicht glaube, dass ihr so viel gesündiget habt, als man euch Schuld gibt; so will ich euch ein geheimnis eröffnen, vermittelst dessen ihr, wo euch anders etwas daran gelegen, bald wieder in vorigen Credit gesetzt werden könnet. Weil ich aber nicht weit von ihr gehen darff, so erwarte euch auf ein kurtzes Gespräch diese Nacht punctuell um 11. Uhr an der Hinter-Tür unseres Pallasts, als
Eure
gehorsamste Dienerin
Lucretia.
Mein Herr machte sich fertig zu diesen nächtlichen Spatzier-Gange, nahm auch den Jäger und einen ReutKnecht, die Pistolen und Pallasche bei sich hatten, mit sich, und befahl, ihm immer auf etliche 20. Schritte nachzufolgen, wenn er aber stehen bliebe, auch auf ihrer Stelle stehen zu bleiben. Er kommt glücklich an die Hinter-Tür des Marquisischen Pallasts, dieselbe öffnet sich punctuell um 11. Uhr, es kommt ein Frauenzimmer heraus auf die oberste Stuffe getreten, und winckt ihm, so viel er in der Demmerung erkennen kan, näher zu kommen; so bald er aber bei ihr ist, stösst sie ihn mit einem Dolche dergestalt hefftig auf die Brust, dass er zurück prallen muss, zu gleicher Zeit springt sie zurück, und schlägt ihm die Tür vor der Nase zu.
Mein Herr hebt den Dolch, welcher ihm vor die Füsse gefallen, auf, kam nach haus, und erzählte, was ihm begegnet war, wolte auch anfänglich nicht viel Wesens aus der Wunde machen, allein, weil der Stich recht durch den Brust-Knochen ging, und der Dolch, allem Vermuten nach, vergifftet gewesen, geriet dieselbe dergestalt übel, dass er bei nahe seinen Geist aufgegeben, denn der ganze Halss und Brust war dergestalt verschwollen, dass er kaum noch ein wenig Atem holen konte. Jedoch nach 5. Wochen fing es sich endlich zu bessern an, so, dass er wieder im Zimmer herum gehen konte, indem er sich aber nicht einbildete, dass der Marquis von der Historie, so zwischen ihm und der Marquise passirt, die geringste Wissenschafft haben würde, nahm es ihm Wunder, dass er keine Visite von demselben bekommen, er erfuhr aber zufälliger Weise, dass der Marquis in Königl. Affairen verreiset sei. Des tages darauf, als er sich wiederum in die freie Lufft begeben, brachte ein fremder Laquei einen Brief, welchen ich, weil mein Herr denselben auf seinen Schreibe-Tische liegen lassen, also gesetzt befand:
Ungetreuer!
Nicht die Lucretia, sondern ich selbst habe euch bestellet, um mich zu rächen, einen Dolch zu euer lasterhafftes und meineidiges Hertze zu stossen, bin aber, wie ich mercke, zu schwach gewesen, diesem Werckzeuge meiner gerechten Rache, gnugsamen Nachdruck zu geben. Jedoch ich getröste mich dessen, dass bald eine stärckere Faust über euch kommen soll, denn es wird nicht eher wieder vergnügt leben, biss da weiss, dass ihr in die andere Welt geschickt seid,
Die
deren getreuer Liebe ihr niemals
würdig gewesen.
Nun ist es Zeit, (sprach mein Herr, nachdem er diese Zeilen gelesen, zu dem Cammer-Diener:) dass ich Paris verlasse, machet deswegen Anstalt, dass wir je ehe je lieber nach dem Turinischen hof aufbrechen. Der Cammer-Diener, welcher nunmehr mit Missvergnügen sah, dass seine Propheceiung mehr als zu zeitig eingetroffen, liess an seinem Fleisse nichts ermangeln, deswegen brachen wir, nachdem mein Herr von seinen besten Freunden, unter einem ganz andern Vorwande, kurtzen Abschied genommen, eiligst auf, und nahmen unsern Weg mit kurtzen TageReisen auf Troyes zu, wo wir die Bagage noch antraffen, dieselbe aber voraus gehen liessen, weil mein Herr gesonnen war, einige Tage hieselbst auszuruhen; allein, seine Ruhe währete nicht lange, denn gleich andern Tages gegen Abend kam ein Cavalier, welcher ihm vom Marquis von R. ein Billet, folgendes Inhalts, überbrachte: Ihr habt eure Parole, wegen Verschweigung eines gewissen Geheimnisses, nicht als ein rechtschaffener Cavalier, sondern als ein – – – – gehalten, deswegen bin ich euch, so bald ich solches erfahren, auf dem fuss nachgefolget, um euch den offerirten letzten Bluts-Tropffen zur Satisfaction mit meinem Degen abzufordern. Uberbringer dieses mein Beistand hat von mir Vollmacht, wegen Zeit und Orts, Abrede mit euch zu nehmen