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denen er zu kostbar gewesen, von sich gelassen, und ritt auf demselben, um ihn recht zu probiren, mit dem Marquis und etlichen andern Cavaliers spatzieren; weil nun dieser Hengst von allen, und sonderlich von dem Marquis, sehr gelobet worden, wurde dem letzteren gleich folgendes Tages ein Præsent damit gemacht, er nahm das Pferd mit Freuden an, schickte aber meinem Herrn dagegen einen neuen Wagen zurück, der mehr als noch einmal so viel wert war. Ingleichen übersandte mein Herr eines Tages der Marquise, durch mich, sein, mit kostbaren Steinen besetztes, und in einer guldenen Capsel liegendes Bildniss, vor welches ich 4. Louis d'or Boten-Lohn bekam, mein Herr aber empfing dargegen das Ihrige, welches 3. mahl teurer, als das Seinige, taxiret wurde, auch hat er lange hernach bekannt, dass ihm diese Dame aus grosser Liebe, vor mehr als 15000. Tlr. Jubelen und andere Kostbarkeiten geschenckt, von ihm aber wenig kostbare Sachen, sondern nur ein und anderes von geringen Wert zum Angedencken annehmen wollen. Am bestimten Tage gab mein Herr einen fast Fürstlichen Ball an die vornehmsten Cavaliers und Dames, deren sich eine gewaltige Menge einstelleten, weswegen sehr viele bei den gedanken verblieben, dass er eines höhern Standes sein müsse, als er sich ausgäbe, da sah man nun die Marquise in ihrer vollkommenen Schönheit, mein Herr begegnete ihr aber nicht als seiner Liebhaberin, sondern als einer grossen Printzessin, und der Marquis war beständig lustig und guter Dinge, man konte jedoch nicht mercken, welches seine Amasia wäre, indem er mit sehr vielen Damen ganz vertraulich umging, um die eigene Frau aber sich wenig bekümmerte. Mit anbrechenden Tage, wurden wir unsere Gäste erstlich loss, und dergleichen herrliches Leben wurde bald hier, bald dar fortgesetzt, ausser der Zeit aber konte man meinen Herrn nirgends eher als bei der Marquise antreffen, indem er zuweilen 3. biss 4. Tage und Nächte in ihrer Behausung blieb, biss sie endlich mit einem jungen Sohne darnieder kam. Man hörete, dass der Marquis ungemein erfreut über die Ankunfft dieses Stammhalters wäre, und er stellte dieserwegen ein Festin an, welches 3. Tage währete, wobei mein Herr, als ein erbetener Tauff-Zeuge, auch erschien. Nach vollendeten 6. Wochen, hatte die Marquise vorgegeben, als ob sie in ein Bad reisen wolte, allein, sie kam folgenden Morgens nach ihrer Abreise, früh vor Tage, in unsern Logis, nebst ihrer Vertrauten, in Manns-Kleidern an, und mein Herr, welcher die ganze Nacht auf sie gehofft, emfing sie mit ausserordentlichen Freuden. Demnach währete ihre besondere Bade-Cur in einem à parten Zimmer unseres Logis, 4. ganzer Wochen, binnen welcher Zeit sich mein Herr stellte, als ob er den Arm angeschellert hätte, und denselben mit vielen Binden umwickeln liess, so offt er merckte, dass er eine Visite bekommen würde, wie ihn denn verschiedene Cavaliers, und sonderlich der Marquis, etliche mahl besuchten. Ausserdem passirte er der Marquise beständig die Zeit, biss sie sich wieder gesegnetes Leibes befunden hatte, setzte sich so dann eines Morgens mit beiden in einen zugemachten Wagen, und brachte sie an beliebigen Ort und Stelle. Zwei Tage hernach erfuhr man, dass die Marquise aus dem Bade wiederum glücklich in ihrer wohnung angekommen wäre, weswegen mein Herr so gleich und fernerhin fast täglich seine Visite bei ihr ablegte. Endlich wurde die Marquise von einer schweren Kranckheit überfallen, da er denn wegen der vielen Dames, so stündlich um sie gewesen, sich Wohlstandes halber gemüssiget gesehen, seine Visiten einzustellen, allein, weil ihm die Zeit biss zu ihrer Genesung etwas zu lange zu werden begunte, merckte man bald, dass er nach andern Courroisieen herum schlich, und endlich, was das schlimste war, so ver liebte er sich in eine geschminckte Operistin, ungeachtet er wohl nachdencken können, dass dieses falsche und betrügliche Waare wäre. Diese hatte er bald gewöhnet, dass sie auf erhaltene Ordre, sich so gleich einstellete, und viele Nächte bei ihm passirete, dargegen aber starcke Sportuln von ihm ziehen mochte. Solches Leben währete, biss man hörete, dass die Marquise besser wäre, und wiederum in ihrem Zimmer herum gehen könnte, da aber mein Herr zu derselben hinschickte, und vernehmen liess, ob, und um welche Stunde es ihr gelegen, dass er zu ihr kommen, und die Gratulation wegen ihrer Genesung abstatten dürffte, schickte sie einen Brief zurücke, worin sie ihm vorwarff: "Wie er sich würde zu erinnern wissen, dass sie ihn mit der Condition zu ihren Amanten angenommen, wenigstens so lange, als er in Paris sich aufhalten würde, kein ander Frauenzimmer, als sie allein, zu caressiren, weil sie im Lieben ungemein eigensinnig und eckel wäre, er hätte ihr solches gleich anfänglich bei Wechselung der Ringe heilig zugeschworen, jedoch vor weniger Zeit hätte sie erfahren müssen, dass er nicht allein während ihrer 6. Wochen, sondern auch nach der Zeit, da sie 4. Wochen lang bei ihm in seinen Logis gewesen, und ihre allergetreuste Liebe sattsam zu erkennen gegeben, verschiedene Dames von geringern stand worunter einige die von der Courtoisie recht Profession machten, eiffrig caressiret, über alles dieses aber, einer lüderlichen SchandMetze, nämlich einer Operistin, den ersten Ring, welchen sie ihn vor den Seinigen zum Gedenck-Zeichen der Treue, selbsten an den Finger gesteckt, ohne Bedencken hingegeben, auch Dieselbe