diese Stunde ohnmöglich. In der tieffen Trauer, welche meine Frau in Geheim, des Vicomte wegen, über ein halbes Jahr lang geführt, habe ich sie nie gestöhret, und sah gern, dass sie hernach wieder anfing, ein und andere Gesellschafft zu suchen. Endlich vor etlichen Wochen habt ihr, mein Herr! den Schlüssel zu ihrem herzen gefunden, und euch in den Platz des Vicomte gesetzt, denn ich habe so gleich von Anfange eurer Liebe an, sichere Nachricht davon gehabt, und weiss wohl, dass die heutige geheime Zusammenkunfft nicht die erste ist, in welcher ich euch in Wahrheit nicht gestöhret haben würde, wenn mir nicht, schon gemeldter Ursachen wegen, die Lust angekommen wäre, meiner Frauen zu zeigen, dass auch die klügsten Weiber von ihren Männern betrappelt werden können. Vergebet mir, dass ich euch einen so hefftigen Schrecken eingejagt, denn es ist mein Ernst nicht gewesen, euch Leides zuzufügen, vielweniger eine Summe Geldes von euch zu pressen, wie nur neulichst ein Geitz-Halss allhier, bei eben dergleichen Begebenheit getan. Ihr behaltet dieserwegen den freien Aus- und Eingang in mein haus nach wie vor, und habt nicht ursache, euch vor mir zu fürchten, denn es wäre bei so gestalten Sachen, da vielleicht ich und meine Frau bezaubert sein, die gröste Unbilligkeit, wenn ich über sie tyrannisiren, und ihr nicht eben das Vergnügen, so ich anderwerts geniesse, vergönnen wolte. Allein, dieses eintzige, mein Herr, bitte ich mir von euch aus, dass ihr von allen dem, was vorgegangen ist, und etwa noch vorgehen möchte, ingleichen von meiner ganzen Erzählung, reinen Mund haltet, widrigenfalls ist unsere Freundschafft auf einmal aus, auch hoffe, ihr werdet von selbsten so raisonnable sein, und euch in Compagnie gegen diese Dame nicht allzu frei aufführen, denn, weil ich in meinem 5. jährigen Ehestande, des Vicomte wegen, von keinem eintzigen Menschen railliret worden, so würde mich solches, wenn es in Zukunfft eurentwegen geschehen sollte, zu andern Entschliessungen bringen, anbei werden alle Cavalier, so mich kennen, mir das zeugnis geben, dass ich mich vor Degen und Pistolen niemals gefürchtet habe. Nun saget mir, Madame! (fuhr der Marquis fort, indem er sich zu seiner Frau wendete) ob ihr in meiner ganzen Erzählung etwas angemerckt, so wider die Wahrheit lieffe? Nein, mein Herr! (antwortete sie,) ich müste nicht so redlich und aufrichtig sein, als ihr, wenn ich dieses sagen wolte, es ist demnach zu bejammern, dass, wie ihr selbsten glaubt, wir beide bezaubert sein, doch ist bei unsern Malheur annoch das gröste Glück, dass wir in gewissen Stücken noch einerlei Sinn haben. Hierauf wandte er sich zu mir, und fragte: Habt ihr wohl, mein Herr! Zeit-Lebens dergleichen besondere begebenheiten gehöret? Nein, versicherte ich, sondern ich halte dieselbe vor ein unerhörtes Wunder, werde solches in meinem herzen vergraben halten, und biss auf den letzten Bluts-Tropffen zeigen, dass ich nichts höher als Dero Generositée und Freundschafft æstimire, und solche mit schuldigster Danckbarkeit zu erkennen alle gelegenheit suchen. Nach diesen schwatzten wir alle drei, als die vertrautesten Freunde, von allerhand indifferenten Dingen, und fuhren mit Untergang der Sonnen zurück in des Marquis wohnung, wo ich die Abend-Mahlzeit eingenommen, mit den beiden Bewundernswürdigen Ehe-Leuten noch ein paar Stunden l'Ombre gespielet, und mich hierauf nach haus begeben habe.
Was bedünckt euch, (fragte mein Herr nunmehr den Cammer-Diener) bei dieser Avantüre? Sie scheinet mir (liess sich dieser vernehmen) sehr wunderlich, und die Folgerung höchst gefährlich, wenn ich demnach meinen untertänigen Rat geben dürffte, so hielte davor, Ew. Gnaden zöhen mit Manier ihren Kopff aus der Schlinge, denn diese ganze Sache kan gar leichtlich ein Ende nehmen mit Schrecken. Am besten wäre es, wenn Ew. Gn. unter einem scheinbarn Vorwande, Paris auf eine Zeitlang verliessen, und mittlerweile einige andere berühmte Städte Franckreichs besähen. Ja, das wäre mir gelegen, rieff mein Herr, nein! was ich etliche mahl gekostet, und wohlschmeckend befunden, davon lasse ich nicht ab, biss ich mich satt gegessen habe; macht ihr nur Anstalten zu einem kostbaren Balle, dem ich auf den Montag zu geben gesonnen bin, und wobei der Marquis nebst seiner und meiner Frau die Haupt-Personen sein sollen. Mit unserer Abreise von hier, hat es noch in etwas Zeit, und wenn ich auch keine berühmte Stadt in Franckreich mehr sehen sollte, so ist nichts daran gelegen, denn wer Paris alleine nur gesehen, der hat in Franckreich alles gesehen. Morgen früh aber gehet hin, und bringet dem Marquis und seiner Gemahlin von meinetwegen den Morgen-Gruss, und wenn ihr so glücklich seid, sie selbsten zu sehen, so saget mir hernach wieder, ob man um einer solchen Schönheit willen nicht Leib und Leben wagen sollte. Sehr wohl, (gab hierauf der Cammer-Diener) allein, gnädiger Herr! hatten sie heute auch solche gute gedanken, da der Mann mit den Pistolen aus dem Cabinet gesprungen kam? Ihr seid ein Narr, (versetzte der Herr,) legt euch nur schlaffen, ich werde es auch so machen. Hiermit hatte dieser getreue Diener und Ratgeber seine Abfertigung. Zwei Tage hernach kauffte mein Herr einen ungemein schönen Neapolitanischen Hengst, welchen viele Cavaliers,