Sie noch nicht 15. ich aber noch nicht 19. Jahr vor voll alt waren. Es fiel uns dieses auf beiden Seiten sehr schmertzlich, weil wir, eins so wohl als das andere, unsere herzen schon anderwerts verschenckt hatten, mitin einander nicht nur gar nicht lieben konnten, sondern auch einen würcklichen Abscheu vor einander bekamen. Unsere Freunde wusten dieses, und der König erfuhr es auch, allein, ein jeder meinte, das alles würde sich schon geben, wenn wir nur erstlich zusammen kämen; allein, weit gefehlt, denn ob ich gleich wuste, dass ich eine schöne Frau bekommen, auch sonsten an ihren ganzen Wesen nichts auszusetzen hatte, so war mir doch so wenig als ihr möglich, beisammen in einem Bette zu liegen, und noch vielweniger einander ehelich zu berühren. Wie ich sie ausserdem aber im haus wohl leiden konte, so wurde zu einem wahrhafften Mitleiden bewegt, da ich sie beständig weinend antraff, deswegen konte mich endlich länger nicht entalten, sie eines Abends also anzureden: Madame! es jammert mich hertzlich, euch alle Tage und Stunden, so offt ich euch nur zu haus antreffe, betrübt und weinend zu finden, ich weiss, dass es euch unmöglich fällt, euer Hertze von euren Amanten abzuwenden, und mich zu lieben, aber ich müste unvernünfftig handeln, wenn ich euch darum verdächte, weil mir ja ebenfalls nicht anders zu Mute ist. Mein eintziger Trost ist, dass ihr selbsten wisset, was massen ich am wenigsten Schuld an unsern Malheur bin, ja ich schwöre: dass ich mehr als die Helffte meines ganzen Vermögens daran spendirte, wenn wir beide unser Schicksal geändert, und uns vergnügt sehen könnten. Damit ihr aber nicht ursache habt, über mich zu klagen, so schencke ich euch eure vollkommene Freiheit, so zu leben, als ob ihr an keinen Mann gebunden wäret, denn ich werde eher diejenigen Orte, wo ihr euer Divertissement findet, vermeiden, als euch vorsätzlich darinnen stöhren. Lasset euren Amanten, oder wen ihr sonst gern leiden möget, so offt, als euch beliebt, zu euch kommen, ich werde tun, als ob ich von nichts wüste, denn ich bin schon so viel von eurer Conduite versichert, dass ihr bei der Galanterie eure Reputation nicht vergessen werdet. Im Gegenteil aber hoffe, dass ihr auch so raisonnable sein, und euch um meine Gänge, Tun und Lassen, vornehmlich aber um meine Galanterie-Affairen unbekümmert lassen werdet. Meine Frau sass, nach Endigung meiner Rede, eine gute Weile in tieffen gedanken, da ich sie aber erinnerte, mir doch einige Antwort zu geben, öffnete sich endlich ihr Mund, und sagte: Monsieur, ihr verdienet eurer guten Gestalt und vortrefflichen Conduite wegen von Königlichen Printzessinnen geliebt zu werden, allein, vergebet, und habt ein wahrhafftes Mitleiden mit mir Unglückseligen, da ich gestehen muss, dass mir noch biss auf diesen Augenblick ohnmöglich fällt, euch zu lieben. Wegen eures Anerbietens bin ich euch gar sehr und mit noch mehrerer Hochachtung, als vorher, verbunden, werde mich aber dessen nicht bedienen, denn, wenn es auch voritzo euer würcklicher Ernst sein möchte, so habe ich doch vernommen, dass die Männer heute so, und Morgen ganz anders gesinnet sein sollen; demnach wird es mir als einer Gebundenen hinführo besser anstehen, wenn ich euch bei vorhabenden Divertissements jederzeit erstlich um erlaubnis bitte, Seiten meiner aber könnet ihr vollkommen versichert leben, dass ich mich niemals um euer Wesen bekümmern werde, ausgenommen, was meine Schuldigkeit im haus erfodert, damit ich euch wenigstens die äuserliche Complaisance abverdienen kan. Ich war mit dieser Antwort vergnügt, und beteurete nochmahls, dass sie sich, ohne Furcht vor mir zu haben, aller Freiheit bedienen möchte, indem ich ohnmöglich leiden könnte, dass eine person von ihrem stand und Jahren meinetwegen unglücklich und unvergnügt leben sollte. Hierauf verliess ich sie, und bemerckte wenige Zeit hernach, dass sie öffter, als sonsten, in Gesellschafften fuhr, sonderlich wo ihr Amant der Vicomte von T. anzutreffen war. Mir erweckte dieses mehr Zufriedenheit als Verdruss, und so offt ich ihn, den Vicomte, in meinem haus angetroffen, ist er allezeit von mir höflich und freundlich tractirt worden, wie ich ihn denn auch zu allen Assambleen, die nachher in meinem haus gehalten sind, invitiren lassen, und vor vielen andern distinguirt habe. Allein, er war vor etwa einem Jahre so unglücklich, von einem Deutschen Cavalier im Duell erstochen zu werden. Ich erfuhr bald, dass meine Frau seines Todes wegen fast nicht zu trösten stunde, liess deswegen erstlich etliche Tage vorbei streichen, und legte hernach meine aufrichtige Condolentz bei ihr ab, welche sie mit weinenden Augen annahm, und mir dagegen alles erwünschte Vergnügen wünschte. Am allerbesten hat mir von ihr gefallen, dass sie diesen ihrem Amanten allein getreu und beständig geliebt, und ausser ihm keine eintzige Manns-person besonders æstimirt, wie ich denn desshalber genaue Kundschafft eingezogen, es auch zum teil selbst aus allen Umständen vermerckt. Nächst diesen hat mir auch gefallen, dass Sie diejenige Dame, von welcher Sie weiss, dass ich dieselbe über alles in der Welt liebe, vor allen andern Dames distinguiret, und, dem Ansehen nach, mehr als ihre eigene Schwester liebt. Wenn ich von dieser abstehen könnte, so hätte sich vielleicht meine Frau gewinnen lassen, nach dem tod des Vicomte, mich allein getreu zu lieben, allein, solches ist mir noch biss auf