werden? Ich war damit zufrieden, wir fuhren hinaus in den Garten, und nahmen zur Bedienung niemanden mehr mit, als gemeldtes lustige Cammer-Mädgen und einen Laqueien. Unter der Zeit, da ich die Marquise im Garten herum führte, hatte das Mädgen oben in einem Zimmer des Garten-Hauses allerhand Erfrischungen zurechte gesetzt, deswegen begaben wir uns hinauf, selbige zu versuchen. Das Mägdgen nahm sich eine Bouteille Limonade und Schachtel voll Confect aus der Kiste, machte einen Reverentz, und sagte: Meine Engels-Kinder! sie lassen sich es wohl schmecken, und sorgen vor nichts, ich will mit diesen meinem Gewehr vor der Tür am Fenster Schild-Wacht stehen, und wenn ich jemanden auf das Lust-haus zukommen sehe, Wer da? ruffen. Die Marquise lachte so wohl als ich über das närrische Ding, welches würcklich zum Zimmer hinaus ging, den Schlüssel davon abzog und herein warff. Wir fingen hierauf an, das Confect der Liebe zu benaschen, der Appetit aber hierzu ward endlich so stark, dass wir die beschwerlichsten Kleidungs-Stücke ab uns alle beide auf das zur Seiten stehende Faul-Bette legten, und unserer Wollust den Zügel vollkommen schiessen liessen. Indem stiess der Marquis von R. – – eine kleine Cabinet-Tür auf, kam, in jeder Hand ein aufgezogenes Pistol habend, heraus gesprungen, hielt das eine mir, das andere seiner Frau gegen die Brust, und sagte: Regt euch nicht, sondern betet, denn ihr müsset beide sterben. Ich kan wohl sagen, dass mir alle gedanken vergingen, weiss auch nicht recht mehr, was die Marquise zu ihrem mann sagte, und ihn damit bewegte, dass er zu lachen anfing, und mit seinen Pistolen zur Tür des Zimmers hinaus ging. Sie sprung demnach hurtig auf, brachte durch einen derben Kuss meine 5. Sinnen wieder in Ordnung, und sagte: Mein Hertz! seid gutes Muts, mein Mann ist so tyrannisch nicht, sondern wird uns diesen Fehler vergeben. Also kleideten wir uns beiderseits hurtig an, und sahen, da wir zum Zimmer hinaus kamen, von oben herunter den Marquis unten im Garten ohne Pistolen ganz aufgeräumt herum spatziren. Die Marquise nahm mich bei der Hand, und führte mich ihm entgegen; ich danckte dem Himmel, dass ich meinen Degen an der Seite hatte, und mich auf einem freien platz befand. Als wir fast noch 6. Schritt von einander waren, zohe der Marquis schon seinen Hut ab, und bewillkommete mich aufs allerfreundlichste, danckte, dass ich ihm die Ehre erweisen und seinen schlechten Garten besehen wollen, und bat, nicht ungütig zu vermercken, wenn ich nicht nach Würden tractirt würde, weil man sich nicht darauf gesaft gemacht. Ich wurde von neuen dergestalt verwirret, dass ich in Wahrheit selbst nicht mehr weiss, was ich ihm geantwortet habe. Es wendete sich aber der Marquis zu seiner Frau, küssete sie auf den Mund, und sagte mit einer lächlenden Mine: Wie nun, Madame! soll man euch nunmehr auch mit unter die einfältigen Weiber zählen? Und glaubt ihr nun, dass die Männer auch listig sein? Monsieur! ihr habt in beiden Stücken recht, (gab sie zur Antwort) allein, wenn ihr so gütig sein, und nicht mehr an das, was einmal geschehen ist, gedencken werdet, wird sich meine Hochachtung gegen euch vervielfältigen. Der Marquis klopffte sie hierauf sanffte auf den Bakken, und küssete ihre Hand, zu mir aber sprach er: Mein Herr! meine Frau sprach nur vor wenig Tagen zu mir, da ich ihr eine ohnlängst passirte Geschicht erzählet hatte: das wären die allereinfältigsten und dümmsten Weiber, die sich im liebes-Wercke mit einem Galan, von ihren Männern betrappeln liessen, auch wäre der Männer List, gegen der Weiber List, gar nichts zu schätzen. Ich wuste nicht, ob, oder was ich hierauf antworten sollte, der Marquis aber, welcher wohl merckte, dass ich mich von meiner Bestürtzung noch nicht recolligiren konte, fuhr im Reden fort: Mein Herr! ich glaube wohl, dass ihr nicht wisset, ob ihr hier bei mir verraten oder verkaufft seid, allein, trauet meiner redlichen Parole, fürchtet euch vor keiner Gefahr oder Hinterlist, sondern seid gutes Muts, und folget mir in jene Grotte. Er nahm also seine Frau bei der lincken Hand, und mir reichte sie die rechte, mitin spatzirten wir in eine vortreffliche Grotte, wo die köstlichsten Erfrischung bereits zurechte gesetzt waren. Er trunck mir ein Glass Wein zu, auf redliche Freundschafft, und da ich solches Bescheid getan, præsentirte er erstlich der Dame, hernach mir verschiedene Confituren, fing hierauf also zu reden an: Mein Herr! ich bin niemals derjenige, so seine eigene Conduite rühmet, allein, ich zweifle nicht, ihr werdet mir zugestehen müssen, dass dieselbe heute gegen euch und diese Dame ganz sonderbar gewesen. Ich glaube nicht, dass in Europa unter tausend Männern einer anzutreffen, und wenn er auch eine Castrat wäre, der sich bei einer solchen empfindlichen Begebenheit, so gelassen aufführen würde, als ich getan. Ihr dürfft auch nicht vermeinen, dass ich etwa par Interesse, oder anderer Ursachen wegen, ein guter Mann sein wolte oder müste. Nein! mein Herr! sondern lasst euch eine Geschicht erzählen: Diese Dame und ich haben einander aus gewissen Ursachen nach dem absoluten Willen des Königs heiraten müssen, und zwar zu der Zeit, da