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Binnen bemeldten drei Wochen liess mein Herr seine unnötigen Sachen, auch Pferde, Kutschen und dergleichen verkauffen, danckte die überflüssigen Bedienten ab, behielt also niemand bei sich, als seinen Cammer-Diener, einen Jäger, mich und 2. ReutKnechte, 3. Reut-Pferde vor sich und 5. vor die Bedienten. Aus einem kleinen Städtgen, welches schon ausserhalb Landes lag, schickte er den Jäger mit einem Briefe an den Officier ab, welcher ihn auf Pistolen gefordert hatte, denn von diesem war ihm binnen der Zeit, als er im Arrest gesessen, ein anderweites Cartell zugeschickt worden, mein Herr aber nicht im stand gewesen, sich zu stellen, doch nunmehr benahmte er demselben Ort und Stunde, wo und wenn sie einander sehen könnten. Auf eben denselben Platz und zu eben derselben Stunde bestellete er auch in einem andern Briefe, welchen ein Reut-Knecht überbringen muste, denjenigen Cavalier, welcher sich auf der Masquerade der Frau von A.* so ernstlich angenommen, und es erschienen beide, nach seinen Verlangen, zu gehöriger Zeit. Mein Herr hatte einen bekandten Cavalier zum Secundanten mitgenommen, und war so glücklich, den Officier, nachdem derselbe sich verschossen, eine Kugel durch die Brust zu jagen, dass er augenblicklich tot vom Pferde stürtzte; hierauf stieg er vom Pferde, legte seinen Rock, Camisol und die Sporn ab, zohe den Degen, und nahm es mit dem Ritter der Frau von A.* auf, versetzte ihm auch im andern Gange einen solchen Stoss oben in die rechte Brust hinein, dass demselben auf einmal Arm und Klinge niedersanck, er ist aber nachher doch wieder völlig curiret worden, und nach dieser Arbeit, setzte sich mein Herr wieder zu Pferde, und ritt mit seinen Bedienten auf einem frembden Grund und Boden immer fort, als er seinem Secundanten einen kostbaren Gedenck-Ring geschenckt und höflichen Abschied von ihm genommen hatte. Nachdem wir eine Stunde weges mit einander geritten, schickte mein Herr den Cammer-Diener mit den andern Leuten voraus, nach der Stadt zu, wohin er seine meiste Equippage mit der Post bringen und absetzen lassen, befahl denselben in Geheim, nicht ehe von dannen aufzubrechen, biss er wieder zu ihnen käme, er aber ritte mit mir lincker Hand fort, biss wir endlich auf den Weg kamen, welcher uns Abends sehr spät in des Herrn von E.* Ritter-Gut führte. Ich glaube, es war meinem Herrn eben nicht so zuwider, als er sich wohl gegen die Bedienten stellte, da er erfahren muste, wie der Herr von E.* schon seit vier Tagen verreiset wäre, auch wohl noch so lange aussen bleiben dürffte, die Frau von E.* hatte eben schlaffen gehen wollen, schien aber über unsere Ankunfft eben nicht missvergnügt zu sein, sondern wolte gleich warme speisen machen lassen, allein, mein Herr deprecirte alles, und bat nur um ein Glass Wein, 2. Bissen Brod, hernach um ein Bette, weil er vor Müdigkeit fast die Augen nicht mehr offen halten könnte. Er nahm auch weiter nichts zu sich, sondern eilete zu Bette, und erzählete der Frau von E.* diesen Abend gar nichts von alle dem, was sich seit der Zeit, vielweniger diesen vergangenen Tag, mit ihm zugetragen hatte. etwa eine halbe Stunde, nachdem ich mich nieder gelegt, öffnete sich die Tür, ich sah mich aber nicht einmal mehr nach dem Gespenste um, welches herein kam, weil ich es aus verschiedenen Umständen schon kennen lernen, wurde auch nicht gewahr, um welche Zeit es wieder fort ging. Früh Morgens beim Tée erzählete mein Herr erstlich der Frau von E.* wie er seine beiden Gegner gestern früh abgefertiget hätte, sie wunderte sich höchlich darüber, gratulirte ihm, dass er so glücklich und ohnbeschädigt davon kommen wäre, und letztlich sagte sie: ich kan nicht läugnen, dass ich allezeit ein Mitleiden mit denenjenigen gehabt, welche im Duell umkommen, oder nur blessirt sind, aber dieser Officier gehet mir gar nicht nahe, nur darum, weil er so sehr viel unbesonnene Reden, die wenigen Tage über, allhier geführt hat, deswegen ist es eben so gut, dass ihm das Maul gestopfft ist. Aber, mein Herr! fragte sie weiter, sind sie allhier auch sicher? O ja! antwortete er, denn ich bin allhier in des dritten Herren land, jedoch wenn meine Anwesenheit könnte verschwiegen bleiben, wäre es mir um so viel desto lieber. Gut! versetzte sie, dass es mir nur gesagt wird, nun lassen sie mich alleine sorgen, denn alles mein Gesinde hat die Tugend der Verschwiegenheit, und ist mir sonderlich gehorsam.

Jedoch, damit meine Erzählung nicht allzu weitläufftig werden möge, will ich nur kurz melden: dass mein Herr 6. Nacht und 5. ganzer Tage Zeit hatte, der Frau von E.* alles zu erzählen, was ihm begegnet war, denn am 5ten Tage gegen Abend kam der Herr von E.* erstlich von seiner Reise wieder zurück, und erfreuete sich hertzlich, meinen Herrn gesund und in Freiheit in seinem haus zu sehen, denn dessen Process-Sachen waren ihm gar gefährlich vorgebracht worden. Wir blieben also noch 3. Tage bei ihm, binnen welcher Zeit mein Herr den Herrn von E.* zum Ober-Aufseher einiger seiner da herum liegenden Güter bestellete, und ihm dessfals schrifftliche Vollmacht erteilete, auch vor seine Mühe ein und andere Revenüen