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Mühwaltung verbindlichen Danck abstattete, und dem Herrn die güldene Uhr, der Frauen aber das Diamantene Brust-Creutz, auch jeglichen einen kostbaren Ring zum freundlichen Angedencken verehrete, anbei versicherte, so bald die ihnen bewusten Affairen völlig zu stand, sich anderweit erkänntlich zu erzeigen. Beide schienen recht bestürtzt zu sein über dergleichen kostbare Geschencke, und wusten fast nicht, ob sie dieselben annehmen sollten oder nicht, allein, mein Herr bat: ihn mit fernern Weitläufftigkeiten zu verschonen, nahm beide an die Hand, und führte sie herunter zur andern Gesellschafft, ging sodann abermals heraus, und beschenckte die haus- und Stall-Bedienten reichlich, welches so viel würckte, dass der haus-Herr, mir und meines Herrn Laqueien, jeden einen dukaten aufzwunge, die Dame aber mir allein heimlich noch 2. dukaten in die tasche steckte. Ich wünschte desswegen, dass wir öffters an diesen Ort kommen, und den Herrn von E.* denn so hiess der haus-Wirt, beschmausen möchten, wenn mir aber das KugelnWechseln, welches mein Herr noch vor sich hatte, in die gedanken kam, schoss mir das Hertz-Blütgen auf einmal, doch endlich gedachte ich: Weil mein Herr doch so lustig und frölich ist, muss er gewiss die Kunst schon können, einen Kerl vom Pferde zu schiessen; oder, wer weiss, ob gar was daraus wird?

Wir kamen erstlich des Abends in unserm Logis der Herrschafftlichen Residentz an, wo mein Herr sogleich die andern Bedienten fragte, ob der Secretarius und der Cammer-Diener noch nicht zurück gekommen wären? und zur Nachricht erhielt, dass beide sich noch nicht wieder sehen lassen. Einige Tage stellte sich mein Herr unpässlich, und kam nicht aus dem Zimmer, wurde jedoch von verschiedenen Cavaliers und andern vornehmen Personen besucht, sobald aber der Secretarius und hernach der Cammer-Diener zurück gekommen, war er wieder gesund, frequentirte fast alle Zusammenkünffte vornehmer Standes-Personen, war aber eine gute Zeit so unglücklich, dasjenige nicht anzutreffen, was er suchte, nämlich, (wie er mir nach langer Zeit selbst erzählet) die Frau von A.* als seine ehemalige kostbare Geliebte, wegen welcher, wie ich schon gemeldet, er den strengen Befehl bekommen hatte. Endlich kam einer von seinen Spions, denn er hielt deren verschiedene, und belohnete sie reichlich, dieser kam, sage ich, und meldete ihm, wo offt erwehnte Dame auf einer Masquerade anzutreffen sein würde, beschrieb ihm auch dreierlei kostbare Kleidungen, woran er sie vor allen andern erkennen könnte. Mein Herr war nicht faul, sich auch dahin zu begeben, und prostituiret die Frau von A.* auf eine ganz besondere und verzweiffelte Art, die ich nachzusagen, mich jetzt selbst noch schämen müste. Es mag ihm solches zwar von den allerwenigsten unter der Compagnie wohl ausgelegt worden sein, doch movirt sich niemand dieserwegen, als ein eintziger Cavalier, dieser nimmt sich der Dame öffentlich an, gerät mit meinem Herrn in Wort-Streit, welcher verschiedene zweideutige Reden, die hernach einer höhern person unordentlich vorgebracht worden, fliegen läst, biss es endlich so weit kommt, dass beide einander auf ein paar Degen-Spitzen heraus fordern. Die Dame läst sich vor Chagrin halb ohnmächtig in einer Sänffte nach haus tragen, mein Herr kam auch zu haus, lase einen von seinen besten Stoss-Degens aus, legte ihn nebst den steiffen Hand-Schuen zurechte, und befahl dem Cammer-Diener, gleich mit anbrechenden Tage ein Pferd vor ihn, den Herrn, eins vor den Cammer-Diener, und eins vor den Reut-Knecht satteln zu lassen, aus welchen Anstalten wir Bedienten sogleich abnehmen konnten, dass er Morgen ein Duell vorhätte. Allein, alle diese Anstalten waren vergebens, hergegen unser Schrecken nicht geringer, da gleich nach angebrochenem Tage ein Ober-Officier mit 4. Mann in meines Herrn Zimmer getreten kam, ihm Arrest ankündigte, ein Unter-Officier mit 8. Mann aber, die Wache aussen vor dem Zimmer hielt, und nachdem alle Bedienten heraus gewiesen waren, niemanden als den Cammer-Diener und mich aus und ein passiren liessen. Anfänglich vermeineten wir Bedienten, es geschähe dieses alles nur, um das vorhabende Duell zu hintertreiben, erfuhren aber bald, dass mein Herr nicht allein von der prostituirten Dame, sondern auch noch von einer höhern person actionirt werde. Anfänglich mochte es nicht allzuwohl um ihn gestanden haben, weil er sich aber mit dem mund und der Feder wohl zu helffen wuste, über dieses sehr viel gute Freunde und Vorsprecher hatte, kam es endlich nach einem 6. wöchentlichen Arrest dahin, dass er etliche 1000. Tlr. Straffe geben und angeloben muste, binnen drei Tagen die Residentz Stadt zu verlassen, und sich wenigstens drei Jahr lang ausserhalb Deutschlandes in frembden Ländern aufzuhalten, wie ihm denn auch nicht mehr als drei Wochen Zeit erlaubt war, in diesem land zu bleiben, um seine Sachen in Ordnung zu bringen und sich Reise-fertig zu machen. Dieses letztere war eben so nötig nicht, denn seit dem er geschworen, die Frau von A.* zu prostituiren, hatte er bereits alle Anstalten zu einer Reise nach Franckreich machen lassen; unterdessen war es eine gewaltige Summa Geldes, welche er dieser eintzigen ihm ungetreuen Weibs-person halber einbüssen muste. Allein, wie ich etliche Jahre hernach erfahren, hat diese von aussen sehr schöne, jedoch gifftige Creatur noch viel Manns-Personen ins Verderben gestürtzt.