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stark Wein getruncken, weil der haus-Herr, als ein grosser Liebhaber des Reben-Saffts, seine Gäste stark dazu forcirte. Der Herr haus-Wirt brachte meinem Herrn eine Gesundheit zu: Auf gut Glück in der bewusten Sache! Mein Herr tat Bescheid, reichte zugleich dem haus-Wirte die Hand, und als er den Pocal ausgeleeret, danckte er demselben verbindlich davor, dass er ihm das eine Werck so glücklich zum stand gebracht, und in der andern Sache seine Vices so wohl vertreten hätte; versprach anbei, sich in der Tat erkänntlich zu erzeigen. Der haus-Herr schützte vor, dass seine Schuldigkeit nicht allein solche, sondern weit mühsamere Dienste, meinem Herrn zu leisten, erforderte; worgegen dieser auch keine Complimente schuldig blieb; allein, der Officier, welchen der Wein oder andere Grillen schon zu stark in den Kopff gestiegen waren, melirte sich in ihren Discours, und sagte zu dem haus-Wirte: Mein Herr! sie belieben die Complimenten zu versparen, denn haben sie des Herrn G. Vices vertreten, so hat derselbe vielleicht die Ihrigen auch vertreten, so, dass ihre Frau Liebste wohl nicht über ihn klagen wird. Monsieur! (sprach mein Herr, dem die Galle auf einmal überging, und das Geblüte ins gesicht stieg) Was sind das vor Reden? Werden mir nicht diese Herren und Dames zeugnis geben, dass ich mich als ein honetter Gast und nicht als Wirt aufgeführet? worin bestehen also die Vices, so ich vertreten habe? Das weiss der Himmel und der NachtWächter, antwortete der Officier. Und das ist eine närrische Antwort, gab mein Herr darauf, welchem die andern alle beifielen, und dem Officier zu verstehen gaben, wie sie gar nicht wüsten, warum er schon vorgestern, gestern und auch heute so wunderliche, ja ganz ungeräumte Stichel-Reden und Mägde-SprichWörter im mund geführt, man wäre ja sonst von ihm dergleichen gar nicht, sondern einer weit artigern Aufführung gewohnt, u.s.w. Allein, der Officier fuhr auf, und sprach: Ei was, ich halte den vor einen etc. der meine Rede und Antwort vor närrisch hält, es wird ein schlechter Unterscheid sein zwischen einem Officier, wie ich bin, und einem solchen Herrn, wie der ist. Dieses war genug, meinen Herrn aufs äuserste zu bringen, demnach griff er also fort nach einer an der Wand hangenden Carbatsche, und schlug den Officier etliche mahl damit über den Kopff. Dieser wolte zwar vom Leder ziehen, allein, der haus-Herr und die andern beiden von Adel, hielten ihn davon ab, und stiffteten in so weit Friede, weil mein Herr dem Officier versprach, Morgen bei Aufgang der Sonnen, mit ein paar geladenen Pistolen vor ihm auf der Gräntze zu erscheinen. Bald hernach liess der Officier seine Pferde satteln, und ritt, nachdem er einen negligenten Abschied genommen, voll Wein und Grimm seiner Wege. Jederman war froh, dass er diese Resolution ergriffen, und sonderlich das Frauenzimmer; die Frau haus-Wirtin aber, welche eine in der Geburt arbeitende Frau besucht, war bei dem ganzen Streite gar nicht zugegen gewesen, verwunderte sich deswegen ziemlich darüber, und sagte: sie hätte jederzeit eine malhonette Conduite an diesem Officier gemerckt, indem er zum öfftern den tugendhafftesten Leuten Klebe-Flecken anhängen und sich selbsten ein und anderer Sachen berühmen wollen, die wohl niemals wahr gewesen, etc. etc. (Allein, es hat mir kurtze Zeit hernach ein guter Freund im Vertrauen eröffnet, dass diese Dame eben diesen Officier, in Abwesenheit ihres Gemahls, gar öffters heimlich zu sich bitten lassen, und ihm gar gern ein oder etliche Nacht-Quartiere gönnen mögen, weswegen ihn allerdings die Eiffersucht wegen meines Herrn, vor diessmahl zu einer wunderlichen Aufführung verleitet haben mag.)

Mein Herr war, ungeachtet der gefährlichen Arbeit, die er auf Morgen früh vor sich hatte, lustig und guter Dinge, mir aber pochte das Hertz als ein Hammer, und an der Frau haus-Wirtin merckte ich ein paar mahl, dass, wenn sie sich alleine, ausserhalb der stube, befand, sie die hände runge, und Tränen fallen liess. Jedoch unser beider Angst wurde in etwas vermindert, da noch selbigen Abend des Officiers Laquei zurück geritten kam, und Nachricht brachte, dass seinem Herrn unterwegs ein Ordonnance-Reuter begegnet, welcher ihm die Ordre überbracht, sich so gleich zu Pferde zu setzen, und zum General zu kommen, weswegen denn sein Herr die gegebene Parole vor dieses mahl nicht halten könnte, sondern sich seine Satisfaction auf einen andern Tag zu fordern, vorbehalten müste. Mein Herr hätte dem Kerl nicht geglaubt, sondern dem Officier einer Zaghafftigkeit beschuldiget, wenn ihm der Laquei nicht die Ordre in Originali vorgezeiget hätte, solchergestalt gab er ihm weiter nichts zur Antwort, als dieses: Es wäre ihm gleich viel, und ein Tag so gut als der andere. Diesen Abend ging ein jedes bald zur Ruhe, weil so wohl mein Herr, als die andern Gäste folgenden Morgen fort wolten, es öffnete sich auch diese Nacht die Seiten-Tür in meines Herrn Zimmer nicht, hergegen schlieff er ungemein ruhig, biss man hörete, dass der haus-Wirt und dessen Gemahlin schon ihre Stimmen im haus hören liessen. Diese beiden muste ich, so bald er angekleidet war, auf ein Wort hinauf in sein Zimmer bitten, da er denn vor alle erzeigte Höflichkeit und