Strahl durch die Fenster warff, kam die gestrige Machine abermals zum Vorscheine, hatte den Schlaf-Rock oben über den Kopff hergezogen, so, dass ich Blintzender, nichts als ein paar schöne, grosse, schwartze Augen sehen konte, von welchen ich geschworen hätte, dass es unserer Frau Haus-Wirtin ihre Augen gewesen wären, wenn ich nicht gedacht, dass dieselben, weil sie sehr späte zu Bette gegangen, annoch vielleicht im süssesten Schlummer zugeschlossen lägen. Kaum hatte gemeldte Machine ihren Rückweg durch die Seiten-Tür genommen, als mich mein Herr bei meinem Nahmen ruffte, allein, ich hielt dieses mahl nicht vor ratsam, ihm eher zu antworten, biss er mich zum drittenmahle geruffen hatte. Demnach befahl er, mich hurtig anzuziehen, und einen von des Haus-Wirts Stall-Knechten herauf zu ruffen; als ich mit demselben ankam, sass mein Herr schon im Schlaf-Rocke am Tische, und schrieb, sagte aber zu dem Stall-Knechte: Höret, mein Freund! tut mir den Gefallen, und sattelt vor diesen meinen Purschen einen Klöpper, weil ich keine Reit-Pferde bei mir habe, ich will ihn nur nach der Stadt schicken, und es bei eurer gebietenden Frau, die unfehlbar noch schlaffen wird, verantworten. Der Kerl war so gleich willig, zumahlen, da ihn mein Herr einen Gulden darreichte, ich aber bekam 2. Briefe von ihm, einen an den vornehmsten Kauffmann, und den andern an einen Jubelier, mit dem Befehle, nicht in unserm Logis, sondern in einem Gastofe einzukehren, und so bald ich an beiden Orten meine Abfertigung bekommen, alles wohl in den Mantel-Sack einzupacken, und den Rück-Weg eiligst zu nehmen. Ich versprach alles wohl auszurichten, ob ich aber gleich nicht gelesen, was in den Briefen stunde, so war ich doch so schlau, so wohl von des Kauffmanns als des Jubeliers Leuten, heraus zu lokken, dass der erstere ein kostbares, mit Golde durchwürcktes Zeug zu einer Frauenzimmer-Kleidung, und der andere ein Diamanten Brust-Creutz nebst einer goldenen Uhr eingepackt hatte. Ich brachte dieses alles bei guter Zeit auf meines Herrn Zimmer, ihn aber selbst traff ich bei der andern Gesellschaft im Garten an, und stattete meinen Bericht ab. Er ging demnach also fort selbst auf sein Zimmer, mochte die Sachen eröffnet, besehen und gut befunden haben, denn er machte mir eine gnädige Mine, als er zurück kam. Ich merckte, dass er die Frau Haus-Wirtin im Garten etwas bei Seite führte, und mit ihr heimlich redete, hernach mich ruffte, und sagte: Wilhelm! gieb achtung, wenn die Haus-Wirtin zur Garten-Tür hinaus gehet, so gehe erstlich langsam hinter ihr her, lauff sodann voraus, und gieb ihr das, auf meinem Tische im Zimmer liegende Paquet, aufzuheben, denn sie wird da vorbei gehen. Ich war fix, und da die Dame kam, stunde ich schon mit dem Paquete in der Tür, sie fragte: Mein Sohn! ist dieses das Paquet, welches ich eurem Herrn verwahren soll? Ja, gnädige Frau! antwortete ich, es ist es; Also muste ich es in ihr Schlaf-Zimmer tragen, und in einen Kasten werffen, hierbei bemerckte ich, dass zwischen ihrem und meines Herrn Schlaf-Zimmer nur eine Scheide-Wand, durch deren Tür in vergangener Nacht die Masque pass- und repassirt war. Da ich nun wieder fortgehen wolte, rieff sie mich zurück, und beschenckte mich mit 2. Stücken Leinwand, verbot mir aber, ausser meinem Herrn, keinem Menschen etwas davon zu sagen, sondern vor mich Unter- und Ober-Hembder davon machen zu lassen. Ich danckte ganz untertänigst davor, und befand hernach beide Stück sehr fein, auch dass jedes 30. Ellen hielt. Nach der AbendMahlzeit, klagte mein Herr über gewaltige KopffSchmertzen, weswegen die Lust auf diesen Abend ziemlich gestöhrt zu sein schien, und sich ein jedes desto zeitiger zu Bette begab. Jedoch bei meinem Herrn mochten die Kopff-Schmertzen wohl ein blosses verstelltes Wesen sein, denn da er auf sein Zimmer kam, war er lustig und guter Dinge, rauchte auch, ehe er zu Bette ging, noch ein paar Pfeiffen Canaster. Gegen Mitternacht öffnete sich die Seiten-Tür abermals, und die Masque hielt es ebenfalls wie in voriger Nacht, ich aber stellte mich an, als ob ich sehr veste schlieffe, biss mich mein Herr etwa um 5. Uhr aufweckte, und befahl, den Tée nicht eher als um 9. Uhr zu fordern, und gegen jederman zu sagen, dass er vor Kopff-Schmertzen die ganze Nacht hindurch fast kein Auge zutun können. Dieser Tag wurde ebenfalls in lauter Wohlleben zugebracht, ausserdem, dass der Officier und mein Herr immer auf einander stichelten, denn ob schon beide sonsten noch niemals mit einander in Compagnie gewesen waren, so schien es doch, als ob eine würckliche Antipatie unter ihnen wäre, doch kam es diesen Tag noch zu keinen Tätlichkeiten, und in der folgenden Nacht ging es eben so zu, wie in den 2. vorigen. Als diese verstrichen, kam der haus-Herr etwa ein paar Stunden vor der Mittags-Mahlzeit wieder zurück von der Reise, und gab meinem Herrn, als in dessen Affairen er verreiset gewesen, in einem besonderen Zimmer geheime Nachricht von demjenigen, was er ausgerichtet hatte, hernach wurde gespeiset und