öffnete man, nachher wurde derselbe, so wohl als meine Stief-Mutter auf besondere Landes-herrliche Begnadigung, an die Seite des Gottes-Ackers des nächsten Dorffs begraben. Uns armen Kindern hatten die Gerichten fast nichts mehr als die allernötigsten Sachen gelassen, einen Mann und Frau bestellet, die indessen die Wirtschafft treiben und uns verpflegen mussten; allein, etliche Wochen hernach war der Landes-Herr so gnädig, meinem ältesten Bruder, der schon einige Jahr bei ihm in Diensten gestanden, in die Stelle meines Vaters, von dessen Auffentalt kein Mensch etwas wissen wolte, zu setzen, da denn mein Bruder eine betagte Befreundtin zur Hausshälterin annahm, uns seine Geschwister noch eine Zeitlang bei sich zu behalten versprach, auch es bei dem Landes-Herrn dahin brachte, dass die Gerichten nach Abzug der Kosten, die übrige Verlassenschafft unserer Eltern, an bestellte Vormünder ausliefern mussten. Es war aber, leider! nicht allzu viel übrig geblieben; und also sehen sie, meine Herren! (erinnerte uns allhier der kapitän Horn) dass ein ungetreues listiges Weib, unsern Vater und uns Kinder ins Unglück, sich und ihren Amanten aber ums Leben gebracht hat. Jedoch meine eigene Geschicht zu verfolgen, so muss ferner melden, dass noch nicht ein volles halbes Jahr nach dieser traurigen Begebenheit, ein vornehmer Cavallier, welcher nach hof zu reisen im Begriff, des Nachts auf der Strasse, bei Umwerffung seines Wagens, Schaden am Arm genommen, demnach weil er in unsern haus Licht erblickte, ausspannen liess, um den Tag zu erwarten. Er fragte, so bald er hinein kam, nach meinem Vater, und mein Bruder erzählete ihm die obgemeldete klägliche geschichte in der Kürtze, worüber sich derselbe, weil er über Jahr und Tag nicht in dieser Gegend gewesen, ungemein verwunderte, nachher seinen Arm mit warmen Weine waschen und sich etwas zu essen bringen liess. Ich war sehr hurtig, ihm mit aufwarten zu helffen, welches er observirte, und nachher, da ich Pappier, die Tobacks-Pfeiffe anzuzünden, reichte, mich fragte: Wie alt bist du? 12. Jahr, gab ich zur Antwort. Was wilst du werden? fragte er ferner; und ich antworttete: ja, das weiss GOtt, was aus mir werden wird, denn ich bin ein armes Kind worden, seit dem mein Vater weg ist. Hast du Lust mit mir zu reisen? sprach er; Ach! seuffzete ich: wenn ich nur gross genug wäre, so wolte ich mit einem so wackern Herrn wohl biss ans Ende der Welt reisen. Indem kam mein ältester Bruder in die stube, zu welchem der Cavallier so gleich sagte: Mein Freund! an diesem euren jüngsten Bruder gefallen mir sonderlich 3. Stück: erstlich sein munteres und dreustes Wesen; zum andern: sein aufrichtiges gesicht, und zum dritten: seine weissen krausen Haare; ist es euch und ihm gefällig, so will ich ihn in meine Dienste nehmen, und vor sein künfftiges Wohlsein sorgen? Mein Bruder besann sich so kurz als ich, und kurz zu sagen: ich packte mein Bündel mit Freuden eilfertig zusammen, und fuhr mit diesem meinem nunmehrigen Herren nach der Residentz unseres Landes-Herren zu. Allda liess mir mein Herr sogleich eine saubere Liberei machen, und mich alle Tage 6. Stunden in die Schule gehen, ausser der Zeit aber, muste ich mehrenteils um ihn sein, auch so gar, wenn er ausging oder ausfuhr. Er probirte meine Treue und Verschwiegenheit auf verschiedene Art und Weise, ohne dass ich damahls sogleich mercken konte, nachdem er mich aber in den ersten 2. Jahren ächt und redlich befunden, wurde ich von ihm sehr öffters mit Gelde und andern Sachen reichlich beschenckt, welches mir zwar bei den ältern Bedienten einigen Neid zuwege brachte, allein, es durffte sich keiner an mir vergreiffen. Mein Herr war unverheiratet, ich aber wurde von ihm fast alle Tage mit Briefen und Paqueten an eine vornehme Dame, die sehr schön und eine junge Wittbe, doch aber eben nicht allzu stark begütert war, abgeschickt, und er selbst gab derselben gar öffters Visiten, jedoch entweder des Nachts, oder wenn es sonst nicht leicht jemand gewahr werden konte. Einige Zeit hernach veruneinigten sie sich mit einander, und die Dame wurde dergestalt zornig, dass sie von meinem Herrn weder Briefe mehr annehmen, vielweniger ihm erlauben wolte, sie ferner zu besuchen. Indem er nun dennoch gelegenheit suchte, sie in ihrem Zimmer zu sprechen, und sich dieserwegen einsmahls heimlich in ihr haus geschlichen, seinen Zweck aber nicht erreichen können, weil die Dame seiner noch bei zeiten gewahr worden, und sich in ein anderes Zimmer versteckt und verschlossen hatte, fing er grausam an zu fulminiren, stiess verschiedene Schimpff-Reden aus, welche doch von niemand anders als von ihren Domestiquen angehöret wurden, und ging endlich im grössten Grimm und Zorne nach seinem Logis. Folgenden Morgens sehr früh, da er noch nicht aufgestanden war, bekam er von einer gewissen höhern Hand einen schrifftlichen Befehl, dessen Inhalt, wie ich hernach erfahren, dieser war: dass er sich bei Vermeidung gröster Ungnade, auch ernstlicher Bestraffung, ferner nicht unterstehen sollte, diese Dame weder mit Worten, Schrifften, vielweniger mit Wercken zu beleidigen. Ich brachte diesen Brief meinem Herrn ins Bette, so bald er aufgewacht, und zu allem Glück kein eintziger von den andern Bedienten im Schlaf-Zimmer war, er hatte aber denselben kaum gelesen, als er,