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wird weiter helffen.

Ich hatte, binnen der Zeit, in zweien Töpffen Tee gekocht, weiln aber keine Schaalen vorhanden waren, reichte ich ihr selbigen Tranck, an statt des gefoderten Weins, in dem Wein-Becher hin. Ihr lechzendes Hertze fand ein besonderes Labsal daran, Mons. van Leuven aber, und ich, schmauseten aus dem einen irrdenen Topffe auch mit, und wusten fast vor Freuden nicht was wir tun sollten, da wir die halb tod gewesene Concordia nunmehr wiederum ausser Gefahr halten, und bei vollkommenen verstand sehen konnten.

Lemelie hatte sich binnen der Zeit durch das wasser auf das zerbrochene Schiff gemacht, wir hofften zwar er würde vor Abends wiederum zurück kommen, sahen und höreten aber nichts von ihm, weswegen Mons. van Leuven Willens war hin zu baden, nach demselben zu sehen, und etwas Holtz mit zu bringen, da aber ich versicherte, dass wir auf diese Nacht noch Holtz zur Gnüge hätten, liess er es bleiben, und wartete seine Concordia mit den trefflichsten Liebkosungen ab, biss sie abermals einschlieff, worauff wir uns beredeten, wechsels-weise bei derselben zu wachen.

Selbige Nacht wurde schon weit vergnügter als die vorige hingebracht, mit aufgehender Sonne aber wurde ich gewahr, dass die See allerhand Packen und Küsten auf die nah gelegenen Sand-Bäncke, und an das grosse Felsen-Ufer, auch an unsere Sand-Banck ebenfalls, nebst verschiedenen Waaren, einen mittelmässigen Nachen gespielet hatte. Dieses kleine FahrZeug hiess wohl recht ein vom Himmel zugeschicktes Glücks Schiff, denn mit selbigen konnten wir doch, wie ich so gleich bedachte, an den nah gelegenen Felsen fahren, aus welchen wir einen ganzen Strohm des schönsten klaren Wassers schiessen sahen.

So bald demnach Mons. van Leuven aufgewacht, zeigte ich ihme die Merckmahle der wunderbaren Vorsehung GOTTES, worüber er so wohl als ich, die allergröste Freude bezeigte. Wir danckten GOTT bei unsern Morgen-Gebete auf den Knien davor, und so bald Concordia erwacht, auch nach befundenen guten Zustande, mit etwas Wein und Confect gestärckt war, machten wir uns an den Ort, wo das kleine Fahrzeug ganz auf den Sand geschoben lag. Mons. de Leuven erkannte an gewissen Zeichen, dass es eben dasselbe sei, mit welchem sein Schwager Anton Plŭrs untergangen sei, konte sich nebst mir hierüber des Weinens nicht entalten; Allein wir mussten uns über dessen gehabtes Unglück gezwungener Weise trösten, und die Hand an das Werck unserer eigenen Errettung ferner legen, weiln wir zur Zeit eines Sturms, auf dieser niedrigen Sand-Banck, bei weiten nicht so viel Sicherheit als am Felsen, hoffen durfften.

Es kostete nicht wenig Mühe, den so tieff im Sande steckenden Nachen heraus ins wasser zu bringen, da es aber doch endlich angegangen war, banden wir selbiges an eine tieff in den Sand gesteckte Stange, machten aus Bretern ein paar Ruder, fuhren, da alles wohl eingerichtet war, nach dem Stücke des zerscheiterten schiffes, und fanden den Lemelie, der sich dermassen voll Wein gesoffen, dass er alles was er im Magen gehabt, wieder von sich speien müssen, im tieffsten Schlafe liegen.

Mons. van Leuven wolte ihn nicht aufwecken, sondern suchte nebst mir alles, was wir von Victualien finden konnten, zusammen, packten so viel, als der Nachen tragen mochte, auf, und taten die erste Reise ganz hurtig und glücklich nach dem Ufer des Felsens zu, fanden auch, dass allhier weit bequemlicher und sicherer zu verbleiben wäre, als auf der seichten SandBanck. So bald der Nachen ausgepackt war, fuhren wir eilig wieder zurück, um unsere kostbareste Waare, nämlich die Concordia dahin zu führen, wiewol vor ratsam befunden wurde, zugleich noch eine Last von den notdürfftigsten Sachen aus dem Schiffe mit zu nehmen. Diese andere Fart ging nicht weniger glücklich von statten, deswegen wurde am Felsen eine bequme Klufft ausgesucht, darinnen auch zur Zeit des Regens wohl 6. Personen oberwarts bedeckt, ganz geräumlich sitzen konnten. Allhier muste Concordia bei einem kleinen Feuer sitzen bleiben, wir aber taten noch 2. Fahrten, und holeten immer so viel, als auf dem Nachen fortzubringen war, herüber. Bei der 5ten Ladung aber, welche ganz gegen Abend getan wurde, ermunterte sich Lemelie erstlich, und machte grosse Augen, da er viele Sachen und sonderlich die Victualien mangeln, uns aber annoch in völliger Arbeit, auszuräumen sah. Er fragte was das bedeuten sollte? warum wir uns solcher Sachen bemächtigten, die doch nicht allein unser wären, und ob wir etwa als See-Räuber agiren wolten? Befahl auch diese Verwegenheit einzustellen, oder er wolle uns etwas anders weisen. Monsieur Lemelie, vorsatzte van Leuven hierauf, ich kan nicht anders glauben, als dass ihr euren Verstand verlohren haben müsset, weil ihr euch weder unseres guten Rats noch würcklicher Hülffe bedienen wollet. Allein ich bitte euch sehr, höret auf zu brutalisiren, denn die zeiten haben sich leider! verändert, euer Commando ist zum Ende, es gilt unter uns dreien einer so viel als der andere, die meisten Stimmen gelten, die Victualien und andern Sachen sind gemeinschafftlich, will der 3te nicht was 2. haben wollen, so mag er elendiglich crepiren. Schweiget mir auch ja von See-Räubern stille, sonsten werde mich genötiget sehen zu zeigen, dass ich ein Cavalier bin, der das Hertze hat euch das Maul zu wischen. Lemelie wolte über diese Reden rasend werden, und Augenblicklich vom Leder ziehen,