jemand anders ein Wort darvon sagen, so wolte sie mir hinführo alles geben, was ich nur verlangte, wiedrigenfals aber, und da sie erführe, dass ich nur das allergeringste darvon ausgeplaudert, wolte sie mich alle Tage schlagen, und mir nicht halb satt zu essen geben. Ich hatte in Wahrheit viel Liebe vor meine Stief-Mutter, weil sie mich ebenfalls unter meinen Geschwistern am liebsten zu haben schien, deswegen gelobte ich ein ewiges Stillschweigen an, und ging mit ihr herunter in die stube, in welche Helnam kurz hernach auch eingetreten kam, zu dem meine Mutter sagte: Sehet, was ihr mit euren Tändel-Possen angerichtet habt, der arme Junge hat gemeinet, ihr wollet mich im Ernste ermorden, ist deswegen vor Schrecken fast halb tot, und ich habe ihm doch unter den andern allen am liebsten. deswegen gab mir Helnam meine ganze Hand voll Geld, welches ich der Stief-Mutter aufzuheben darreichte, und auf beiderseitiges noch mehrers Zureden desto stärcker angelobte, keinem Menschen etwas von dieser Mord geschichte zu sagen. Helnam trunck ein Maas Wein auf das Schrecken, die Stief-Mutter machte mir eine Wein-Kalte-Schaale mit Zucker, befahl mir, selbige auszuessen, in der stube zu bleiben, und sie zu ruffen, wenn jemand käme; ging hierauf mit Helnam hinaus, kam erstlich nach einer halben Stunde wieder zurücke, sagte, dass Helnam nach haus gegangen, und befahl mir, gegen den Vater nur gar nichts zu gedencken, dass er da gewesen wäre, denn die kleinen Schwestern hätten ihn nicht gesehen, weil sie in den Wald gegangen wären, und Holtz-Bündel holeten. Ich hielt in der Tat reinen Mund, merckte zwar nachher gar öffters, dass Helnam in Abwesenheit meines Vaters mit der Stief-Mutter in dem obern Stockwercke eine geheime Zusammenkunfft hielt, doch da ich nicht wuste, was es zu bedeuten hatte, bekümmerte mich solches auch nicht, vielmehr war ich damit vergnügt, dass mir meine Stief-Mutter alles gab und zuliess, was nur mein Hertze begehrte. Allein, etwa ein Jahr hernach, da mein Vater auf etliche Tage verreiset war, entstund ein grausamer Tumult in unserer Eltern Schlaf-Cammer, denn die tür wurde eingestossen, wir höreten die Mutter schreien und auch des Vaters-stimme, auch einen Büchsen-Knall zum Cammer-Fenster hinaus, weswegen wir vier Kinder (denn mein ältester Bruder war schon bei hof in Diensten) alle auf einmal aufsprungen, in der Eltern Cammer lieffen, und sahen, dass der Vater immer auf die Mutter mit dem Hirschfänger loss hieb, sie auch gewiss in Koch-Stücken zerhauen haben würde, wenn wir Jungens ihm nicht den Arm gehalten und die Mädgens sich über die Mutter hergebreitet hätten. Inzwischen schwamm die Mutter fast in ihrem Blute, denn sie hatte etliche Hiebe über den Kopff, Brüste und arme bekommen. Endlich liess sich der Vater durch unser jämmerliches Schreien bewegen, mit mir hinunter in die stube zu gehen, wo ich so gleich eine Laterne anstecken und mit ihm vom haus hinweg nach dem wald zu gehen muste; er hatte eine Büchse an der Schulter hangen, und den blossen Hirschfänger in der Hand, wir waren aber kaum 100. Schritte gegangen, als wir den Förster Helnam in blossen blutigen Hembde auf dem gesicht liegend antraffen. Mein Vater wendete ihn um auf den Rükken, sagte weiter nichts als diese Worte: Ja, ja, du bists, und hast genug. Er liess aber den körper liegen, und kehrete mit mir um nach unsern haus zu, schickte mich auch sogleich hinauf, um zu sehen, was die Mutter machte. Dieser hatte mein Bruder die Wunden voll Zunder, Spinneweben, Werck und dergleichen gestopfft, auch Brandtewein hinein gegossen und drauf gelegt, allein, selbige wolten doch nicht zu bluten aufhören, und da ich dieses dem Vater wieder zu sagen hinunter kam, war derselbe fort.
Wir Kinder meineten, er würde etwa in das nächste Dorff gegangen sein, und Leute herzu ruffen, hoffeten aber auf deren Ankunfft umsonst, biss der Tag anbrach, da denn zu unsern Glücke etliche Manns- und Weibs-Personen kamen, welche in die Stadt zu Marckte gehen, vorher aber erstlich bei uns Brandtewein trincken wolten. Zwei Weiber, die sonst mit meiner Stief-Mutter wohl bekandt waren, blieben bei derselben, welche, als sie hörete, dass Helnam nicht weit von unsern haus erschossen läge, eine starcke Ohnmacht bekam, weswegen die Weiber Mühe hatten, sie wieder zu ermuntern, die Männer aber eileten nach der Stadt, hatten die geschichte der Obrigkeit gemeldet, da denn gar bald die Gerichten mit Doctor, Barbierer und Priester heraus kamen, erstlich die Mutter behörig verbinden liessen, nachher examinirten. Sie hatte die ganze Geschicht offenhertzig und dabei bekennet, dass sie schon seit etlichen Jahren, und ehe sie noch meinen Vater geheiratet, mit Helnam der Liebe gepflogen, meinen Vater aber, um ihn nicht eiffersüchtig, sondern desto sicherer zu machen, immer vorgeschwatzt, dass ihr dieser Mensch zuwider wäre etc. etc. Hierauf hatte sie gebeten, dass der Priester bei ihr bleiben, der Doctor und Barbierer aber nur nach haus reisen möchten, indem sie fühlete, dass sie den Abend nicht erleben würde. Dieses Letztere traff auch ein, denn nachdem der Priester den ganzen Tag mit ihr gesprochen und gebetet, auch das Heilige Abendmahl gereicht, starb sie, ehe es Abend wurde. Helnams körper