trieb also zugleich die Wirtschafft mit. Seiner Kinder waren 5. nämlich 3. Söhne, worunter ich der mittelste, und 2. Töchter, die noch jünger waren als ich. Meine Mutter war nach der Niederkunfft der jüngsten Schwester, beständig kranck geblieben, weswegen der Vater immer sehr verdrüsslich aussahe, und da dieselbe in meinem 9ten Jahre starb, mehr Zeichen der Zufriedenheit, als der Betrübniss von sich gab. ungeachtet nun mein Vater ein Mann von 65. Jahren, so war er doch noch sehr vigoreus, und tat es in seiner Profession vielen noch weit jüngern zuvor, welches ihn auch veranlassete, eine wohlgebildete Bauers-Tochter von etwa 17. biss 18. Jahren zur andern Ehe-Frau zu erwählen.
Allem Ansehen nach hatte mein Vater eine ungemein gute Heirat getroffen, denn unsere neue StiefMutter konte ihm doch gar zu niedlich um den Bart herum gehen, und dergestalt schmeicheln, als ob sie einen Mann von ihren Alter vor sich hätte. Er mochte bei Tage oder bei Nacht, um welche Zeit es auch war, aus dem wald kommen, so stunde sein KrafftSüppchen und Lecker-Bissgen alsobald auf dem Tische; uns Kinder tractirte sie auch dermassen wohl, dass wir über sie noch weniger, als über unsere seelige Mutter zu klagen hatten, denn die Holdseeligkeit und Freundlichkeit schien ihr angebohren zu sein, weswegen sich denn nicht allein Sonntags, sondern auch in der Woche viele Wein-Bier- und Brandteweins-Gäste bei uns einfanden, und alle nach Würden accommodiret wurden.
Unter andern gewöhnete sich auch ein junger unbeweibter Förster von der Nachbarschafft, gar sehr öffters zu uns zu kommen, ob ihn nun gleich mein Vater, weil es sein College war, sehr wohl leiden konte, so stellte sich doch unsere Stief-Mutter jederzeit verdrüsslich an, so offt er da war, liess sich auch zum öfftern gegen unsern Vater verlauten: Sie wisse in aller Welt nicht, wie dieser Kerl in unser haus kommen könnte, da er doch wisse, dass ihr seine person biss in tot zuwider sei, und sie ihm vor einiger Zeit, da er um sie gefreiet, den Korb nicht nur darum gegeben, weil er einen so schlechten Dienst, sondern weil sie einen natürlichen Abscheu vor seiner person hätte; und eben dieserwegen sähe sie am allerliebsten, wenn ihr dieser Kerl aus dem haus bliebe. Mein Vater lachte hierzu, sprach, dass sie in diesem Stück eine Närrin wäre, den ehrlichen Menschen aber zufrieden lassen sollte, welcher schon von etlichen Jahren her sein guter Freund wäre, über dieses manchen schönen Taler bei uns verzehrete. Wegen des letzteren, sagte die Stief-Mutter, mag es noch sein, und es ist das beste, dass der Sauff-Teuffel noch immer seine Zeche und das Schlaff-Geld bezahlt, wenn er aber zu borgen anfangen will, wie er in andern Wirts-Häusern getan hat, so wird die Paucke bald ein Loch kriegen. Frau! sagte mein Vater, sei kein Narre, lass den Kerl zufrieden, gib ihm, was er verlangt, denn wenn er mir auch 100. Tlr. schuldig wäre, so wüste ich mich schon bezahlt zu machen. Solche und dergleichen Discourse passirten gar öffters zwischen unsern Eltern, endlich aber kam es einmal würcklich dahin, dass sich die Stief-Mutter um einer eintzigen Kanne Wein halber mit dem Förster zanckte, und ihm etliche grobe Schmäh-Reden an den Halss warff, welche dieser, ungeachtet er betruncken war, dennoch verschmertzte, sich mit dem Kopffe auf den Tisch legte, und weiter nichts sagte, als dieses: um eines guten Mannes willen, muss man einer bösen Frau viel zu gute halten. Mein Vater nahm diese Worte vor redlich auf, liess sich demnach den Zorn dahin verleiten, dass er der Stief-Mutter, welche hinaus ging, folgte, und ihr eine derbe Maulschelle gab. Sie schien dieserwegen vor Jammer ganz ausser sich selbst zu sein, konte diesen ersten liebes-Schlag durchaus nicht vergessen, kam auch den ganzen Abend nicht wieder zum Vorscheine, sondern legte sich weinend zu Bette; jedoch der Vater hatte sie durch gütliches Zureden dahin gebracht, dass sie früh Morgens nicht allein wieder freundlich aussahe, sondern auch dem Förster Helnam, der Worte wegen, die sie gestern Abend in tollen Mute ausgestossen, um Verzeihung bat. Hierauf ging mein Vater mit demselben in den Wald, mein jüngerer Bruder war in die Stadt geschickt, die beiden kleinen Schwestern spieleten im hof, ich aber hatte mich, weil ich zu viel in der Sonne herum gelauffen war, und starcke Kopff-Schmertzen bekommen, oben in unserer ziemlich dunckeln Cammer ins Bette gelegt, und war etwas eingeschlummert, ermunterte mich aber sogleich, als Helnam mit meiner StiefMutter in die Cammer hinein getreten kam, einander umarmeten und vielemahl küsseten, welches mir denn sehr wunderbar vorkam, jedoch lag ich ganz stille, biss Helnam meine Stief-Mutter auf ein anderes Bette legte, und sich anstellete, als ob er sie erdrücken und ersticken wolte, weswegen ich, in Meinung, er wolle wegen der gestrigen Schelt-Worte Rache an der StiefMutter ausüben, mit vollem Halse um Hülffe schrye, da denn Helnam vor Schrecken zur Cammer hinaus sprunge, meine Stief-Mutter aber, nachdem sie sich einigermassen recolligiret, zu mir kam, mich zufrieden sprach, und sagte: Helnam hätte nur seinen Schertz mit ihr getrieben, ich sollte aber bei Leib und Leben weder dem Vater noch