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-Verwandten ihren Handel und Wandel mit einander zutreiben. Wie ich nun hoffe, mein wertester Herr und Freund, in diesem letzteren Puncte euren Beifall zu bekommen, so glaube auch, ihr werdet es nicht übel empfinden, wenn euren Freigelassenen dieses ihr Begehren versagt wird, doch wollen wir sie so beschencken, dass sie in Europa ein reputirliches Leben führen können.

So viel war es, was der Alt-Vater dem kapitän Horn zur Antwort gab. Dieser danckte sehr verbindlich, dass man ihm, vor seine person, nach glücklicher Zurückkunfft erlauben wolte, ein Mit-Genosse unseres ruhigen und vergnügten Lebens zu sein; erkandte die Entschuldigung, wegen Aufnehmung seiner Freigelassenen vor recht vernünfftig und billig, versprach auch, ihnen unterwegs die Felsenburgischen gedanken schon aus dem Sinne zu reden.

Hierauf ging die ganze Versammlung vor dieses mahl aus einander, kapitän Horn aber mit mir in meine Behausung, weil sich seine Liebste schon seit etlichen Tagen bei meiner Frauen daselbst als ein Gast aufhielt, um ihren Bräutigam zu sprechen, welchen sie allem Merckmahlen nach so sehr liebte, als er sie, ungeachtet derselbe dermahlen fast noch einmal so alt als sie, jedoch ein wohlgebildeter Mensch, mit schönen lockigten Haaren und sonsten sehr wohl gewachsen war. Ich liess die beiden Verliebten bei meiner Cordula alleine, und ging hinüber zu Mons. Litzbergen, bei welchem sich Herr Wolffgang, der diesen Abend nicht nach haus gehen wollen, nebst andern guten Freunden befand. Nach der AbendMahlzeit aber kam der kapitän Horn ebenfalls dahin, weswegen Herr Wolffgang so gleich mit demselben wegen seiner Braut zu schertzen anfing, und unter andern sagte: er hätte ihn, den kapitän Horn, nicht darum mitgenommen, dass er sich von einer Felsenburgischen einfältigen Schöne sollte bezaubern lassen, sondern vermeinet, er wurde sein Vermögen in Europa an einem guten Orte anlegen, sich eine rechte staates-Dame zur Ehe-Frauen auslesen, und mit derselben de propriis vergnügt leben, so aber musse man erfahren, dass er in allen Stücken, in seine, des kapitän Wolffgangs, Fusstapffen treten wolle. Ich hoffe nicht, mein Herr! versetzte hierauf der kapitän Horn, dass man mich schelten wird, wenn ich in der Mühe und Arbeit eurem Exempel folge, und also wird man mich auch nicht verdencken, wenn ich eben dergleichen Recreation suche, als ihr gefunden habt. So viel will ich versichern, dass, wenn ich auch in den stand wäre, mir in Europa ein Fürstentum oder Königreich anzukauffen, so würde ich doch nimmermehr geheiratet, oder mich mit Frauenzimmer verwirret haben, denn die Untreue, List und Betrug des Europäischen Frauenzimmers ist unbeschreiblich, so, dass unter Tausenden, ach! sagt mir doch, wie viel? zu finden, die ein redliches Hertze gegen eine, (ich sags mit Fleiss, Eine) Manns-person haben. Ich habe von der Zeit an, da ich nur meinen Verstand in etwas zu gebrauchen angefangen, ungemein viel Exempel, nicht von Hörensagen angemerckt, sondern mehrenteils selbst in Erfahrung gebracht, bei reiffern verstand aber daraus schliessen können, dass bloss allem das Frauenzimmer, den Manns-Personen die allergrösten Verdrüsslichkeiten, Unglücks-Fälle und Missvergnügen stifftet; Dieserwegen ist mir fast jederzeit bange worden, wenn ich par renommeè mit diesen Geschlechte umgehen müssen, ja ich habe mir nachher vest vorgesetzt, nimermehr zu heiraten, weil ich auch an meinem eigenen Exempel die Falschheit und List des Frauenzimmers sattsam erfahren, ja eben dieses trieb mich in meinen besten Jahren dahin, mein Fortun auf der See zu suchen, um nur von diesen Land-Syrenen weit genug entfernt zu sein. Da ich aber allhier, statt der Europäischen, masquirten, auch wohl gar geschminckten, so genannten irrdischen Engel, würckliche Engel von Gestalt und Gemüte angetroffen, ist mir die Lust zum Heiraten auf einmal wieder angekommen, ja ich wolte meine Braut, nebst dem in Zukunfft mit derselben zu hoffen habenden vergnügten Leben, nicht um ein Königreich vertauschen, der Himmel gebe nur, dass meine Hin- und Herfahrt glücklich sei.

Der kapitän Wolffgang sagte hierauf: Mein Herr! ich will jetzt kein Urteil fällen, ob ihr wegen des Frauenzimmers und sonderlich wegen des Europäischen, Recht oder Unrecht habt, sondern nur von herzen wünschen, dass ihr bald wieder zurück kommen, und hernach so vergnügt mit eurem Hanne Gretgen leben möget, als ich mit meiner Fiecke. Allein, es fällt mir eben jetzt ein, dass, ungeachtet wir beide seit so vielen Jahren her, Bekandte und gute Freunde gewesen sind, ihr mir doch noch niemals eure LebensGeschicht von Jugend auf erzählet habt, welche doch, wie ich jetzt aus wenig Worten vernommen, eben nicht unangenehm zu hören sein wird. deswegen, weil es sich jetzt ohnedem sehr gut schickt, wolte ich mir diese gefälligkeit wohl von euch ausgebeten haben. Dieser vermeinete, es möchte bereits etwas zu späte sein, da wir aber entgegen setzten, dass sich dergleichen Erzählungen in der stillen Nacht, da man von niemanden gestöhret würde, am besten tun und anhören liessen, war er endlich geneigt dazu; wir setzten uns auch zurechte, und merckten mit begierigen Ohren auf

Des kapitän Horns Lebens-geschichte.

Im Jahre 1693. (fing derselbe seine Erzählung an) bin ich im H. – – – land von ehrlichen Eltern erzeuget worden, mein Vater aber, welcher ein guter Jäger, war Holtz-Förster, und wohnete im wald in einem eintzelnen haus an der Heer-Strasse,