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ersten mahle besucht, weit Volckreicher, also auch etwas stärcker angebauet, und die Felder erweitert. Sonderlich muste man sein Vergnügen über die wohlangelegten Gärten haben, in welchen die trefflichsten, zur Speise dienenden Kräuter und Wurtzeln, ingleichen die herrlichsten Obst-Bäume, anzutreffen waren. Uberall, wo man hin kam, sah man Zeugnisse eines ungemeinen Fleisses, auch schwerer Mühe und Arbeit, hörete aber keinen Menschen klagen oder sich beschweren, dass ihm diese oder jene Arbeit sauer, schwer und verdrüsslich angekommen wäre, sondern ein jeder verrichtete sein Beruffs-Werck, sich, seinen Angehörigen und andern Nutzen und Vorteil zu schaffen, recht mit Lust. Die letztere Erndte und Weinlese hatte dergestalt viel Geträyde, Reiss und Trauben gegeben, dass sich die Aeltesten nicht entsinnen konnten, binnen etliche 20. Jahren ein so gar Segen-reiches Jahr gehabt zu haben, und eben dieserwegen waren das Korn-haus und die Wein-Keller dermassen angefüllet, dass fast nichts mehr darinnen Platz fand, ungeachtet die Land-Besteller nur von ihrem Uberflusse hergegeben hatten. In allen Häusern der Pflantz-Stätte war nunmehr schon ein zulänglicher Vorrat von zinnernen, blechernen, küpffernen, eisernen, töpffernen und dergleichen haus-Geräte anzutreffen, welches ebenfals zeugnis ablegte, dass unsere Europäischen Künstler und Handwercker nicht gefaullentzt. Wetterling, der Tuchmacher, hatte vor Eintritt des Winters den Rest der seinen und schlechten Tücher auf die Albertus-Burg geliefert, da nun eine jede Manns-person von 10. Jahren und drüber, Tuch zu einem Sonntags- und Werkkeltags-Kleide bekommen, fand sich nach gemachten Uberschlage doch noch so viel Tuch übrig, dass alle Manns-Personen noch 2. Sonn- und 2. WerckeltagsKleider bekommen konnten, dem ungeachtet, weil noch ein starcker Vorrat von kapitän Horns mitgebrachter Wolle, wie auch von unserer eigenen, indem sich unser Schaaf-Vieh schon ziemlich vermehrt, vorhanden war, hielt Wetterling mit denen, welchen er seine Profession erlernet, doch nicht inne, sondern sie machten immer mehr Tücher, welche teils schwartz, teils braun, teils rot gefärbt wurden, denn alle Jung-Gesellen vom 10ten Jahre an trugen biss zu ihrer Heirat, rot; die Männer braun, die Aeltesten und Vorsteher der Gemeinden aber so wohl als die Priester, schwartz Schwartze Trauer-Kleider aber wurden nur um die Eltern, Kinder, Geschwister, und dann um die Aeltesten und Vorsteher angelegt. Um der Frauenzimmer Kleidung bekümmerten sich die Manns-Personen nicht, sondern die Frau Mag. Schmeltzerin, meine Schwester und die Frau Hermannin, nahmen alle Donnerstage den Vorrat von den Spinnerinnen und Würckerinnen, ingleichen von Harckerten und seinen Professions-Genossen auf; gaben hergegen auch von Leinen- und Wollenen Zeugen heraus, was diejenigen Weibs-Personen, die mit dieser Arbeit nicht umgehen konnten, von nöten hatten.

Kleemann, der Pappiermacher, hatte von seinem, mittelmässigen und geringen Pappiere, auch PappenTafeln und dergleichen so viel geliefert, dass wir uns alle eine gute Zeit darmit behelffen konnten; war dieserwegen gesonnen, seine Profession eine Zeitlang an den Nagel zu hängen, und sich mit seinen Gehülffen desto fleissiger auf den Feld- und Garten-Bau zu legen; allein, da ihm vorgestellet wurde; wie wir resolvirt hätten, durch den kapitän Horn eine Buchund Kupffer-Druckerei aus Europa mitbringen zu lassen versprach er, mit seiner Profession fortzufahren, und eine zulängliche Menge von solchem Pappiere, das sich wohl dazu schickte, zu verfertigen.

Zu Ende des Aprilis war auch unser Müller Krätzer, mit der, zwischen Christophs- und ChristiansRaum zu bauen angefangenen neuen Mehl-Mühle fertig worden, da man denn auch so gleich die probe darauf gemacht, und dieses neue Werck vollkommen gut befunden; weswegen sich der älteste von Krätzers ausgelerneten Mühl-Purschen, in dieser Mühle setzte, und einen von den jüngern zu sich nahm, daher der Alte Meister Krätzer nunmehr nur halb so viel Arbeit auf dem Halse hatte, weil sich vornehmlich die Christophs Roberts-Christians- und Simons-Raumer, dieser neuen Mühle bedieneten.

Mons. Hollersdorff verfertigte nicht allein noch verschiedene schöne Bild-Stücken in die Kirche, sondern hatte sich auch vorgenommen, alle jetzt lebende Aeltesten, wie auch andere gute Freunde abzuschildern; machte inzwischen vor die letzteren, zum Feierabende auch manches kleines schönes Bild, die Zimmer damit auszuzieren. Uber dieses war er willens, die gefundenen Heidnischen güldenen Götzen-Bilder, ingleichen den ganzen Tempel abzumahlen.

Von allen übrigen Künstlern und Handwercken, habe ich bereits oben hoffentlich sattsame Nachricht erteilet, demnach weil nächst dem Feld-Baue auch die Vieh-Zucht wohl von statten ging, indem sich die aus Europa mitgebrachten Tiere ungemein stark vermehret hatten, so fand sich beim Nähr- oder HausStande kein Tadel. Den Lehr-Stand betreffend, habe auch schon zur Gnüge gemeldet, wie das Kirchenund Schul-Wesen aufs ordentlichste, andächtigste und erbaulichste eingerichtet worden. Solchergestalt ist nun leichtlich zu glauben, dass der Wehr- oder Obrigkeitliche Stand keine besondere Last tragen dörffen, indem allhier keine straffbaren Laster im Schwange gingen, ein jeder das Seine ohne Zwang verrichte, guten Vermahnungen und Erinnerungen gern und willig Folge leistete, vor auswärtigen Feinden aber man sich unter GOttes Schutz dermahlen nicht zu fürchten Ursache hatte.

Also stunden die Sachen zu Anfange des Monats Julii 1733. auf unserer Insul Gross-Felsenburg, da uns kapitän Horn, in den ersten Tagen besagten Monats, hinüber auf Klein-Felsenburg invitirte, um zuzusehen