befinden. Uber den grässlichen Abgrund jenseit des berges nach der Insul zu, mögen diese Leute auch wohl eine brücke gehabt haben, die aber nach der Zeit verfault und versuncken sein kan, oder wer weiss, ob dieser Riss zu ihrer Zeit schon gewesen, und nicht erst nachher entstanden ist? Denn man hat Exempel genug, dass Felsen zerspalten und zerrissen, mitin solche Abgründe entstanden, die vorher nicht gewesen oder gesehen worden sind.
Mit diesen und noch viel mehreren Reden, hatte uns also Herr Mag. Schmeltzer seine gedanken zu vernehmen gegeben, schloss aber endlich also: Es lässt sich, meine Freunde und Brüder! von diesen Sachen viel urteilen und schwatzen, allein, wir schwatzen alle davon, wie die Blinden von der Farbe, so lange als wir die Schrifften auf den güldenen, küpffernen und steinernen Tafeln nicht auslegen können.
Hierauf legten wir uns grössten Teils zur Ruhe, des folgenden Freitags begaben sich der Alt-Vater nebst den Aeltesten, Hn. Mag. Schmeltzern, Hn. Herrmannen und andern nochmahls mit in den Tempel, und blieben biss über Mittag darinne, da inzwischen die jungen fleissigen Arbeiter im Tragen sich dergestalt angriffen, dass wir auf beiden Fahrzeugen eine ziemliche und sehr kostbare Ladung hatten, und also fuhren wir ingesamt Sonnabends mit dem allerfrühesten von dannen ab und zurück nach Gross-Felsenburg. In folgender Woche taten Mons. van Blac und Litzberg die Reise noch 2. mahl, nahmen allezeit andere mit, so das Wunder-Gebäude noch nicht gesehen hatten, und brachten endlich alles, was sich so wohl im Tempel als sonsten, nützliches und brauchbares, vom grössten biss zum kleinesten, befunden hatte, glücklich herüber; da inzwischen ich und viele andere, so zu erst mit gewesen, um auszuruhen zu haus geblieben waren.
Diesemnach wurde Rat gehalten, ob man die Götzen-Bilder in Klumpen schmeltzen und dieses Gold bei die andern Kostbarkeiten, in die unter der Albertus-Burg befindliche Schatz-Cammer legen, oder sonsten etwas daraus giessen lassen wolte? Allein, Herr Mag. Schmeltzer sprach selbst darwider, und riet, man sollte es immer noch, als eine besondere Antiquität, im itzigen stand und Wesen lassen, von den güldenen, steinernen und küpffernen Tafeln aber dem kapitän Horn einige Stück mit nach Europa geben, damit er sie daselbst in Kupffer stechen lassen, auch in natura etlichen hochgelahrten Leuten zeigen könnte, als an welche, er, Herr Mag. Schmeltzer, dieserwegen Briefe schreiben und ein starckes Præmium darauf setzen wolte, vor denjenigen, der den Schlüssel zu der unbekandten Schrifft finden würde.
Wir billigten also diese Meinung ingesammt, und versprachen einander, vor des Capitains Horns Abreise, diesen Sachen schon noch weiter nachzudencken, und einen Schluss darüber zu fassen. Gedachter kapitän Horn hatte, weil es voritzo ohnedem Winter zu werden angefangen, und im feld nicht viel zu tun war, um noch mehrere Gehülffen angehalten, die 2. neuen Schiffe vollends, und zwar je eher je lieber, zu rechte und in die See bringen zu können, denn es war, wie ich, wo mir recht ist, schon oben gemeldet, resolvirt worden, vor uns Felsenburger ebenfalls ein ganz neues und starckes Schiff zu erbauen, welches in der Bucht gegen Süden zu, liegen bleiben sollte, um sich dessen entweder zur Lust, oder auf künfftige vorher unbewuste Fälle bedienen zu können.
Dieser Ursachen wegen wurde dem kapitän Horn nun um so viel desto hurtiger gewillfahret, und die Arbeit dergestalt hurtig fortgesetzt, dass kapitän Horn die sichere Hoffnung hatte, beide Schiffe vor Ausgang des Junii vom Stapel in die See lauffen zu lassen.
Es lieff wider meine Commodität nunmehr so offt nach Klein-Felsenburg hinnüber, und dem SchiffsBaue zuzusehen, wie viele andere, und sonderlich Mons. van Blac und Litzberg taten, dahingegen wartete ich die Information in der Schule fleissig ab, brachte gleich den andern meinen Garten in vollkommenen guten Stand, bauete hinter meiner wohnung im hof eine Scheune und verschiedene Ställe vor allerlei Vieh, indem ich nicht nur allerlei Vieh halten, sondern auch zwischen meinem Garten und der Alberts-Raumer-Gräntze ein Stücke Feld annehmen, dasselbe mit anderer Leute Hülffe zurichten und mit allerhand Getrayde, mehr zu meiner Lust, als aus Notdurfft besäen, hernach die Früchte einerndten und in meine Scheuern sammlen wolte. Hierzu bewegte mich meine Cordula, welche eine ungemeine Liebhaberin von der Zucht des aus Europa angekommenen Viehes, ingleichen vom Garten- und Feld-Baue war. Ausser diesem war Spinnen und Weben ihre tägliche Arbeit, und machte sie auf 2en Weber-Stühlen, die ihr Lademann in ihr besonderes Zimmer verfertiget hatte, Wechsels-weise die schönsten Zeuge, teils von Leinen-teils von Baumwollenen Garne, wie denn die Weiber der Priester, so wohl als andere sich ebenfals dieser, manchem Europäischen Frauenzimmer verächtlich vorkommenden Arbeit nicht schämeten. Ob nun schon meine Hausshaltung nur aus 5. Personen, nämlich aus mir, meiner Frauen, dem kleinen Sohne, einem Knaben und Mägdlein zur Aufwartung, bestunde, so war doch alles ordentlich sauber und reinlich darinnen anzutreffen. Dieses aber nicht allein bei mir, sondern auch in allen Häusern, wo man nur hinkam; indem in den Pflantz-Städten, diejenigen, welche die schmutzigsten Handtierungen trieben, dennoch ihre reinlichen Stuben hatten, wohinnen sie diejenigen, von welchen sie besucht wurden, führen konnten. Es waren aber diese Pflantz-Städte, seit dem ich selbige im Jahr 1725. zum