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Orten, sondern viel lieber unter freien Himmel zu verbleiben, demnach lagerten wir uns alle auf dem grünen platz, nicht ferne vom Meer-Ufer, bei etlichen angemachten Feuern, brachten aber den meisten teil der Nacht mit Gesprächen zu, denn ein jeder von den Erfahrensten sagte seine Meinung von diesem Wercke und Wesen, worauf endlich Herr Mag. Schmeltzer also zu reden anfing: Lieben Freunde und Brüder! Wenn wir so gelehrt wären, die Schrifften auf denen in den Tischen gefundenen Täfleins auszulegen, so würden wir ein grosses Licht in dieser dunckeln Sache finden, so aber ist dieses einem so wohl als dem andern unmöglich, und wer weiss auch, ob sich in ganz Europa jemand finden möchte, der so hochgelahrt ist, diese Schrifften, welche ich vor der damahligen Einwohner Zeit-Geschicht- und Gesetz-Bücher halte, auszulegen. Euer aller Meinungen sind nicht unvernünfftig, ob gleich dann und wann eine wider die andere streitet. Wohl kan es sein, dass dieser Tempel und Heidnisches Heiligtum, viele hundert Jahre vor unsers Heilandes CHristi Geburt erbauet worden, und dass die Leute, deren nicht wenig müssen gewesen sein, viele Jahre damit zugebracht, ehe sie so viele Gänge, Gewölber und Cammern in diesen, obschon nicht allzu harten SteinBerg, ausund durchgehauen haben. Wie ich vernehme, so findet sich in diesem Gebürge sehr viel reichhaltig GoldErtz, denn Mons. Litzberg, Plager und einige andere haben mir Ertz-Stuffen aus diesem Berge gezeigt, worin ganze Stücken des gediehenen Goldes, grösser als eine Feld-Bohne zu sehen, ohne die kleinern Stücklein. Bekannt ist es, dass das Gold vermögend ist, der allermeisten Menschen herzen an sich zu ziehen, und dass schon vor uralten zeiten sich Leute mit Schiffen in das wilde Meer gewagt, um Gold aus andern Ländern und Insuln zu holen, wie wir solches nicht allein in den alten Geschicht-Büchern von allerlei Sprachen, sondern auch in der heiligen Schrifft, I. Reg. IX, 27. 28. lesen, dass Hiram, der König zu Tyro, seine Knechte, die gute SchiffLeute und auf dem Meere sehr wohl erfahren gewesen, mit den Knechten des Königs Salamo gesendet, da sie denn nach Ophir gekommen, und von dannen dem Könige Salomo 420. Centner Goldes gebracht, welches in Wahrheit auch ein schöner Klumpen gewesen sein muss. Dass andere Nationen von Heiden, um, und nach selbiger Zeit nicht weniger in der Schiffart wohl erfahren gewesen, ungeachtet sie zur selbigen Zeit noch keinen Compass gehabt, indem derselbe nur erstlich vor 300. und etlichen Jahren erfunden worden, ist gleichfalls eine ausgemachte Sache, deswegen kan es, wohl sein, dass einmal ein Schiff mir solchen Gold-Suchern an diese Insul verschlagen worden, da sie sich denn wegen der angenehmen Gegend, entweder so gleich allhier freiwillig niedergelassen, oder von der Not gezwungen gesehen, in Ermangelung eines tauglichen schiffes, da zu bleiben; Oder sie sind erstlich nach haus gefahren, haben ihre Weiber und Kinder hergeholet, mitin die beständige wohnung aufgeschlagen, weil allhier ein fruchtbarer Boden ist. Ob sie nun das Commercium mir andern Menschen fortgeführet, oder in diesem abgelegenen Stücklein von der Welt, vor sich alleine in Ruhe geblieben, das ist eine andere Frage. Nun frage sichs auch, ob sie ihre Hütten auf dem land gebauet, oder alle in den Felsen-Klüfften gewohnet: Ich glaube das erstere, dass nämlich wenigstens diejenigen, welche das Feld gebauet, etwa in der Gegend, wo die Urnen gefunden worden, die Berg-Leute und Gold-Sucher aber, auch wohl im Gebürge gewohnet haben mögen. Wie stark diese Colonie gewesen? Wie lange sie sich hier aufgehalten? Dieses und dergleichen sind vergebliche fragen, die niemand beantworten kan; das aber ist wohl zu glauben, dass sie einen beständigen Sitz hier haben wollen, und erhellet daraus, weil sie einen so grossen Tempel und kostbare Götzen-Bilder verfertiget, welches alles auch Zeugnisse sind, dass es keine grobe, ungeschliffene, sondern guten Teils kluge, künstliche und geschickte Heiden müssen gewesen sein. Nun ist die Haupt-Frage: Wo sind sie alle hingekommen, so, dass wir von allen diesen vermutlich vielen Volcke kein anderes Uberbleibsel als 10. Gefässe mit Asche und ein eintziges toten-Gerippe finden können? Haben sie vielleicht keine Weiber, ihr Geschlecht zu vermehren, bei sich gehabt, mitin endlich wohl aussterben müssen? Oder sind sie, so wohl Weiber, Männer als Kinder, durch eine Pestilentz, alle zusammen hingerafft worden? Oder sind sie von andern wilden Nationen massacrirt, beraubt oder sämmtlich gefangen hinweg geführt worden? Dieses alles lässt sich fragen, anhören, nur aber nicht gründlich beantworten. Man könnte sagen: Wenn sie von ihren Feinden waren ausgerottet worden, so würden selbige doch auch den Tempel gefunden und ausgeplündert haben. Allein, könnte es nicht auch sein, dass eben diese Feinde, durch des Teuffels und seiner pfaffen Gespenster und Gauckeleien abgeschreckt worden, sich in die unterirrdischen Hölen zu begeben: Vielleicht haben sich nur, bei dem mörderischen Uberfalle, die pfaffen alleine in den Tempel zu retiriren und aufzuhalten gelegenheit gefunden, da denn immer einer den andern begraben, biss auf den Letzten, der sich in sein steinern Bette gelegt, und den tot darinnen erwartet, mitin unbegraben oder unverbrannt liegen geblieben, und mögen der vornehmsten pfaffen vielleicht 3. gewesen sein, weil sich nur 3. ausgehauene Bett-Stellen in der einen Cammer