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von ihnen, ungeachtet, da wir etliche Stunden lang ein Geschrei gemacht, dass die Felsen hätten bersten mögen; O! die ehrlichen Leute; Ach der wackere kapitän! was wollen wir nun anfangen? Hierauf trat der kapitän und wir alle zu den Hütten heraus, da denn die Verwunderung und Freude bei diesen 6. Männern unbeschreiblich war. kapitän Horn erzählte diesen eben die geschichte, welche er ihren Mit-Gesellen kurz vorher erzählet hatte, liess mitin alle bei den gedanken, dass die brücke von bösen Geistern eingestürtzt sein müsse.

Wegen grosser Müdigkeit beschlossen wir GrossFelsenburger, heute noch bei dieser Gesellschafft auszuruhen, legten uns deswegen bei zeiten zur Ruhe, bald nach Mitternacht aber wanderten wir nach unserm Boote, vergassen auch nicht, etliche taugliche Stücken Holtz mitzunehmen, aus welchen wir auf dem Boote Trage-Baaren zusammen nagelten, um, auf solchen die Götzen-Bilder und ander Sachen, aus dem Tempel ins Boot zu tragen.

Es war Vormittags zwischen 9. und 10. Uhr, da wir hinter dem Berge bei dem obgemeldten grünen platz anländeten, weswegen nur allein die beiden Capitains Wolffgang und Wodlei im Boote bleiben mussten, wir jungen starcken Leute aber stiegen aus, nahmen fackeln, Wind-Lichter und allen Zubehör mit uns, und brachten noch vor Abends nicht allein die auf dem Altare stehende runde Kugel, sondern auch noch 6. Götzen-Bilder ins Boot, ruderten sodann, weil, wie schon gemeldet, die Nächte um selbige Zeit ganz helle waren, damit auf und darvon, und kamen folgenden Morgen, nämlich des Montags, glücklich auf Gross-Felsenburg an, nachdem wir eben 7. Tage und 7. Nacht aussen gewesen waren, und es sich accurat so geschickt hatte, dass wir am Palm Sonntage, dem Teuffel seinen Tempel zu spoliren angefangen. Weiln aber dieses die heilige Marter-Woche war, so beschlossen wir, unserer Andacht keinen Abbruch zu tun, sondern die fernern Reisen biss nach dem Heiligen Oster-Feste zu versparen, schickten jedoch mit dem Boote, der auf Klein-Felsenburg befindlichen Gesellschafft, viel frische Lebens-Mittel, auch allerlei Lecker-Speise und Wein, insonderheit Herr Diaconus Herrmannen mit etlichen Singe-Knaben hinüber, welche dasigen Volcke das fest über Kirche halten sollten; den kapitän Horn aber liessen wir mit zurück bringen, um, biss nach dem Oster-Feste bei uns zu bleiben. Jedoch ich muss etwas zurück gehen und melden, dass wir gleich bei unserer Ankunfft die GötzenBilder auf den Trage-Baaren, jedoch eingehüllet, und mit darüber gedeckten Teppichen herauf tragen, und mitlerweile in eine kleine Cammer, so unten in unsern Kirch-Turme befindlich, setzen liessen. Am grünen Donnerstage Nachmittags, da sich nach verrichteten Gottes-Dienste alles Volck biss auf die Aeltesten und Vorsteher nach haus begeben, zeigten wir demselben sowohl als dem Alt-Vater Alberto II. denen Herrn Geistlichen und andern erfahrnen Leuten, unsere gefundenen Schätze, welche vor Verwunderung nicht wusten, was sie davon gedencken sollten; deswegen begaben wir verreiset gewesenen uns sämmtlich mit ihnen auf die Albertus-Burg, wo mir von der ReiseGesellschafft aufgetragen wurde, einen ausführlichen Bericht von allen begebenheiten abzustatten, welches denn zum teil vor, zum teil aber nach der AbendMahlzeit geschahe. Nach Endigung meiner Erzählung wusten meine Zuhörer nicht, ob sie sich mehr über diese Heidnischen Altertümer, oder über die wunderbare Fügung, oder über unsere Courage verwundern sollten, daher ich denn nicht vergass, den Mons. van Blac, wegen seines ausnehmenden HeldenMuts, besonders heraus zu streichen, ja es wurde ihm von uns und allen zuerkannt, dass er die HauptPerson bei dieser Entdeckung sei. Inzwischen war unter allen denen, die diese Wunder-Geschicht angehöret, kein eintziger, welcher nicht die gröste Begierde gezeigt hätte, diesen Götzen-Tempel und das ganze unterirrdische Werck selbst in Augenschein zu nehmen, weswegen beschlossen wurde, dass wir gleich bei der ersten Fahrt, den Alt-Vater Albertum, Hrn. Mag. Schmeltzern und noch einige Stamm-Väter mit dahin nehmen sollten. Wie also, nicht nur die stille Woche, sondern auch das Heilige Oster-fest mit behöriger Andacht gefeiert worden, machten wir so gleich tages hernach Anstalt zu unserer Reise, und Donnerstags den 9. Apr. fuhren wir, in starcker Gesellschafft, auf 2. Fahr-Zeugen abermals hinüber, liessen mit dem einen den kapitän Horn wiederum zu seinen Leuten, hergegen den Priester, Herr Hermannen, nebst den Singe-Knaben zurück, auf den grünen Platz bringen; von welchen wir erfuhren, dass sich der meiste teil des schiffes-Volcks, auch so gar die frembden Portugiesen, diese Heilige Tage über sehr still und andächtig bezeigt, auch die wenigsten gespielet, oder andere üppige Lust getrieben hätten. Unter der Zeit aber, da das andere Fahr-Zeug unterwegs, war der gröste teil der Unsern mit dem AltVater, Herrn Mag. Schmeltzern und andern Aeltesten in den Berg hinein gegangen, da denn alles so gefunden wurde, wie wir es verlassen hatten, wobei, wie leichtlich zu erachten, diejenigen, so den wunderbaren Bau zum ersten mahle sahen, sich ungemein darüber verwunderten, da aber die Träger ihre Lasten zum andern mahle aufgefasset, und schon ein ziemlich StückWeges damit voraus waren, folgeten wir übrigen ihnen auch nach, indem der Abend heran zu nahen begunte, denn der Alt-Vater so wohl als die andern Aeltesten bezeigten keine Lust über Nacht an solchen fürchterlichen