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machte Feuer an, und bliess so lange, biss das ziemlich klein gesplitterte Holtz in volle Flamme geriet.

Mons. van Leuven war hertzlich erfreuet über meinen glücklichen Einfall, und badete noch zwei mal mit mir hinüber, um so viel Holtz aus dem SchiffsStücke zu brechen, wobei wir uns die ganze Nacht hindurch gemächlich wärmen könnten. Die Witterung war zwar die ganze Nacht hindurch, dermassen angenehm, als es in Sachsen die besten Sommer-Nächte hindurch zu sein pfleget, allein es war uns nur um unsere frostige Patientin zu tun, welche wir der Länge lang gegen das Feuer legten, und aufs allerbeste besorgten. Der tolle kapitän kam endlich auch zu uns, eine Pfeiffe Toback anzustecken, da ich ihn aber mit seinen Tobackrauchen schraubte, indem er ja zu crepiren willens wäre, ging er stillschweigend mit einer scheelen mine zurück an seinen vorigen Ort.

Concordia war indessen in einen tieffen Schlaf gefallen und forderte, nachdem sie gegen Morgen erwacht war, einen Trunck frisch wasser, allein weil ihr solches zu verschaffen unmöglich, beredete Mons. van Leuven dieselbe, ein wenig Wein zu trincken, sie nahm denselben, weil er sehr Frisch war, begierig zu sich, befand sich aber in kurtzen sehr übel drauff, massen sie wie eine Kohle glüete, und ihr, ihrem sagen nach, der Wein das Hertze abbrennen wolte. Ihr Ehe-Herr machte ihr die grössten Liebkosungen, allein sie schien sich wenig darum zu bekümmern, und fing unverhofft also zu reden an: Carl Frantz gehet mir aus den Augen, damit ich ruhig sterben kan, die übermässige Liebe zu euch hat mich angetrieben das 4te Gebot zu übertreten, und meine Eltern biss in den tod zu betrüben, es ist eine gerechte Strafe des himmels, dass ich, auf dieser elenden Stelle, mit meinen Leben davor büssen muss. GOTT sei meiner und eurer Seele gnädig.

Kein Donnerschlag hätte Mons. van Leuven erschrecklicher in die Ohren schmettern können, als diese Centner schweren Worte. Er konte nichts darauff antworten, stunde aber in vollkommener Verzweiffelung auf, lieff nach dem Meere zu, und hätte sich ganz gewiss ersäufft, wenn ich ihm nicht nachgelauffen, und durch die kräfftigsten Reden die mir GOTTES Geist eingab, damals sein Leib und Seele gerettet hätte.

So bald er wieder zurück auf die trockene SandBanck gebracht war, legte ich ihm nur diese Frage vor: Ob er denn sein Leben, welches ihm GOTT unter so vielen wunderbarer Weise erhalten, nunmehr aus Ubereilung dem Teufel, samt seiner Seele hingeben wolte? Hierzu setzte ich noch, dass Concordia wegen übermässiger Hitze nicht alle Worte so geschickt, wie sonsten, vorbringen könnte, auch vielleicht in wenig Stunden ganz anders reden würde, u.s.w. Worauff er sich denn auch eines andern besonn, und mir hoch und teur zuschwur, sich mit christl. Gedult in alles zu geben, was der Himmel über ihn verhängen wolle. Er bat mich anbei, alleine zur Concordia zu gehen, und dieselbe mit gelegenheit auf andere gedanken zu bringen. Ich bat ihn noch einmal, seine Seele, Himmel und Hölle zu bedencken, und begab mich zur Concordia, welche mich bat: Ich möchte doch aus jenem Mantel etwas Regen-wasser ausdrücken, und ihr solches zu trincken geben. Ich versicherte ihr solches zu tun, und begehrete nur etwas Gedult von ihr, weil diese Arbeit nicht so hurtig zugehen möchte. Sie versprach, wiewohl in würcklicher Phantasie, eine halbe Stunde zu warten; Aber mein GOTT! da war weder Mantel noch nichts, woraus ein eintziger Tropffen Wassers zu drücken gewesen wäre. deswegen lieff ich ohn ausgezogen durch die See nach dem Schiffe zu, und fand, zu meinen selbst eigenen grössten Freuden, ein zugepichtes Fass mit süssen wasser, worvon ich ein erträgliches Lägel füllete, aus unserer Cajŭte etwas Tee, Zucker und Zimmet zu mir nahm, und so hurtig als möglich wieder zurück eilete. ungeachtet ich aber kaum eine halbe Stunde ausgeblieben war, sagte doch Concordia, indem ich ihr einen Becher mit frischen wasser reichte: Ihr hättet binnen 5. Stunden keine Tonne wasser aussdrücken dürffen, wenn ihr mich nur mit einem Löffel voll hättet erquikken wollen; aber ihr wollet mir nur das Hertze mit Weine brechen, GOTT vergebe es euch. Doch da sie den Becher mit frischen wasser ausgetruncken hatte, sagte ihr lechzender Mund: Habet Danck mein lieber Albert Julius vor eure Mühe, nun bin ich vollkommen erquickt, deckt mich zu, und lasset mich schlafen. Ich Gehorsamete ihrem Begehren, machte hinter ihren rücken ein gelindes Feuer an, welches nicht eher ausgehen durffte, biss die Sonne mit ihren kräfftigen Strahlen hoch genug zu stehen kam.

Immittelst da sie wiederum in einen ordentlichen Schlaf verfallen war, ruffte ich ihren Ehe-Herrn, der sich wohl 300. Schritt darvon gesetzt hatte, herzu, tröstete denselben, und versicherte, dass mich seiner Liebsten Zustand gänzlich überredete, sie würde nachdem sie nochmals erwacht, sich ungemein Besser befinden.

Damals war ich ein unschuldiger, aber doch in der Wahrheit recht glücklicher Prophete. Denn 2. Stunden nach dem Mittage wachte Concordia von sich selbst auf, forderte ein klein wenig Wein, und fragte zugleich, wo ihr Carl Frantz wäre? Selbiger trat Augenblicklich hervor, und Küssete dieselbe kniend mit tränenden Augen. Sie trocknete seine Tränen mit ihrem Halss-Tuche ab, und sprach mit frischer stimme: Weinet nicht mein Schatz, denn ich befinde mich jetzt weit Besser, GOTT