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, weswegen wir zurück und in die 2te offen stehende, Cammer gingen, die ebenfalls vom Tages-Licht erleuchtet war. Allhier zeigte sich der Tür gleich gegen über auf einem halb-runden Altare das Bildniss Phœbi, so, wie es noch heutiges Tages von den Mahlern und Bildhauern vorgestellet wird. Es war dasselbe so wohl wie die andern im Tempel 2. Ellen hoch, und von puren Golde. Auf jeder Seite des Altars, als wohin das meiste TagesLicht fiel, stunde ein aus dem ganzen gehauener steinerner Tisch, vor jedem auch ein steinerner Sessel, in der Mitte eines jedweden Tisches aber war eine viereckigte, grosse, güldene, glatt-gemachte Platte eingefügt, an welchen so gleich zu mercken, dass sie heraus genommen werden konnten; als wir demnach die auf dem Tische zur Rechten ausgehoben, fanden sich in dem ausgehölten Tische 253. küpfferne und 118. steinerne Täflein, jedes 8. Zoll lang und 51/2. Zoll breit. Es wurde erstlich von jeder Sorte nur eins, hernach alle zusammen heraus genommen, jedoch numerirte Mons. Litzberg die küpffernen und ich die steinernen mit spitzigen Instrumenten, indem oben und unten an den Täfleins Platz genug dazu war. Auf allen Tafeln durchgehend, befanden sich, auf jeder Seite, nicht mehr und nicht weniger als 13. Zeilen Schrifft, die aber von uns so wenig gelesen, als nur ein eintziger Buchstabe oder charakter erkandt werden konte. Mons. Litzberg wurde vor allen andern hierüber dergestalt verdrüsslich und ungedultig, dass er sprach: "Wolte der Himmel! dass alle in diesem Berge befindlichen Kostbarkeiten zu blossen gemeinen Steinen würden, wenn ich nur dagegen das Vergnügen haben sollte, diese Schrifft lesen und auslegen zu können."

Viele, worunter auch ich, waren mit ihm einstimmig, der Wunsch aber vergeblich, deswegen wurde alles wiederum ordentlich nach den Nummern hinein gelegt, und wir begaben uns an der andern Tisch, huben die güldene Platte gleichfalls auf, und fanden unter derselben 402. güldene Tafeln, jede 9. Zoll lang, 7. Zoll breit und 1/8. Zoll dicke. Auf jeglicher Seite waren ebenfals nicht mehr als 13. Zeilen, jedoch die Littern oder Characters etwas gröber ausgestochen, als in den vorherigen küpffernen und steinernen. Sie wurden alle ebenfals numerirt, und biss aus weitern Bescheid indessen wieder an ihren Ort und Stelle gelegt.

Lincker Hand, in der etwas dunckeln Ecke, sah man eine, gleich einem Back Troge ausgehauene steinerne Lager-Statt, vor derselben eine Absatz, Stuffe oder Banck, und zum Häupten in der Ecke einen Tisch, unter welchem in 3. Fächern allerhand Instrumenta, als Messer, Grabstichel und dergleichen von verschiedener Grösse in behöriger Ordnung lagen. Auf dem Tische und der Banck stunden und lagen verschiedene Sachen, als eine küpfferne Flasche, ein goldener Trinck-Becher, 2. Pfannen oder halbe Töpffe, 2. güldene Schalen, die an statt der Schüsseln, und so viel Platten, die an statt der Teller zu gebrauchen, verschiedenes kleineres Geschirr, ein Messer, ein Löffel, dessen Stiel eine Schlange vorstellete, und was es sonsten mehr war. In obgemeldeter Lager-Statt fand sich, nach genauer Besichtigung, erstlich oben ein würcklicher toten-Kopff, so dann die stärcksten Menschen-Knochen in ausgestreckten Lager, die dünnen, kleinen und schwachen Knochen aber waren schon gänzlich, oder doch mehrenteils verweset, und so wohl als die Kleider, die dieser Mensch angehabt haben mochte, zu Mülben und Asche worden. Wir liessen den Rest dieses Cörpers in seiner Ruhe liegen, erblickten zu dessen Füssen nach der Tür hin, noch 2. eben dergleichen Lager-Stätten, die aber rein und ledig waren, und da also in dieser Cammer weiter nichts merckwürdiges anzutreffen, eröffneten wir die Türen der 3ten und 4ten Cammer, mutmasseten, dass solches die Speise- und Vorrats-Cammern gewesen sein mochten, indem sich viel vermodertes und zu Staub und Asche gewordenes Zeug darinnen befand, doch kan ich auch nicht läugnen, dass wir einen ziemlichen Vorrat von nutzbaren Sachen allhier antraffen, die, wo nicht eben uns, doch unsern Nachkommen, noch wohl dienlich sein können.1

Hierauf nahmen wir den Rückweg nach der ersten Tür, bei welcher das grosse güldene Horn hing, erblickten derselben gegen über abermals eine Tür, welche uns in ein Gewölbe oder Cammer führte, darinnen eine ziemliche Anzahl sowohl küpfferner als steinerner wasser- oder Wein-Krüge und dergleichen Gefässe, befindlich, woraus zu schliessen, dass dieses der Keller gewesen, wo man das Geträncke verwahrt, wie denn ganz zu hinterst in diesem Gewölbe ein Ströhmlein des kläresten und süssesten Wassers, fast eines Arms dicke, oben aus dem Felsen heraus geschossen kam, und sich auf dem Boden in einen sehr tieffen Riss ergoss, über welchen jedoch ein steinerner Trog von ziemlicher Grösse gesetzt war. Im Zurückgehen, fanden wir auf der rechten Seite im Gange, noch ein schmales Loch, jedoch weil man etliche Stuffen dahinunter, gewahr ward, wagten sich Mons. und ledig waren, und da also in dieser Cammer weiter nichts merckwürdiges anzutreffen, eröffneten wir die Türen der 3ten und 4ten Cammer, mutmasseten, dass solches die Speise- und Vorrats-Cammern gewesen sein mochten, indem sich viel vermodertes und zu Staub und Asche gewordenes Zeug darinnen befand, doch kan ich auch nicht läugnen, dass wir einen ziemlichen Vorrat von nutzbaren Sachen allhier antraffen, die, wo nicht eben uns, doch unsern Nachkommen,