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Besichtigung anderer Instrumenten aber, die wir weder zu nennen noch ihren eigentlichen Nutzen wusten, brachten wir endlich die Nacht heran, gingen desswegen auch mit dieser Curiosität wohl vergnügt wieder zurück, lagerten uns in dem geraumlichen Vorhofe des Tempels, der so gleich vor der Tür nach Norden zu befindlich, auf den Boden, liessen unsere Wind-Lichter bei uns stehen, hielten die Abend-Mahlzeit, nach derselben aber eine andächtige Bet-Stunde, und warteten mit Verlangen auf die Mitternachts-Stunde. Allein, mit Eintritt derselben geschahe ein grausamer Knall, eben als wenn 100. kanonen auf einmal gelöset würden, auf diesen folgte ein grausames Geprassele, der Boden bebete unter uns, und es lief sich anhören, als ob der ganze Berg in viel tausend Stücken zerspringen und in einen Klumpen zerfallen wolte. Wie uns hierbei zu Mute gewesen, wird jederman leicht mutmassen, zumahlen da unsere Lichter nur einen kleinen Schein von sich gaben, als ob sie indem ausgehen wolten, weil ein dicker Staub oder Nebel dieselben verdunckelte. Endlich, da das grässliche Geprassele und unser erster Schrecken über 3. Minuten lang gewähret, ward alles stille, wir spüreten keine Erschütterung mehr, unsere Lichter fingen an heller zu brennen, der dicke Nebel verzohe sich zum teil, so, dass wir erstlich mit Verwunderung bemerckten, wie die auf dem Altar befindliche runde Kugel als ein Uhrwerck sehr schnell herum lieff, und Strahlen von allerhand Farben von sich warff. Ferner bemerckten wir, doch als im Nebel, womit der Tempel angefüllet war, dass sich Figuren wie Menschen in demselben regten, so teils gingen, teils stille stunden, teils auf dem Boden herum webelten. Um halb 12. Uhr stunde die Kugel auf einmal stille, aus dem Eingange nach Osten zu, erschallete ein grässlicher laut, als ob auf einem grossen Horne geblasen würde. Hierauf erhub sich ein wunderlich durch einander her, grob und klar klingendes Schreien, Heulen und Winseln, welches etwa 4. Minuten währete, und als das Horn zum andern mahle geblasen wurde, so gleich aufhörete. Nach diesem liess eine dumpffigte stimme, die unserm Bedüncken nach aus dem grossen Altare kam, etliche unvernehmliche Worte hören, worauf sich ein sanfftes Gemurmele im ganzen Tempel erhub, inzwischen aber liessen sich bald dort bald da laute Stimmen hören, als ob sie etwas fragten, worauf ihnen die dumpffigte stimme aus dem Altar allezeit ordentlich antwortete, biss endlich das Schreien, Heulen und Winseln wieder anging, und sich nicht eher als bei Blasung des Horns endigte. Kaum war der Schall des Horns verschwunden, als sich eben ein so starcker Knall, wie vor einer Stunde, auch eben dergleichen Erschütterung, Gepoltere und Geprassele, zutrug, jedoch über alles dieses war der ganze Tempel voll lauter Feuer, und nicht anders anzusehen, als ein im höchsten Grad geheitzter Brenn- oder Schmeltz-Ofen, es schlugen etliche mahl Flammen heraus auf uns zu, weswegen einige der Unsern furchtsam werden und zurück welchen wolten, allein, wir vordersten sassen wie unbewegliche Steine, liessen uns nichts anfechten, und ich kan versichern, dass die heraus schlagenden Flammen nicht die geringste Hitze mit sich brachten, sondern ein blosses Lufft-Spiel waren, welches Gauckel-Spiel unter einem wiederholten Knall alles auf einmal verschwand.

Nachdem wir uns von der gehabten Alteration, völlig erholt, vermeineten einige, das Feuer würde im Tempel alles verzehret haben, allein, da unsere Lichter wiederum vollkommen helle zu brennen anfingen, sahen wir keine Veränderung, ja, Mons. van Blac war so hertzhafft, mit einer Laterne im ganzen Tempel herum zu spatziren, und meldete sodann, dass er alles unversehrt gefunden hätte.

Folgenden Morgens war unsere erste Arbeit, den Ausgang nach Osten durchzusuchen, und daselbst fand sich, nachdem wir nur etwa 10. oder 12. Schritte in die Höle hinein getan, ein güldenes Horn, etwa so lang, als ein gekrümmter Manns-Arm, jedoch unten sehr weit und dick, an einer güldenen Kette hangen, gleich darneben auf der rechten Seite war eine offene Tür, durch welche wir in eine grosse Cammer, oder so zu sagen, Vorhoff traten, in welchem gerade vor uns, nach der Süd-Seite zu, 2. offen stehende, nach der Ost-Seite aber, eben so viel, jedoch verschlossene Türen, zu sehen waren. Die erste von den offen stehenden führte uns in eine grosse Cammer, die ziemlich helle war, indem das Tages-Licht durch 2. grosse Felsen-Löcher hinein fiel, sonsten aber kam uns die Cammer als eine Küche, oder gar als ein Laboratorium vor, indem sich einige hohe und niedrige Heerde, so dann verschiedene kleine, auch ziemlich grosse Feuer- und Schmeltz-Oefen, ingleichen 2. eingemauerte küpfferne Pfannen, eine 4. die andere 21/2. Ellen lang, beide aber 2. Ellen breit und tieff, an welchen allen die Rauch-Fänge gar künstlich und geschickt oben hinaus geführt waren. Hiernächst fanden sich verschiedene in Ordnung gesetzte Instrumenta, als: Feuer-Röhre, Schauffeln, Gabeln, Hacken, eiserne und küpfferne Töpffe, Tiegel, Pfannen, Schaalen, grosse und kleine Platten, und dergleichen Zeug, welches man teils in der Küche, teils beim Schmeltzen und Laboriren brauchen kan; sonsten wurden noch 2. grosse zugedeckte Löcher entdeckt, deren eines ganz mit Kohlen, und das andere über die Helffte mit Asche angefüllet war, ausser diesem allen aber nichts besonderes merckwürdiges